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Marko Marin erzielte in neun Länderspielen bislang ein Tor für Deutschland © getty

Marin war einer der Gewinner des gelungenen Tests gegen Bosnien. Der Bremer scheut aber den Vergleich mit einem Held von 2006.

Vom DFB-Team berichtetMartin Volkmar

Frankfurt/Main - Marko Marin ist gleich dageblieben.

Nicht, weil er den Abflug nach Südafrika am Sonntagabend vom Frankfurter Airport kaum erwarten könnte.

Auch wenn er sagt: "Ich freue mich riesig auf die WM."

Doch der Verbleib des Bremer Flügelflitzers mit seiner Freundin am Main hat familiäre Gründe

1991 von Bosnien nach Frankfurt

Seine Eltern wohnen noch heute in der kleinen Dreizimmerwohnung im Stadtteil Unterliederbach, wohin sie 1991 wegen des bevor stehenden Krieges aus Bosanska Grada in Bosnien auswanderten.

Entsprechend große Bedeutung für Marin hatte das Duell gegen sein Geburtsland. Zumal es auch noch in seiner zweiten Heimat Frankfurt stattfand. (244913DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Trotzdem war von Nervosität nichts zu spüren, als Bundestrainer Joachim Löw Marin nach 70 Minuten beim Stand von 1:1 ins Spiel brachte.

Elfmeter und Ohrfeige

Schon zwei Minuten später holte der "Zauber-Zwerg" den Elfmeter zum vorentscheidenden Führungstreffer durch Bastian Schweinsteiger heraus.244873(DIASHOW: Die DFB-Einzelkritik)

Und auch danach war er nicht zu stoppen, so dass Bosniens Kapitän Emir Spahic kurz vor Schluss die Nerven verlor und Marin wegen einer angeblichen "Schwalbe" eine Ohrfeige verpasste.

Der fällige Platzverweis blieb zwar aus, doch auch so verfestigte sich der Eindruck: Marin fährt als Deutschlands Super-Joker zur WM-Endrunde.

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"Ich bin topfit und frisch. So kann ich dem Team helfen", sagt der 21-Jährige. "Ich traue es mir auch von Anfang an zu."

Kein Platz in der Startelf

Doch in der Startelf dürfte vorerst kein Platz sein, schließlich würde sich Löw so einer Geheimwaffe berauben, wie schon Marins glänzender Auftritt nach seiner Einwechslung in Ungarn (3:0) zeigte.

Das sieht sogar sein Bremer Boss so. "Marko kann in einem Spiel den Unterschied ausmachen durch seine Dribblings", meint Werder-Geschäftsführer und Ex-Nationalstürmer Klaus Allofs.

"Ich sehe ihn weniger als Kandidat für die Startelf, eher als Mann für Sonderaufgaben. Vielleicht ein bisschen wie David Odonkor bei der WM 2006."

In Vergleich, der dem Außenstürmer eigentlich schmeicheln müsste. Schließlich war Odonkor vor vier Jahren der Super-Joker der DFB-Elf und hatte nicht nur wegen seiner Vorlage zum 1:0 gegen Polen großen Anteil am "Sommermärchen".

"Möchte nicht der ?Odonkor von 2010? sein"

"Ich hätte nichts dagegen reinzukommen und der Mannschaft zu helfen. Ich will zwar mehr sein als nur ein Joker. Aber für den Anfang wäre das nicht so schlecht", sagt Marin im Gespräch mit SPORT1.

Er schränkt aber ein: "Der 'Odonkor von 2010' möchte ich deshalb aber nicht genannt werden."

Der Vergleich liegt allerdings auf der Hand und dürfte daher bei ähnlichen Vorstellungen als Einwechselspieler bei der WM zwangsläufig kommen.

WM-Teilnahme stand auf der Kippe

Doch es gibt Schlimmeres, das gibt Marin auch zu. Schließlich stand auch diesmal seine WM-Teilnahme auf der Kippe, nachdem er schon vor zwei Jahren kurz vor der EM in Österreich und der Schweiz aussortiert worden war.

"Das wünsche ich keinem. Es ist eine sehr harte Erfahrung. Daran hatte ich zu knabbern", berichtet der damalige Gladbacher rückblickend.

Seitdem hat der 1,69-Meter-Mann allerdings noch mal einen enormen Leistungssprung gemacht, vor allem nach seinem Wechsel vom Niederrhein an die Weser.

Drittbester Vorlagengeber der Liga

Dort war der Werder-Rekordtransfer bis auf die Schlussphase der Saison Stammspieler und kam in 48 Pflichtspielen auf sieben Tore und 18 Assists - womit er der drittbeste Vorlagengeber der Bundesliga war.

"Eigentlich ist er nicht zu fassen. Der kann dir Knoten in die Beine spielen", hat Per Mertesacker über den Mann mit Pattex am Fuß gesagt.

"Ich habe halt als Kind und Jugendlicher viel gedribbelt", meint Marin dazu nur. Damals spielte er für die SG Höchst, wechselte aber schnell zu Eintracht Frankfurt.

Bei Eintracht Frankfurt verkannt

Doch bei seinem Lieblingsverein erkannte man die Qualitäten nicht und zweifelte aufgrund der Körpergröße an Marins Robustheit für den Profi-Fußball. Für gerade mal 20.000 Euro ließ man ihn ins Jugend-Internat von Borussia Mönchengladbach ziehen.

Trotz großem Heimweh setzte er sich mit Hilfe der Familie und der Gladbacher Herbergsmutter Birgit Lintjes bei den "Fohlen" und dann auch in Bremen durch.

Nun geht es am Sonntag auf eine noch viel größere Reise, die trotzdem so lange wie möglich dauern soll.

Nächstes persönliches Highlight gegen Serbien

Spätestens am 18. Juni steht das nächste große persönliche Highlight an, wenn die DFB-Auswahl im zweiten Vorrundenspiel auf Serbien trifft.

"Dass wir ausgerechnet die Serben bekommen haben, ist echt etwas ganz Besonderes. Es ist das Land meiner Eltern, ich habe dort viele Freunde und so ziemlich jeder von ihnen hat mir in den Minuten nach der Auslosung eine SMS geschrieben", berichtet Marin.

"Sie haben alle ein Problem. Sie wollen dass ich weiterkomme, aber auch den Serben die Daumen drücken. Aber es können ja beide Teams weiterkommen."

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