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Von Juli 2004 bis Juli 2006 war Jürgen Klinsmann Trainer beim DFB © imago

Der ehemalige Bundestrainer nimmt vor allem Lahm und Schweinsteiger in die Pflicht und gibt Tipps für ein erfolgreiche WM.

München - Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann traut der deutschen Nationalmannschaft trotz des Ausfalls seines ehemaligen "Capitano" Michael Ballack bei der WM in Südafrika einiges zu.

"Die Verletzung von Michael ist natürlich gravierend. Er war über Jahre der Leader schlechthin. Es wird schwer dieses Vakuum auszufüllen. Aber wir werden trotzdem eine gute Rolle spielen. Deutschland gehört wie immer zu den Favoriten. Wir haben eine schlagkräftige Truppe, die sich vor niemandem verstecken muss", sagte der 45-Jährige. (der deutsche Kader im Überblick)

Klinsmann nimmt durch das Aus von Ballack nun den neuen Kapitän Philipp Lahm und dessen Münchner Vereinskollegen Bastian Schweinsteiger sowie Per Mertesacker und Lukas Podolski noch mehr in die Verantwortung.

Mehr Verantwortung für Lahm und Co.

Es sei ein Schritt "Verantwortungsübergabe an die nächste Generation", meinte er. Lahm und Co. hätten "jetzt die Möglichkeit, noch mehr in den Vordergrund zu rücken."

Sie müssen jetzt die nächste Stufe nehmen. das Potenzial haben sie", sagte der ehemalige Coach von Bayern München und fügte an: "Für die Jungs ist es schon das dritte Turnier. Sie haben alle über 50 Länderspiele."

Seit dem "Sommermärchen" 2006 sei die "Generation mit Podolski, Lahm, Schweinsteiger und Mertesacker gewachsen".

Dennoch könnte es schon ein Problem werden, "ohne den Leader in so ein Turnier zu gehen. Es fehlt eben ein Schlag Erfahrung."

Ballack wird zurückkommen

Klinsmann hält den etatmäßigen Kapitän Ballack (33) deshalb für die DFB-Auswahl auch in Zukunft für unverzichtbar: "Ich gehe davon aus, dass Michael nach der WM wieder zurückkommt und bis zur EM 2012 weitermacht."

Zu Bundestrainer Joachim Löw hat Klinsmann nach wie vor regelmäßig Kontakt. Während der WM werde er aber eine "gewisse Distanz" wahren. (Der WM-Spielplan)

Als Experte will er sich auch zurückhalten. "Es geht nicht darum, Polemik reinzubringen oder jemanden zu kritisieren", sagte der Wahl-Amerikaner.

Er wolle vielmehr "aufzeigen, warum auf dem Platz gewisse Dinge passieren und das Spiel an sich lesen".

Den Moment ergreifen

Einen Rat hat Klinsmann nach den Erfahrungen von 2006 aber zumindest für die Spieler: "Die WM findet nur alle vier Jahre statt. Da kann man es sich nicht leisten, diesen Moment zu verpassen. Allen muss klar sein: Ihr müsst diesen Moment ergreifen."

Dabei sei der Teamgedanke von besonderer Bedeutung: "Kleine Egospielchen sind da nicht angebracht. Zumal die Erwartungen in Deutschland immer die höchsten sind. Schon ein Aus im Viertelfinale wird als Enttäuschung gewertet".

Spanien Topfavorit

Als Topfavorit sieht Klinsmann Europameister Spanien. "Wenn sie wie bei der EURO spielen, sind sie nur ganz schwer zu schlagen."

In den erweiterten Kreis neben Deutschland gehören laut Klinsmann Argentinien mit Lionel Messi ("Alle Augen werden auf ihn gerichtet sein. Es könnte sein Turnier werden."), Brasilien, die Niederlande und England.

Auf Frankreich sei er gespannt. Weltmeister Italien versieht er dagegen mit "einem großen Fragezeichen. Sie sind nicht so stark wie vor vier Jahren".

Eigene Zukunft ungeklärt

Seine eigene Zukunft betreffend will sich Klinsmann "alle Türen offen halten. Es ist alles möglich. Im Fußball passieren viele Dinge über Nacht. Ich bin auch neugierig, was nach Südafrika ist." Zunächst einmal freue er sich auf seine neue Aufgabe als WM-Experte.

Klinsmann war im April 2009 bei Bayern München entlassen worden und lebt inzwischen wieder in den USA.

Zum Thema FC Bayern wollte er sich jedoch "nicht äußern". Er beobachte das ganze Geschehen "aus der Distanz".

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