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Badstuber bestritt beim 3:1 gegen Bosnien-Herzegowina sein zweites Länderspiel © getty

Holger Badstuber spricht bei SPORT1 über ein tolles Jahr, die Hassliebe Linksverteidigung und das Zusammenspiel mit Podolski.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion ? Holger Badstuber hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich.

Im Vorjahr noch in der zweiten Mannschaft des FC Bayern aktiv, schaffte er unter Trainer Louis van Gaal den Sprung zum Stammspieler des Double-Gewinners, der beinahe auch die Champions League gewonnen hätte.

Ohne vorherigen Länderspieleinsatz nominierte ihn dann Bundestrainer Joachim Löw für den deutschen Kader für Südafrika. (SPORT1-Teamcheck: Die Abwehr)

"Klar darf ich einen Traum leben", weiß der 21-Jährige, der gegen Australien vor seinem WM-Debüt steht.

Im SPORT1-Interview spricht Badstuber über sein phänomenales Jahr, die Hassliebe Linksverteidigung, das Zusammenspiel mit Lukas Podolski und den Unterschied zwischen dem Kölner und Franck Ribery.

SPORT1: Herr Badstuber, wenn Ihnen vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass Sie im Sommer 2010 vor dem WM-Debüt in Südafrika stehen, hätten Sie ihn für verrückt erklärt?

Holger Badstuber: Wieso? Man soll ja niemals nie sagen. Klar darf ich einen Traum leben, dass es im ersten Jahr schon so weit gereicht hat. Das hätten wenige erwartet. Aber ich habe immer die Hoffnung gehabt, irgendwann in der Nationalmannschaft zu spielen. Es ist sehr schnell gegangen. Das nehme ich gerne mit. Vielleicht habe ich noch gar nicht alles realisieren oder sacken lassen können. Das kommt womöglich erst, wenn man mal vom Fußball weg ist. (239581DIASHOW: Deutsche WM-Kapitäne)

SPORT1: Sie wirken sehr geerdet. Wer sorgt dafür, dass Sie bei diesem rasanten Aufstieg nicht abheben?

Badstuber: Ich halte mich selbst auf dem Boden. Wenn ich das nicht täte, hätte ich genügend Leute in meinem Umfeld, die mich zurechtweisen würden.

SPORT1: Der Bundestrainer lobt Ihre Abgeklärtheit im Zweikampf und die geringe Fehlerquote. Beides findet man üblicherweise bei erfahreneren Abwehrspielern. Wie erklären Sie sich, dass Sie diese Qualitäten schon jetzt besitzen?

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Badstuber: Ich bin eben ein ruhigerer Typ, auch privat. Das spiegelt sich auf dem Spielfeld wider. Ich spiele einfach nur mein Spiel und habe durchaus schon genügend Erfahrung gesammelt, um in gewissen Situationen ruhig zu bleiben.

SPORT1: In Ungarn hat sich Heiko Westermann in der Schlussphase verletzt. Inwiefern war das für Sie der Türöffner in die Mannschaft?

Badstuber: Es kann sein, dass ich dadurch reingerutscht bin. Aber mein Ziel war ja erstmal, überhaupt dabei zu sein. Da hatte ich schon von Anfang an gute Chancen. Jetzt habe ich ein gutes Gefühl, dass ich gleich spielen darf, und bin richtig heiß darauf.

SPORT1: Sie haben gesagt, Sie würden mit Ihrer Körpergröße sicher kein flinker Flügelwirbelwind mehr. Wären Sie auf der linken Außenbahn also ein Stammspieler wider Willen?

Badstuber: Ich habe diese Position ja erst in dieser Saison beim FC Bayern gelernt. Vorher hatte ich dort nie gespielt. Aber ich kann das. Das habe ich schon in wichtigen Spielen gezeigt. Trotzdem ist Innenverteidiger ganz klar meine stärkste Position. Da habe ich mit der Körpergröße und dem Passspiel meine größten Vorteile. Hier in Südafrika bin ich aber vollauf zufrieden, wenn ich auf der linken Seite spielen darf. ()

SPORT1: Gegen Bosnien haben Sie den Flügel erstmals gemeinsam mit Lukas Podolski besetzt. Inwiefern war das anders als Ihr Zusammenspiel mit Franck Ribery bei den Bayern?

Badstuber: Poldi und Franck sind ja zwei ganz unterschiedliche Spielertypen. Poldi braucht Raum, er ist ein sehr, sehr offensiver Spieler. Franck ist ein Weltklassemann und ähnlich offensiv. Aber er findet sich auch in engen Räumen zurecht. Das Zusammenspiel mit Poldi ist gewöhnungsbedürftig, aber wir arbeiten dran. Ich bin ja eher der defensive Außenverteidiger. Ich habe nicht den Offensivdrang wie beispielsweise Philipp Lahm.

SPORT1: Wenn Podolski Platz braucht, wie Sie sagen, dann könnte es doch sogar von Vorteil sein, wenn Sie nicht wie Marcell Jansen mit nach vorne marschieren und die Räume zulaufen?

Badstuber: Ja, natürlich. Ich kann Poldi die Bälle in den Raum spielen, wo er dann startet und seine Schnelligkeit ausspielen kann. Ich denke, dass wir das gut hinkriegen werden.

SPORT1: Arne Friedrich hat gesagt, die erfahrenen Spieler müssten den jüngeren zeigen, dass Sie ihnen vertrauen. Wie tun sie das?

Badstuber: Erstmal dadurch, dass wir außerhalb des Platzes einen guten Kontakt haben. Dann indem Sie mir auf dem Spielfeld helfen und den Rücken stärken. Dieses Vertrauen entwickelt sich. Wir haben gegen Bosnien schon eine gute Basis gelegt und wenig zugelassen. Das Gegentor war ja ein Glückstreffer. Und nun verbessern wir unser Zusammenspiel von Tag zu Tag.

SPORT1: Am Sonntag heißt der deutsche Auftaktgegner Australien. Wie gehen Sie persönlich das Spiel an? (Der WM-Spielplan)

Badstuber: Die Australier dürfen wir nicht unterschätzen. Sie wissen durchaus, gute Konter zu fahren. Wir werden sehen, wie wir ins Spiel finden. Dementsprechend werde ich meinen Part spielen. Ich überzeuge aber wohl eher mit Passspiel als damit, die Linie rauf und runter zu laufen.

SPORT1: Wie Toni Kroos und Thomas Müller stehen Sie auf der FIFA-Liste der Kandidaten für den Best-Young-Player-Award, den 2006 Lukas Podolski gewonnen hat. Was bedeutet Ihnen das?

Badstuber: Es freut und ehrt mich. Aber diesen Preis als Abwehrspieler zu gewinnen, dürfte schwierig werden.

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