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Franz Beckenbauer (l.) war bei der WM 2006 in Deutschland OK-Chef © getty

Joachim Löw kann den WM-Start kaum erwarten und kündigt Offensiv-Fußball an. Für gute Laune in der DFB-PK sorgt ein Vorgänger.

Von Matthias Becker und Martin van de Flierdt

Erasmia - Lange mussten die versammelten Journalisten am Mittwoch im Teamquartier der deutschen Mannschaft auf Joachim Löw und Franz Beckenbauer warten.

Eine Videoanalyse mit einzelnen Spielergruppen war zeitlich etwas aus dem Ruder gelaufen, weshalb Löw und Beckenbauer mit einer halben Stunde Verspätung das Podium betraten.

Doch das Warten hatte sich auf alle Fälle gelohnt.

Das lag aber weder an Löw, für den es der erste Auftritt vor den deutschen Journalisten in Südafrika war, noch an Leichtathletik-Legende Edwin Moses, der als Laureus-Botschafter auch einige Worte sprechen durfte.

Die Aufmerksamkeit zog eindeutig der "Kaiser" auf sich, der mit launigen Anekdoten, bayerischem Idiom und trockenem Humor für Unterhaltung sorgte.

"Kaiser Franz " kämpft für die Hymne

Einmal mehr versicherte Beckenbauer, letzter deutscher Weltmeister-Coach, dass er der jungen deutschen Mannschaft das Erreichen des Halbfinals zutraue - ab da sei dann sowieso alles möglich. "Bewegung und Spielfreude" kennzeichne die DFB-Elf analysierte er, fügte aber auf bayerisch hinzu: "A bisserl a Glück brauchst a."

Angesichts von insgesamt sieben Spielern des FC Bayern im DFB-Kader müsse man aber vielleicht doch nicht zu sehr auf das Schicksal hoffen, ergänzte der "Kaiser". Denn: "Auf die Bayern ist immer Verlass."

Ohnehin sei die Mannschaft besser als jene, die 2006 das Halbfinale erreicht habe, glaubt Beckenbauer, der ein leidenschaftliches Plädoyer darauf hielt, dass doch bitteschön alle Spieler, ganz gleich welchen familiären Hintergrund sie haben, die Nationalhymne mitsingen sollten. "Die werden sie gerade noch zusammenbekommen."

Er habe sogar in seiner Zeit bei Cosmos New York vor jedem Spiel die US-Hymne mitgesungen, erinnerte sich Beckenbauer. Selbst da habe es keine Textschwierigkeiten gegeben.

Der Bundestrainer scharrt mit den Hufen

An dieser Stelle konnte sogar Joachim Löw mit Showtalent Beckenbauer mithalten. Er selbst habe sogar in der Türkei die Hymne mitgesungen meinte Löw, überließ die Späße aber sonst weitgehend seinem Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgänger.

Der Bundestrainer konzentrierte sich vier Tage vor dem deutschen Auftaktspiel gegen Australien lieber auf die sportlichen Aspekte. "Alle sind froh, wenn es endlich los geht" (Der WM-Spielplan), sagte Löw, versicherte aber auch voller Energie und Tatendrang zu stecken: "Ich sehe der WM mit großer Gelassenheit entgegen."

Vertrauen in die jungen Künstler

Das verdankt er der konzentrierten Arbeit seines jungen Kaders in den vergangenen Wochen. "Die Mannschaft hat sehr gut mitgearbeitet, die Automatismen greifen immer besser", erklärte Löw.

Die Tatsache, dass er den zweitjüngsten Kader der deutschen WM-Geschichte um sich geschart hat, bereitet ihm keine Sorgen. "Erfahrung spielt eine untergeordnete Rolle", stellte er fest, getreu dem Motto: Es gibt keine jungen und alten Spieler, nur gute und schlechte.

Deshalb vertraut Löw auch auf die Angriffsstärke des Teams. "Wir wollen den Gegner auch spielerisch in Verlegenheit bringen. Die Jungen sind selbstbewusst und haben keine Angst", sagte Löw und verwies exemplarisch auf Marko Marin, Mesut Özil und Toni Kroos. (244723DIASHOW: Der deutsche WM-Kader)

Löw: Klose "konnte die Handbremse lösen"

Um einen erfahrenen, aber zuletzt glücklosen Spieler macht sich der Bundestrainer keine Sorgen. Zwar gab er für Miroslav Klose keine Stammplatzgarantie ab.

Er lobte den Bayern-Stürmer, der am Mittwoch seinen 32. Geburtstag feierte, aber in derart hohen Tönen, dass wohl nur ein Zusammenprall mit einer Giraffe Kloses Einsatz gegen Australien noch verhindern könnte.

Mental sei bei Klose inzwischen alles in bester Ordnung, versicherte Löw jedenfalls: "In dieser Woche konnte er die Handbremse lösen."

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