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Jogi Löw (2. v. r.) setzt auf die Stärke von Podolski, Müller und Schweinsteiger © getty

Am Montag landet die DFB-Elf in Südafrika. SPORT1 ist schon vor Ort und wirft einen ersten Blick ins deutsche WM-Quartier.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Johannesburg ? Die dicken Jacken werden sie noch nicht brauchen.

Wenn die deutschen Nationalspieler am Montag gegen 8.15 Uhr den A380 verlassen, erwartet sie zur Begrüßung in Johannesburg strahlender Sonnenschein und eine Temperatur nur knapp unter 20 Grad Celsius.

Den südafrikanischen Winter lernen die deutschen Auswahlkicker in den nächsten Tagen auf die sanfte Tour kennen. Unter sieben Grad wird das Thermometer bis Turnierstart auch nachts nicht rutschen. 244723(DIASHOW: Der DFB-Kader)

Gute Bedingungen also für den gut 60-köpfigen DFB-Tross, sich vor Ort erst einmal einzufinden.

Rund 20 Minuten braucht der Mannschaftsbus vom Flughafen zum Vier-Sterne-Hotel "Velmore Grande" in Erasmia, einem kleinen Örtchen auf 1800 Metern Höhe 20 Kilometer westlich der Hauptstadt Pretoria.

Strategisch günstig

Das Etablissement liegt ? so würden böse Zungen sagen ? mitten im Nirgendwo der Hochebene der Provinz Gauteng, aber eben strategisch günstig.

Die Flughäfen in Johannesburg und Pretoria sind genauso vergleichsweise problemlos zu erreichen wie die vier WM-Stadien Soccer City und Ellis Park (Johannesburg), Loftus Versfeld (Pretoria) und Royal Bafokeng (Rustenburg).

In den vergangenen Wochen ist das "Velmore Grande" häufiger als gewünscht in den Medien erschienen.

Probleme sind ausgestanden

Grund dafür waren fehlende Baugenehmigungen sowie nicht ausreichender Brandschutz. Alles ausgestanden, vermeldete bereits in der Vorwoche Georg Behlau, der Büroleiter Nationalmannschaft beim DFB:

"Wir haben sowohl von der FIFA als auch von der Agentur Match Schriftstücke bekommen, nach denen wir wie vorgesehen unser Hotel beziehen können."

Die Provinzregierung von Gauteng erteilte Hotelbetreiber Heinz Mulder eine vorübergehende Betriebserlaubnis. An einer Konventionalstrafe kommt er allerdings nicht vorbei.

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Neuer Trakt beherbergt die Spieler

Erstaunlich ist, dass die Provinzregierung die fehlenden Unterlagen auch für den 2004 geschaffenen "Altbau" reklamierte, in dem während der WM die deutschen Betreuer und Funktionäre residieren werden.

Der neue Trakt, auf Drängen von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff errichtet, war im vergangenen Jahr so zügig aus dem Boden gestampft worden, dass mit bürokratischen Schwierigkeiten diesbezüglich schon fast gerechnet werden musste.

Die Spieler braucht diese Thematik nicht zu kümmern, sie bewohnen mit dem Trainerstab nun 48 der 90 geräumigen Zimmer des Hotels. 243958(DIASHOW: Die Streichopfer des DFB)

Außenansicht lässt andere Zimmereinrichtung vermuten

Dessen Architektur soll mit einer Vielzahl an Säulen, Bögen und Springbrunnen "französisch-provencalen Stil" verkörpern. Die Inneneinrichtung der 40 Quadratmeter großen Zimmer scheint dazu nicht ganz zu passen.

Ledersofas, Nachttische, Bettkasten und Vorhänge sind in nüchternem bis kühlem schwarz oder dunkelbraun gehalten, dazu glänzt Chrom an Stuhl- und Tischbeinen. Flatscreen-Fernseher gehören zur Standardausstattung.

Dem Schreckgespenst Lagerkoller haben Bierhoff, Behlau und Co. aber vor allem mit der Ausstattung der Players Lounge vorgebeugt.

Für Ablenkung ist gesorgt

Computer, Tischtennisplatten, Kicker- und Billard-Tische wurden von der Vorhut, die seit zwei Wochen an letzten Details in Erasmia feilt, eigens aus Deutschland hergebracht.

Auch eine Sauna für 15 Personen gehörte zu den etwa zehn Tonnen Gepäck, die per Luftfracht oder über den Seeweg den Weg nach Südafrika gefunden hat. Zur Abkühlung stehen zwei Swimming-Pools zur Verfügung.(Der deutsche Kader im Überblick)

"Wegen der Sicherheitslage ist es nicht möglich, einfach mal aus dem Hotel zu gehen und einen Kaffee zu trinken", sagte Bierhoff dem "Kölner Express".

Videokontakt mit der Heimat

"Mit unserem Angebot wollen wir die Spieler beschäftigen. Damit die Spieler Kontakt zu ihren Familien halten können, werden wir auch Videokonferenzen anbieten."

Zumindest zum Teil können die deutschen Kicker auch auf dem Acht-Hektar-Areal ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen.

Die Hotelkapelle ist zum Fitnesscenter umgerüstet worden, und eine kleine Rasenfläche bietet die Voraussetzung für einen kurzen Kick zwischendurch.

Öffentliche Einheit zum Start

Für das Training müssen die deutschen Auswahlkicker mit dem Bus nach Atteridgeville vor den Toren Pretorias.

Das dortige Super Stadium, in dem für Montagnachmittag gleich eine öffentliche Einheit angesetzt ist, erfüllt zumindest von der Qualität der beiden Trainingsplätze, was der Name verspricht.

Rasenexperte Rainer Ernst, der zur Kontrolle eigens vom DFB nach Südafrika geschickt worden war, zeigte sich angetan. Nicht alle Unkenrufe über den Stand der Vorbereitungen im Gastgeberland besitzen also eine Grundlage.

Womöglich zeigt sich bis zum Finale am 11. Juli, dass die Mehrzahl unberechtigt war. Südafrika und diesem Turnier wäre es zu wünschen.

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