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Mesut Özil hat gut lachen: Er ist im deutschen Mittelfeld gesetzt © getty

Vor dem Auftaktspiel gegen Australien nimmt SPORT1 die Mannschaftsteile des DFB-Teams unter die Lupe. Teil 2: Das Mittelfeld.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Es ist erstaunlich, wie schnell es ging.

Eine gute Woche lang war das verletzungsbedingte Fehlen von Kapitän Michael Ballack bei der WM das Thema schlechthin im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft.

Schließlich war der 33-Jährige eigens nach dem für ihn persönlich fatal verlaufenen englischen Pokalfinale nach Sizilien gereist.

Doch kaum hatte er den DFB-Tross verlassen, verfuhren Spieler und Trainer dort nach dem Motto "Mund abputzen und weitermachen". Der Blick ging schon nach Durban, wo am Sonntag Australien wartet. Teil zwei des SPORT1-Teamchecks behandelt das deutsche WM-Mittelfeld ohne Ballack. (Hier geht's zu Teil eins des Teamchecks: Die Abwehr)

Mittelfeld defensiv

Bei den letzten vier Turnieren war Ballack unverzichtbarer Bestandteil der DFB-Schaltzentrale. Nun sagt sogar Mark van Bommel: "Deutschland ist stark, weil Ballack fehlt. Dadurch werden die jüngeren Spieler noch motivierter."

Als Klubpartner von Bastian Schweinsteiger, der nun als "emotionaler Leader" von Bundestrainer Joachim Löw in die Pflicht genommen wird, kann van Bommel die Situation womöglich gar nicht so schlecht beurteilen. (239581DIASHOW: Deutsche WM-Kapitäne)

Der gereifte Schweinsteiger ist jedenfalls bereit, die ihm zugedachte Rolle einzunehmen, und verwandelte zudem gleich in seinem ersten und einzigen Vorbereitungsspiel gegen Bosnien (3:1) zwei Strafstöße.

"Mir ist jetzt wichtiger, dass wir kompakt stehen und die Ordnung halten", sagt er: "Denn es ist zwar ein schönes Gefühl, wenn man ein Tor macht. Aber das Gefühl ist noch besser, wenn man ein Spiel zu null gewinnt." (Der WM-Spielplan)

Zusammenspiel auf der Sechs passt

Das Zusammenspiel mit Sami Khedira funktionierte gegen die Bosnier schon ordentlich.

"Wir müssen klug genug sein, eine gute Mischung aus Defensive und Offensive zu finden. Man kann sich nicht immer nach vorne einschalten", fordert Schweinsteiger von seinem Partner, der zuvor schon beim 3:0 in Ungarn als einziger Sechser im 4-1-4-1 gut ausgesehen hatte.

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"Ich bin von Samis Stärke überzeugt", sagt der Münchner daher auch: "Gute Spieler verstehen sich auf dem Platz immer."

Passieren sollte den beiden möglichst nichts mehr, denn neben Ballack sind Löw schon die möglichen Alternativen Simon Rolfes, Christian Träsch und Heiko Westermann verletzungsbedingt abhanden gekommen. (244723DIASHOW: Der deutsche WM-Kader)

Drei mögliche Vertreter

In Ungarn und in den letzten Trainingseinheiten ließ der Bundestrainer Toni Kroos auf der Sechs agieren. Er ist zum ersten Backup aufgerückt. Die Hamburger Dennis Aogo (halblinks) und Jerome Boateng (halbrechts) stünden zudem als Notlösungen bereit.

Philipp Lahm, der im August 2007 beim 2:1 in England vor der Abwehr glänzte, braucht nach dessen eigener Aussage "niemand bei dieser WM im Mittelfeld zu erwarten".

Eins ist klar: Spielen Schweinsteiger und Khedira ein überzeugendes Turnier, wird es anschließend sehr schwer für Ballack, seinen vorherigen Platzhirsch-Status wieder einzunehmen.

Mittelfeld offensiv

Der 5. September 2009 hat dafür gesorgt, dass die das jahrelang praktizierte 4-4-2-System nicht mehr die bevorzugte Formation des DFB-Teams ist.

Beim 2:0 gegen Südafrika trumpfte Mesut Özil dermaßen stark auf, dass Löw einen Stürmer opferte, um die Stärken des Bremers optimal zur Geltung zu bringen.

"Mesut ist ein Spieler, der mit Tempo aus der Tiefe kommt. Er ist eine Waffe, die wir natürlich gerne nutzen möchten", sagt sein Klubkamerad Per Mertesacker.

"Özil reißt Lücken"

"So ein Spieler ist eine Gefahr für jede Innenverteidigung. Denn wenn sich ein Abwehrspieler zu früh aus der Viererkette löst, um mitzugehen, reißt das gefährliche Lücken."

Diese nutzte Özil in Ungarn und gegen Bosnien immer wieder aus. Er stand mehrfach frei vor des Gegners Tor, war aber im Abschluss noch nicht konsequent genug.

Unverzichtbar wie Özil ist in der kreativen Dreierreihe auch Lukas Podolski auf der linken Seite. Nimmt er mit dem Ball Tempo auf, endet das - je näher die WM kommt - immer öfter mit wuchtigen Torschüssen oder knallharten, flachen und präzisen Hereingaben.

Marin rückt auf

Muss der Kölner aus dem Stand etwas bewegen, hat er allerdings Probleme. Als Podolskis Ablösung war lange Zeit Marcell Jansen erste Wahl. Doch der Hamburger wird nun doch für die Außenverteidigerposition eingeplant.

Nun darf sich der formstarke Marko Marin bereit halten, den Gegnern Knoten in die Beine zu dribbeln, wenn diese bei fortgeschrittener Spieldauer nicht mehr frisch sind.

Auf dem rechten Flügel setzt Aufsteiger Thomas Müller den Hamburger Piotr Trochowski immer mehr unter Druck. Schon gegen Bosnien war der Münchner in der zweiten Halbzeit deutlich wirkungsvoller als Trochowski.

"Jabulani" gut für Trochowski

"Wir haben sie in der ersten Hälfte ja auch müde gespielt", verteidigte sich Letzterer. Trochowskis Pluspunkt: Sein technisch perfekter Schuss wird mit dem "Jabulani"-Ball für die Torhüter in Südafrika wohl noch unberechenbarer.

Viel reden möchte der 26-Jährige aktuell nicht mehr: "Es kommt darauf an, nicht zu erzählen, sondern zu machen."

Müller, wie Kroos und Holger Badstuber einer von 22 FIFA-Kandidaten für den besten Nachwuchsspieler des Turniers, tut beides.

"Immer 100 Prozent Einsatz"

"Ich bin hierhergekommen mit dem Anspruch, der Mannschaft mit meiner Leistung zu helfen. Und das geht nun mal nur, wenn ich spiele", sagte der 20-Jährige dem "kicker".

"Ich bin zu allem bereit. Joachim Löw kann von mir immer 100 Prozent Einsatz erwarten - ob als Einwechselspieler oder von Anfang an."

Müllers ausgeprägter Zug zum Tor könnte den Bundestrainer dazu bewegen, den Münchner schon sehr bald in die erste Elf zu befördern.

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