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Deutschland gewann bisher dreimal den Weltmeistertitel © getty

Nach dem Ausfall von Kapitän Ballack schien die Vorfreude auf die WM im Keim erstickt. Doch die jüngsten Tests lassen hoffen.

Vom DFB-Team berichtetMartin van de Flierdt

Frankfurt - Die "Mission 4. Stern" schien schon zum Scheitern verurteilt, ehe sie überhaupt begonnen hatte.

Drei Sterne trägt die deutsche Nationalmannschaft bereits auf dem Trikot, die Insignien der WM-Titel 1954, 1974 und 1990.

Doch mit der Verletzung von Kapitän Michael Ballack, den ein böser Tritt von Kevin-Prince Boateng im englischen Pokal-Finale um die WM-Teilnahme in Südafrika brachte, fehlte der DFB-Auswahl plötzlich ihr Kopf, der einzige Legionär und unumstrittene Weltklassespieler.

Sein Verlust reihte sich ein in eine Serie personeller Rückschläge. Neben Ballack sind am Kap die fest eingeplanten Rene Adler, Simon Rolfes, Christian Träsch und Heiko Westermann nicht mit dabei.

Enke noch in den Köpfen

Dazu trägt die Mannschaft den Tod ihres ehemaligen Stammtorwarts Robert Enke, den Depressionen im vergangenen Herbst aus dem Leben scheiden ließen, noch in ihren Köpfen.

Der Bundestrainer fühlte sich daher während der sehr zerrissenen Vorbereitung im sizilianischen Sciacca und in Girlan (Südtirol) mit dem von Werbemaschinerie und Medien propagierten Ziel Weltmeisterschaft lange unwohl.

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"Wir wollen ein gutes Turnier spielen", sagte er stattdessen. Doch die souveränen Testspielerfolge in Ungarn (3:0) und gegen Bosnien-Herzegowina (3:1) haben für einen Stimmungsumschwung zum Positiven geführt.

Das Potenzial rückt in den Fokus

Plötzlich stehen Spielwitz und Entwicklungsmöglichkeiten der mit einem Altersschnitt von 24,96 Jahren jüngsten deutschen WM-Mannschaft seit 1934 im Fokus, von der befürchteten fehlenden Erfahrung und Hierarchie ist kaum noch die Rede.

"Das Potenzial ist groß. Wir haben eine gute Mannschaft mit einem enormen Willen und eine gute Stimmung", meint Löw nun. "Wir sind gut vorbereitet. Deshalb bin ich mir sicher, dass wir ein gutes Turnier spielen können."

Der 50-Jährige hat mittlerweile "absolutes Vertrauen in die Mannschaft". Ein wesentlicher Grund dafür ist die erfolgte Bestätigung seiner Annahme, dass durch Ballacks Fehlen auf dem Platz kein Führungsvakuum entsteht.

Zeit der Alpha-Tiere ist vorbei

Der neue Kapitän Philipp Lahm, sein Stellvertreter Bastian Schweinsteiger und die Mannschaftsratsmitglieder Per Mertesacker, Arne Friedrich und Miroslav Klose setzen zwar auf eine flache Hierarchie. Die Zeit der Alpha-Tiere ist also vorbei.

(239581DIASHOW: Die DFB-Kapitäne)

Dennoch lassen sie keinen Zweifel daran, dass sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und voranzugehen.

"Unsere Generation ist jetzt soweit", meint Lahm, der mit seinem Treffer gegen die Bosnier diesem Anspruch ebenso Taten folgen ließ wie der zum "emotionalen Leader" ausgerufene, doppelt erfolgreiche Elfmeterschütze Schweinsteiger.

"Nicht leicht, Deutschland zu schlagen"

"Wir werden in Südafrika sicher nicht immer die besten Einzelspieler haben, aber wir haben eine sehr gute Mannschaft", ist der jüngste deutsche WM-Kapitän überzeugt. "Die muss man erst mal schlagen. Und jeder weiß, dass das nicht leicht wird."

Zwar seien die Gruppengegner Australien, Serbien und Ghana nicht ohne, dennoch blickt Lahm bereits über die Vorrunde hinaus: "Unser großes Ziel ist zunächst das Halbfinale, danach wollen wir dann auch mehr."

Die "Mission 4. Stern" lebt also auch ohne Ballack weiter. Ein herausragendes Abschneiden in Südafrika wäre für das DFB-Team die Fortsetzung einer großen Tradition.

Elf Mal im Halbfinale

Außer bei den bisherigen drei Triumphen standen die Deutschen auch 1966, 1982, 1986 und 2002 im Finale. 1934, 1970 und 2006 belegten sie Platz drei, 1958 wurden sie Vierter.

Ihre elf Halbfinalteilnahmen sind unerreicht, nicht einmal Rekordweltmeister Brasilien kann es dort mit der deutschen Elf aufnehmen.

Schneidet Deutschland auch am Kap respektabel ab, geht die Ära des Bundestrainers Löw womöglich doch noch nicht zu Ende.

Abschied auf dem Höhepunkt?

Dass Details über eine mögliche Verlängerung seines Kontrakts im Winter an die Öffentlichkeit gedrungen waren und DFB-Boss Theo Zwanziger schon mit einer vermeintlichen Einigung per Handschlag an die Presse gegangen war, war dem 50-Jährigen sauer aufgestoßen.

Angeblich unangemessene Nachforderung seines Trainerstabs hatten Zwanziger dann zum Aussetzen der Gespräche veranlasst.

In den 14 Tagen nach Turnierende soll sich nun klären, wie es auf der sportlichen Kommandobrücke weitergeht. Womöglich gelingt es Löw ja, auf dem Höhepunkt abzutreten, nach Vollendung der "Mission 4. Stern".

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