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Mit zwei Elfmeter-Toren einer der deutschen Matchwinner: Bastian Schweinsteiger (r.) © getty

Der Pausen-Rückstand gegen Bosnien wirft das DFB-Team nicht aus der Bahn: Lahm und zwei Schweinsteiger-Elfer bringen die Wende.

Vom DFB-Team berichtetMartin Volkmar

Frankfurt/Main ? Die deutsche Nationalmannschaft hat sich mit einem Erfolgserlebnis nach Südafrika verabschiedet.

Drei Tage vor dem Abflug zur WM-Endrunde gewann die DFB-Auswahl auch ihren dritten und letzten Test gegen Bosnien-Herzegowina in Frankfurt mit 3:1 (0:1).

Der Erfolg zehn Tage vor Auftaktspiel gegen Australien am 13. Juni in Durban war aufgrund einer erheblichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit verdient.

Dennoch machten die Probleme im ersten Abschnitt deutlich, dass Bundestrainer Joachim Löw nach wie vor viel Arbeit vor sich hat.

Viele Probleme in der ersten Hälfte

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"Wir haben es in der ersten Halbzeit verpasst, Tore zu machen. Aber zum Glück hat das ja dann noch geklappt. Ich freue mich auf die WM. Wir sind gut drauf, haben gut trainiert und sind fit", sagte der neue Kapitän Lahm.

Und Löw meinte: "Es war klasse, wie wir in der zweiten Halbzeit das Tempo verschärft haben. Wir haben eine gute Mannschaft, eine gute Stimmung und wir können ein gutes Turnier spielen. Ich habe absolutes Vertrauen. Aber wir haben noch eine Woche harte Arbeit vor uns."

Lahm leitet die Wende ein

Denn: Zunächst bestimmten Abspielfehler, Unsicherheiten und zu große Lücken zwischen den Mannschaftsteilen die Vorstellung des WM-Dritten von 2006. Negativ war zudem die lange Zeit mangelnde Chancenverwertung, positiv hingegen waren die vielen herausgespielten Chancen.

Erst ein herrliches Solo des neuen Kapitäns Philipp Lahm zum 1:1 (50.) leitete nach der Gästeführung von Edin Dzeko (15.) die Wende ein.

Für die Entscheidung sorgte dann Bastian Schweinsteiger mit einem Doppelschlag vom Elfmeterpunkt (74., 77.). (244913DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Badstuber und Trochowski in der Startelf

Die erste Überraschung des Abends hatte es schon bei der Aufstellung gegeben, die als wichtiger Fingerzeig auf die Anfangsformation zum WM-Auftakt gegen Australien angesehen wird.

Die beiden offenen Fragen Jerome Boateng oder Dennis Aogo und Thomas Müller oder Toni Kroos beantwortete Löw auf seine Weise: Keiner der Kandidaten durfte zunächst ran.

Stattdessen agierte Holger Badstuber links in der Viererkette, so dass Lahm wie beim FC Bayern nach rechts rückte.

Und im rechten Mittelfeld bekam völlig unerwartet Piotr Trochowski seine Chance, der bis zuletzt als Streichkandidat gegolten hatte.

Gäste mit besserem Start

Den besseren Start besaßen die Gäste, die von zahlreichen Anhängern unter den 48.000 Zuschauern in der Frankfurter WM-Arena frenetisch unterstützt wurden.

Doch Bundesliga-Torschützenkönig Dzeko verzog nach einem Konter (8.) und Badstuber klärte eine Flanke in letzter Sekunde zur Ecke (12.).

Dazwischen allerdings hatte die DFB-Elf die beste Chance der Anfangsphase, als Lukas Podolski nach schönem Seitenwechsel halblinks aus 18 Metern abzog und sein Kracher von der Unterkante der Latte zurück ins Feld sprang (8.).

