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Miroslav Klose erzielte sein bislang letztes WM-Tor zum 1:1 im Viertelfinale 2006 © getty

Vor dem Auftaktspiel gegen Australien nimmt SPORT1 die Mannschaftsteile des DFB-Teams unter die Lupe. Teil 3: Der Angriff.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Das Fragezeichen hinter seinem Namen ist weg.

Miroslav Klose wird am Sonntag in der deutschen Startformation stehen, die in Durban den ersten WM-Gruppengegner Australien (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) bezwingen will. (Der WM-Spielplan)

Für Cacau, Mario Gomez und Stefan Kießling bleibt daher vorerst nur der Platz auf der Bank. Im dritten Teil des Teamchecks beleuchtet SPORT1 den Status quo im Angriff: (SPORT1-Teamcheck: Teil 1 - Die Abwehr; Teil 2 - Das Mittelfeld)

"Ich bin überzeugt, dass ich den Konkurrenzkampf gewinnen werde", hatte Klose schon in den letzten Tagen selbstbewusst geäußert.

Immer wieder Nadelstiche

Im 4-2-3-1, das Bundestrainer Joachim Löw bevorzugt, um die Stärken von Mesut Özil im zentralen offensiven Mittelfeld voll auszuschöpfen, muss die einzige Spitze den Ball halten, die Viererkette des Gegners beschäftigen und immer wieder Nadelstiche setzen.

Klose, in der vergangenen Ligasaison gerade vier Mal über 90 Minuten im Einsatz und nur drei Mal als Torschütze verzeichnet, machte zuletzt nicht den Eindruck, dass er das besser kann als seine Konkurrenten.

"Seit ich im Trainingslager der Nationalmannschaft bin, habe ich täglich zwei Einheiten gemacht und richtig hart gearbeitet. Auch vor und nach den letzten Tests gegen Ungarn und Bosnien-Herzegowina", erklärt er seine matten Darbietungen.

"Diese Partien habe ich deshalb nie wirklich als Maßstab gesehen." Der "entscheidende Moment" sei das erste WM-Spiel: "Daran lasse ich mich sehr gerne messen."

Löw: Das Warten lohnt sich

Glaubt man dem Bundestrainer, dann hat sich das Warten auf den Formanstieg des gerade 32-Jährigen gelohnt.

"Es ist klar zu sehen, dass er sich körperlich viel wohler fühlt. Er zeigt sich im Training sehr beweglich und schnell in seinen Aktionen", urteilt Löw. "Ich habe ein gutes Gefühl, dass seine körperliche Frische findet. Die ist für sein Spiel ganz wichtig."

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Auch psychisch sei der WM-Torschützenkönig von 2006 "im Aufwind. Ich merke, dass er diese Woche die Handbremse löst".

Das ist auch daran abzulesen, dass sich der Angreifer, der 2002 und 2006 jeweils fünf WM-Treffer erzielte, hohe Ziele setzt:

"Man will sich immer steigern. Deshalb will ich jetzt diese Marke von fünf Toren möglichst toppen."

Ronaldos Marke in Gefahr?

Schafft er das, löst er den Brasilianer Ronaldo an der Spitze der ewigen WM-Torjägerliste ab. Der war 15 Mal erfolgreich, einmal öfter als Gerd Müller.

"Miro kann sich selbst am besten einschätzen", glaubt Per Mertesacker. "Ich habe Vertrauen in seine Aussagen. Ich bin gespannt, was er aus sich herausholt. Die Mannschaft steht voll dahinter."

Gomez, die erste Stoßstürmer-Alternative, muss also von außen mitansehen, ob Klose seinen Worten wirklich Taten folgen lässt.

Gomez "in hervorragender Form"

"Mario präsentiert sich im Training in hervorragender Form, so habe ich ihn schon lange nicht gesehen", lobt Löw den Münchner, der die kurze Vorbereitung nach seiner langen, aber durchwachsenen Vereinssaison unbehelligt im Schatten der Klose-Thematik absolvieren durfte.

Das könnte von Vorteil sein, denn die Last riesiger Erwartungen wie bei der EM 2008 liegt nun nicht auf seinen Schultern.

Klar nur die Nummer drei im Ranking der klassischen Neuner ist Stefan Kießling. "Bei ihm hat man in der Vorbereitung gesehen, dass ihn die lange Saison offenbar doch sehr beansprucht hat", sagt Löw über den Leverkusener. "Aber ich denke, da kommt jetzt noch ein Schub."

Cacau lässt Taten sprechen

Bleibt Cacau, den seine Fähigkeit von den Rivalen abhebt, sich den Ball aus dem Mittelfeld zu holen und auch aus der Distanz zu versenken. Der Stuttgarter hat in den Testspielen wie kein anderer Angreifer für sich geworben.

Für den Platz in der ersten Elf reicht es zunächst aber nicht. "Ich kann nicht fordern, dass ich spielen muss. Aber ich kann meine Leistung so bringen, dass der Trainer mich auswählt", sagte er der "Badischen Zeitung".

"Wenn er sagt 'Cacau wird erst später eingesetzt', dann werde ich versuchen, mein Bestes zu geben, damit ich beim nächsten Spiel von Anfang an spielen kann."

Wirkungsvoller Pfeil im Köcher

Löw möchte den 29-Jährigen gegen die Australier eher als Pfeil im Köcher wissen, den er abschießen kann, wenn ein festgefahrenes Spiel neuen Esprit braucht.

Denn an seiner großen Wertschätzung für Cacau gibt es keine Zweifel. "Seine Entwicklung zeigt uns, dass wir die richtigen Spieler ausgesucht haben, um unsere Philosophie umzusetzen", meint Löw.

"Cacau kann das, unabhängig, ob er in der Liga acht Tore gemacht hat oder 18...". Darauf, dies auch in Südafrika belegen zu können, muss der gebürtige Brasilianer aber noch warten.

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