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Philipp Lahm muss sich womöglich auf schlechten Schlaf einstellen © imago

Teamarzt Prof. Dr. Tim Meyer erklärt die Probleme, die in 1400 Metern Höhe auf die Nationalmannschaft zukommen könnten.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Das Thema, das macht Prof. Dr. Tim Meyer gleich klar, ist für ihn nicht wirklich eines.

"Es ist sicher nicht so, dass die Höhenakklimatisation diese Weltmeisterschaft entscheidet", sagt der Internist der deutschen Nationalmannschaft vorneweg (244723DIASHOW: Der deutsche WM-Kader).

Sie aber bei den Vorbereitungen auf die anstehenden Titelkämpfe außer Acht zu lassen, wäre gleichwohl fahrlässig gewesen.

Schließlich findet das wohl entscheidende letzte Gruppenspiel des DFB-Teams gegen Ghana in Johannesburg statt, 1753 Meter über dem Meeresspiegel (Der WM-Spielplan).

Auch das Finale wird im dortigen Soccer City Stadion ausgetragen.

Weniger Sauerstofftransport pro Herzschlag

"Eine Akklimatisation an Höhenbedingungen ist deswegen erforderlich, weil der Organismus etwas weniger Sauerstoff pro Herzschlag befördern kann und deswegen eine erhöhte Belastung für das Herz-Kreislauf-System entsteht", erläutert Meyer: "Nach drei oder vier Tagen hat sich der Organismus in der Regel angepasst."

Da die deutsche Mannschaft erst am 23. Juni erstmals in der Höhe antritt, bleibt für den Anpassungsprozess im Mannschaftsquartier Velmore Grande, das auf 1400 Metern in der Hochebene der Provinz Gauteng liegt, genügend Zeit.

"Das werden wir normalerweise locker schaffen", kündigt Meyer an. Er legt Wert darauf, dass grundsätzlich zwischen zwei Begriffen differenziert wird.

Höhentraining nicht gleich Höhenakklimatisation

"Das eine ist Höhentraining, das man häufig in Sportarten findet, wo die Ausdauer besonders wichtig ist", erklärt der 42-Jährige.

"In der Leichtathletik, im Radsport, Triathlon oder Skilanglauf gehen die Athleten üblicherweise in Höhentrainingslager, wo sie einen Vorteil erzielen wollen für spätere Wettkämpfe auf Meereshöhe."

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Die Höhenakklimatisation sei dagegen die "Akutanpassung an Höhenbedingungen, wenn der Wettbewerb in der Höhenlage stattfindet".

"Keine Anzeichen von Beschwerden"

Über körperliche Probleme hat laut Meyer in der kurzen Zeit seit der Ankunft in Südafrika noch niemand geklagt: "Wir haben in der ganzen Delegation bislang keinerlei Anzeichen von Beschwerden."

Und dass sich Spieler in Meereshöhe prinzipiell besser regenerieren als in der Höhe - ein Grund für die küstennahe Quartierwahl mehrerer WM-Teilnehmer - ist dem Arzt zufolge nicht erwiesen.

"Der Schlaf einer akklimatisierten Person in der Höhe ist genauso gut wie dort unten", sagt er. "Aber es kann durchaus sein, dass der eine oder andere drei bis vier Nächte Schlafprobleme hat."

Günstige Akklimatisationsrichtung

Diese jetzt bewusst in Kauf zu nehmen und sich für die ersten beiden Spiele in Durban und Port Elizabeth auf Meereshöhe herabzubegeben, hält Meyer für deutlich sinnvoller als auf einem niedrigeren Niveau zu wohnen und nur zu den entsprechenden Spielen in die Höhenlage zu gehen.

"Unsere Richtung der Akklimatisation ist eine günstige", urteilt Meyer. Körperliche Schwierigkeiten werden seiner Ansicht nach ein erfolgreiches Abschneiden der deutschen Mannschaft ohnehin nicht gefährden.

"Ich habe einen extrem guten Eindruck von der Fitness unserer Spieler", verkündet er. "Es ist abgesehen von den Verletzungen im Trainingslager alles super gelaufen. Ich glaube, dass wir auf einem ausgesprochen guten Stand sind."

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