Eiskalte Dusche durch Dzeko

Nach 15 Minuten dann die eiskalte Dusche für die Gastgeber. 239581(DIASHOW: Die deutschen Kapitäne)

Nach einem Missverständnis in der deutschen Abwehr schoss Lahm im Duell mit Dzeko den Wolfsburger an, und von dessen Brust flog der Ball über Manuel Neuer hinweg zum 1:0 ins Tor.

Die Führung spielte natürlich in die Karten der Bosnier, die nun noch stärker hinten Beton anrührten und vorne auf schnelle Gegenstöße vor allem über den hoch motivierten Dzeko setzten.

Özil und Khedira scheitern

Dennoch besaß Mesut Özil nach einem Ballgewinn der deutschen Elf im Mittelfeld und schnellem Pass in die Spitze die große Möglichkeit zum Ausgleich, er scheiterte aber an Keeper Kenan Hasagic (21.).

Drei Minuten später war es Sami Khedira, der freistehend nach schöner Podolski-Flanke am Tor vorbeischoss.

Danach verflachte die Partie bis zur Schlussphase der ersten Hälfte, weil das Löw-Team immer wieder in der engmaschigen bosnischen Defensive hängen blieb.

Viel Wirbel durch Podolski

Gefährlich wurde es meist, wenn es schnell und dann auch über den guten Podolski ging.

Doch seine scharfe Hereingabe konnte ein Gästeverteidiger gerade noch vor dem einschussbereiten Miroslav Klose klären (38.).

Vier Minuten später scheiterte zunächst Schweinsteiger per Distanzschuss an Hasagic, dann wurde Khediras Schuss nach schönem Zusammenspiel mit Klose noch zur Ecke abgewehrt (44.).

Cacau entfacht neuen Druck

Weil von Klose in seinem 96. Länderspiel ansonsten aber fast nichts zu sehen war, brachte Löw für ihn aus nachvollziehbaren Gründen zur zweiten Halbzeit Cacau.

Außerdem ersetzte Müller den ebenfalls schwachen Trochowski.

Schon fünf Minuten später zeigten die Maßnahmen Wirkung: Lahm schloss ein beherztes Solo über rechts mit einem unhaltbaren Schuss in den Winkel zum 1:1 ab. Das vierte Länderspieltor im 65. Länderspiel des Münchners ? alles war wieder offen.

Özil trifft nur die Latte

Kurz darauf hatte erneut Özil nach Cacau-Vorlage sogar die Führung auf dem Fuß, traf aber wie Podolski im ersten Abschnitt nur die Unterkante der Latte (52.).

Und zwei weitere Minuten später verweigerte Schiedsrichter Rizzoli der DFB-Elf nach klarem Foul von Keeper Hasagic an Cacau den fälligen Strafstoß.

Die Gastgeber spielten nun wie verwandelt und dominierten die Partie, allerdings blieben die Bosnier bei Kontern weiter gefährlich. Doch auch die deutsche Abwehr stand sattelfester als vor der Pause.

Marin holt Elfmeter raus

Für die Entscheidung sorgte dann Löw mit der Einwechslung von Marin: Nur zwei Minuten, nachdem er ins Spiel gekommen war, holte der Bremer nach Foul von Jahic den Strafstoß zum 2:1 heraus (72.).

Schweinsteiger verwandelte zweimal sicher, nachdem sein erster Schuss vom Unparteiischen zurückgepfiffen worden war.

Und kurz danach musste "Schweini" nach erneutem Jahic-Foul an Müller wieder ran und traf wieder souverän (77.) ? die Partie war zugunsten der DFB-Elf gedreht.

Backpfeife für Marin bleibt ungeahndet

Einen Aufreger gab es dann noch einmal sechs Minuten vor Schluss: Spahic foulte den in den Strafraum stürmenden Marin rüde - es hätte den dritten Strafstoß geben müssen.

Der Bosnier unterstellte dem Bremer daraufhin eine Schwalbe - und verpasste ihm mehr oder weniger eine Ohrfeige.

Statt eines Platzverweises entschied der ohnehin nicht immer allzu sichere Schiedrichter Nicola Rizzoli aber nur auf eine Gelbe Karte für Spahic.

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