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Miroslav Klose machte gegen Bosnien sein 96. Länderspiel für das DFB-Team © imago

Nach der gelungenen WM-Generalprobe bleiben noch viele Fragen für die WM: Spielt Klose? Welche Positionen sind noch offen?

Vom DFB-Team berichtetMartin Volkmar

Frankfurt/Main - Es gab viele Gewinner an diesem schönen Sommerabend in Frankfurt.

Die eingewechselten Cacau, Thomas Müller und Marko Marin zauberten beim 3:1 gegen Bosnien-Herzegowina. (244913DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Philipp Lahm überzeugte als neuer Kapitän und Bastian Schweinsteiger als neuer Anführer, Mesut Özil glänzte trotz schwacher Chancenverwertung als Spielmacher.

Doch einer war der große Verlierer: Miroslav Klose verließ die WM-Arena mit gesenktem Kopf.

Der WM-Torschützenkönig von 2006 ist Löws großer Problemfall.

"Löw kann nicht ewig an ihm festhalten"

"Klose ist ein Wackelkandidat. Löw kann nicht ewig an ihm festhalten", erkannte Ex-Weltstar Günter Netzer.

Auch sonst hat die dreiwöchige Vorbereitung auf Sizilien und in Südtirol einige wichtige Erkenntnisse gebracht.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen vor der Abreise am Sonntag nach Südafrika.

Ist die deutsche Mannschaft schon in WM-Form?

Nein, kann sie auch kaum sein. Schließlich konnte Löw erst in der letzten seiner drei Trainingswochen auf die sieben Bayern-Spieler zurückgreifen und hatte gegen Bosnien erstmals alle 23 WM-Fahrer zur Verfügung.

"So kurz war die Turniervorbereitung einer deutschen Mannschaft noch nie", klagt der Bundestrainer daher trotz 22 Tagen Trainingslager.

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Dennoch zog er ein positives Fazit: "Nach drei Wochen kann ich sagen: Okay, wir sind gut vorbereitet. Aber wir starten erst nächsten Sonntag ins Turnier. Wir haben noch harte Arbeit vor uns."

Nach den bitteren Ausfällen von Michael Ballack, Christian Träsch und Heiko Westermann war der überzeugende Sieg gegen die Bosnier allerdings wichtig für das Selbstvertrauen.244873(DIASHOW: Die DFB-Einzelkritik)

"Diesen Schwung, diese Leidenschaft, diese Motivation müssen wir mitnehmen", forderte Cacau daher.

Welche Fragen sind geklärt?

Die Defensive dürfte seit Donnerstag stehen. Neben der neuen Nummer 1 Manuel Neuer gab Löw auch Arne Friedrich eine Startzusage als zweiter Innenverteidiger neben Per Mertesacker.

"Arne Friedrich hat mich in der Vorbereitung einfach überzeugt durch Schnelligkeit, Konzentration. Vor allem auch, weil er sich exponiert hat als erfahrener Spieler", bestätigte der DFB-Coach.

Und auf links hat offenbar Holger Badstuber die Konkurrenten ausgestochen, zumal dadurch Lahm wie beim FC Bayern nach rechts rücken kann.

Zwar agiert Badstuber sehr defensiv, doch ist angesichts des sehr offensiv ausgerichteten Mittelfelds eher ein Vorteil.

"Am Spiel nach vorn muss man sicherlich noch arbeiten. Aber seinen Einsatz sehe ich absolut positiv", sagte Löw.

Welche Positionen sind noch offen?

Neben dem kleinen Fragezeichen hinter Badstuber ist nur noch die Besetzung des rechten Mittelfelds unklar. Allerdings ist Bayern-Shootingstar Müller nach seinem starken Auftritt klarer Favorit.

"Müller war sehr gut, hat viel Bewegung ins Spiel gebracht, geht immer mit in die Spitze", meinte Löw.

Und der 20-Jährige rechnet sich gute Chancen aus: "Ich fühle mich auf allen Positionen in der Offensive wohl, da bin ich flexibel."

Spielt Miroslav Klose?

Nach jetzigem Stand ja. Obwohl der erfahrenste deutsche Spieler nach seiner schwachen Saison im Verein auch bei der DFB-Auswahl gegen Ungarn und Bosnien einem Totalausfall gleichkam, setzt Löw weiter auf ihn.

"Es war mir klar, dass Miro einfach noch die nächsten Tage braucht, um an seiner Form zu arbeiten", erklärte der Bundestrainer.

"Selbstverständlich ist der Miro ein wertvoller Spieler. Er wird beim Turnier zeigen, was er kann."

Klose will nun mit Extraschichten im Kurzurlaub weiteren Boden gutmachen. "Ich werde nicht zwei Tage freimachen, sondern jeden Tag trainieren. Und dann schauen wir mal, was beim ersten Spiel dabei herauskommt", sagte der 32-Jährige.

Klar ist aber auch, dass ein ähnlich enttäuschender Auftritt wie gegen Bosnien beim WM-Auftaktspiel gegen Australien Konsequenzen hätte und dann vermutlich wie am Donnerstag Cacau der erste Nachrücker wäre.

Sind Lahm und Schweinsteiger ihrer neuen Rolle gewachsen?

Beiden Spieler hatten in der ersten Halbzeit große Probleme, für Ordnung in der löchrigen Defensive zu sorgen.

Doch nicht nur wegen ihrer Tore hatte das Bayern-Duo allein aufgrund ihrer Körpersprache großen Anteil an der Wende nach der Pause.239581(DIASHOW: Die deutschen Kapitäne)

"Schweinsteiger arbeitet mittlerweile auch defensiv sehr gut in der Organisation", meinte Löw über den doppelten Elfmeterschützen. "Er übernimmt Verantwortung, kann auch in der Offensive Akzente setzen."

Kann Khedira Ballack ersetzen?

Klar ist allen Beteiligten, dass der Stuttgarter Youngster nicht die selbe Rolle wie der langjährige Kapitän einnehmen kann.

Doch Khedira stellte sich als Nebenmann von Schweinsteiger mit bemerkenswertem Selbstbewusstsein der Aufgabe im defensiven Mittelfeld und setzte auch in der Organisation und im Spiel nach vorne Akzente.

"Die Rollenverteilung hat mir gut gefallen, weil Khedira seine Position nutzt, immer wieder dynamisch nach vorne zu gehen. Er kam zum Abschluss, war zugleich aber kurz danach wieder auf seiner Position. Das ist Laufstärke, das ist gut", lobte Löw.

Wie sieht die WM-Elf aus?

Löw dürfte seinen Worten selber kaum geglaubt haben, als er erklärte: "Ich mache mir noch keine Gedanken über die Startaufstellung gegen Australien."

Acht Spieler für das Duell am 13. Juni in Durban stehen fest, bei den drei fraglichen Positionen sind derzeit Klose, Müller und Badstuber in der Pole Position.

Die voraussichtliche WM-Startformation:

Neuer ? Lahm, Friedrich, Mertesacker, Badstuber ? Schweinsteiger, Khedira ? Müller, Özil, Podolski - Klose

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