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Im September 2005 bestritt Marcell Jansen (r.) sein erstes A-Länderspiel für den DFB © getty

Im SPORT1-Interview spricht Marcell Jansen über seine Einsatz-Chancen und bewertet die jüngste deutsche Mannschaft seit 1934.

Vom DFB-Team berichten Martin Volkmarund Martin van de Flierdt

Johannesburg/Frankfurt - Bis zuletzt stand seine WM-Teilnahme auf der Kippe, nun könnte er sogar noch in die Startelf rutschen.

Marcell Jansen hat sich nach einem Ende März erlittenen Syndesmoseband-Riss im linken Fuß mit einem intensiven Trainingsprogramm gerade rechtzeitig für die Endrunde fit gemeldet.

Und obwohl er im letzten Testspiel gegen Bosnien-Herzegowina (3:1) nicht zum Zuge kam, gilt er als Kandidat für das WM-Auftaktspiel am Sonntag gegen Australien.

Der 24-Jährige vom Hamburger SV könnte gegen die defensiv ausgerichteten Australier den Vorzug vor dem zuletzt links in der Viererkette aufgebotenen Holger Badstuber bekommen.

SPORT1 sprach mit Jansen über seine Chancen auf einen Stammplatz, seine neue Rolle im jüngsten deutschen WM-Team seit 1934 und das Ziel in Südafrika (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

SPORT1: Die WM-Teilnahme war ein Wettlauf mit der Zeit für Sie. Wie sehen Sie nun Ihre Situation?

Marcell Jansen: Man muss das Ganze realistisch sehen. Ich habe in Ungarn erstmals wieder gespielt und hatte danach einige harte Trainingseinheiten, damit das Pensum hochgehalten wird. Aber die Vorbereitung lief für mich super. Bei mir zwickt nichts mehr. Deshalb gehe ich mit einem guten Gefühl in die WM.

SPORT1: Selbst Joachim Löw wusste bei Ihrer Nominierung nicht, ob Sie rechtzeitig fit werden. Ist der Leistungsaufbau optimal verlaufen?

Jansen: Es ist fast unglaublich, dass alles so hundertprozentig auf den Punkt geklappt hat. Darüber muss ich erstmal froh sein. Ein Turnier entwickelt dann ja eine Eigendynamik. Da muss man schauen, wie die ersten Spiele laufen. Wenn ich gebraucht werde, kann der Bundestrainer jedenfalls auf mich zählen.

SPORT1: Hatten Sie auch Zweifel, dass es nicht klappen könnte?

Jansen: Wäre die Verletzung vier, fünf Tage später passiert, hätte es wahrscheinlich nicht für die WM gereicht. Deshalb überwiegt natürlich die Freude, dabei zu sein. Auch wenn es bisher nicht zur Startelf gereicht hat: Bis zum ersten Spiel ist ja noch etwas Zeit und ich bin optimistisch, bis dahin topfit zu sein. Und wenn die Chance da ist, will ich da sein.

SPORT1: Was fehlt Ihnen noch?

Jansen: Ich muss jetzt durch die Trainingseinheiten und am Besten auch über Spiele wieder in den Rhythmus kommen. Und natürlich täglich weiter Kondition und Spritzigkeit verbessern.

SPORT1: Und wo steht die Mannschaft?

Jansen: Die Spiele gegen Bosnien und auch Ungarn waren gute Tests für uns und haben wichtige Erkenntnisse gebracht. Die Laufbereitschaft, Aggressivität und der Wille waren schon da. Darauf müssen wir aufbauen.

SPORT1: Also ist das Team gut gerüstet für die Endrunde?

Jansen: Wir haben eine gute Vorbereitung absolviert. Das ist eigentlich optimal gelaufen, aber wir müssen weiter Gas geben. Denn wir wissen natürlich, dass ab jetzt nur noch der WM-Auftakt gegen Australien zählt.

SPORT1: Wie bewerten Sie die Tatsache, dass es das jüngste deutsche WM-Aufgebot seit 1934 ist?

Jansen: Ich denke, wir haben enormes Potenzial. Es ist gut, dass so viele junge Spieler nachkommen. Da läuft dann vielleicht nicht immer alles glatt, aber dieser Prozess ist wichtig für die Nationalmannschaft.

SPORT1: Sie gehören mit 24 Jahren schon fast zu den Routiniers. Wie gehen Sie damit um?

Jansen: Ja, das ist ganz ungewohnt für mich. Zweimal war ich bei den letzten Turnieren der jüngste, jetzt sind gleich zehn Spieler jünger als ich. Dieser schnelle Umbruch ist schon Wahnsinn.

SPORT1: Haben Sie deshalb andere Aufgaben?

Jansen: Nein, ich bin wie ich bin. Jeder Spieler entwickelt sich natürlich weiter. Ich habe in den letzten Jahren einiges an Erfahrung gesammelt und wie Poldi, Philipp oder Schweini schon in jungen Jahren eine WM und eine EM mitgemacht. Wenn es gewünscht ist, gebe ich das natürlich gerne weiter.

SPORT1: Wie lautet Ihr Ziel bei der WM?

Jansen: Das Ziel von jedem ist natürlich das Finale. Aber erstmal müssen wir die Gruppenphase überstehen und dann hast du in der K.o-Runde nur Finalspiele. Da kann alles passieren, deshalb muss man das Glück auch erzwingen.

SPORT1: Haben Sie eine besondere Beziehung zu Südafrika?

Jansen: Wir haben vor einigen Jahren in Kapstadt die Nutella-Werbespots gedreht. Südafrika ist ein sehr schönes Land mit vielen fußballbegeisterten Menschen. Wir freuen uns drauf.

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