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Seit 2006 ist Joachim Löw Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft © getty

Im SPORT1-Interview spricht Bundestrainer Joachim Löw über die Aussichten seiner Mannschaft und das Tief von Miroslav Klose.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmarund Martin van de Flierdt

Frankfurt/Johannesburg - Die deutsche Nationalmannschaft ist am Montagmogen gut im Land ihrer Träume angekommen.

Denn in Südafrika will Deutschland den vierten WM-Titel nach 1954, 1974 und 1990 holen.

Allerdings gibt sich Bundestrainer Joachim Löw nach den vielen Ausfällen, vor allem von Kapitän Michael Ballack, zurückhaltend.

Gleichwohl ist der 50-Jährige, der seine erste WM als Chefcoach bestreitet, zuversichtlich: "Wenn wir als Mannschaft homogen und kompakt auftreten, dann werden wir mit Sicherheit eine gute Rolle bei der WM spielen."

Vor dem Auftakt am Sonntag gegen Australien sprach SPORT1 mit Löw über die Aussichten seiner Mannschaft, das Formtief von Miroslav Klose, seine Favoriten und die erste WM in Afrika. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

SPORT1: Wie gut gerüstet geht die deutsche Mannschaft in die WM?

Joachim Löw: Sicherlich waren die Ausfälle, besonders von Michael Ballack, und die kurze Vorbereitungszeit mit dem gesamten Kader kein Vorteil. Trotzdem sage ich nach den drei Wochen im Trainingslager: Wir sind gut vorbereitet, auch wenn wir noch harte Arbeit vor uns haben.

SPORT1: Inwiefern?

Löw: Wir müssen in der Defensive mehr Stabilität reinbringen. Und auch offensiv muss natürlich noch an der Feinabstimmung gearbeitet werden. Aber wir haben eine gute Mannschaft und können ein gutes Turnier spielen.

SPORT1: Hat Miroslav Klose noch seinen Stammplatz sicher?

Löw: Mir war klar, dass Miro noch ein paar Tage braucht, um an seiner Form zu arbeiten. Selbstverständlich ist er ein wertvoller Spieler. Aber man hat zuletzt auch gemerkt, dass die Spielpraxis für ihn enorm wichtig ist. Er wird bei der WM zeigen, was er kann.

SPORT1: Bleibt das Ziel auch nach den Ausfällen der vierte Weltmeister-Titel?

Löw: Es ist immer schwer, ein Gesamtziel zu formulieren. Die Leistung bei so einem Turnier hängt von vielen Faktoren ab. Man muss auch ein bisschen Glück haben. Ich denke, es ist gerade nach den Rückschlägen in der Vorbereitung besser, sich Etappenziele zu setzen. Denn in den K.o.-Spielen kann es in jeder Runde vorbei sein.

SPORT1: Hört sich skeptisch an.

Löw: Unser Ziel ist es erstmal, gut in das Turnier zu starten und in unserer schwierigen Gruppe die Vorrunde zu überstehen. Dazu müssen wir Fußball spielen, nicht Fußball verwalten. Wir wollen agieren. Wer glaubt, dass man nur über die Defensive den Titel gewinnen kann, der täuscht sich. Wenn wir als Mannschaft homogen und kompakt auftreten, dann werden wir mit Sicherheit eine gute Rolle bei der WM spielen.

SPORT1: Wie bewerten Sie die Vorrundengegner Serbien, Ghana und Australien?

Löw: Die Mannschaften haben alle eine unterschiedliche Charakteristik, befinden sich aber alle auf einem guten internationalen Niveau. Trotzdem wollen wir natürlich Gruppenerster werden.

SPORT1: Welche Mannschaften zählen Sie zu den WM-Favoriten?

Löw: Von der individuellen Klasse sind für mich Brasilien und Spanien, aber auch Argentinien und England am besten besetzt. Diese Mannschaften verfügen über eine große Anzahl von Spielern, die in den europäischen Top-Ligen den Ton angeben. Aber nicht immer wird das Team mit den besten Einzelspielern Weltmeister.

SPORT1: Welche Bedeutung hat es für Sie persönlich, erstmals als Chefcoach bei einer WM dabei zu sein?

Löw: Natürlich eine große, denn bei einer WM wird ja Fußball-Geschichte geschrieben. Allerdings stand ich mittlerweile schon bei einigen Turnieren an der Seitenlinie. Ich würde eine EM auch nicht unbedingt von einer WM unterscheiden. Bei beiden Turnieren spüre ich immer eine sehr große innere Vorfreude.

SPORT1: Es gab und gibt viele Diskussionen darüber, die WM in Südafrika auszutragen. Glauben Sie, dass es die richtige Entscheidung ist?

Löw: Uneingeschränkt ja. Ich war bei meinen vorherigen Besuchen sehr beeindruckt von der tollen Stimmung in Südafrika. Die große Vorfreude und der Stolz waren überall zu spüren. Und auch die Stadien befinden sich in einem hervorragenden Zustand. In Bezug auf Hotel und Trainingsplätze sind wir mit unserer Wahl hochzufrieden. Wir sind sehr gespannt, wie die erste WM in Afrika ablaufen wird und freuen uns auf dieses Erlebnis.

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