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Lukas Podolski (l.) und Miroslav Klose trafen je ein Mal gegen Australien © getty

Lang leiden die beiden deutschen Top-Scorer der WM 2006 unter Ladehemmung - doch nun lassen sie ihre Kritiker verstummen.

Aus Durban berichtet Thorsten Mesch

Durban - 1:0 durch Lukas Podolski, 2:0 durch Miroslav Klose. Die Helden des deutschen Sommermärchens von 2006 haben sich zurückgemeldet (Die WM-Kader im Überblick).

Die beiden zuletzt umstrittenen Angreifer brachten die deutsche Mannschaft beim glanzvollen 4:0-Sieg gegen Australien auf die Siegerstraße und gaben nach der Kritik der vergangenen Wochen und Monate die Antwort auf dem Platz.

"Wir sind von der ersten Minute an sehr gut ins Spiel gekommen, haben bis zum Schluss schnell über die Außen gespielt und alles, was wir uns vorgenommen hatten, im Spiel umgesetzt", sagte Podolski, der das 1:0 in der 7. Minute erzielt und das 3:0 durch Thomas Müller vorbereitet hatte.

Der Kölner, der in der vergangenen Bundesliga-Saison nur zwei Treffer erzielt hatte, wurde sogar zum "Man of the Match" gewählt (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Bereits in den vergangenen Tagen hatte Podolski im WM-Quartier des DFB-Teams ein ganz anderes Gesicht gezeigt als in Köln.

Löw grollt Richtung Kritiker

Für Bundestrainer Joachim Löw war das keine Überraschung. Er könne die Diskussionen um den Linksfuß ohnehin nicht nachvollziehen, wie er am Montag auf der Pressekonferenz mit Nachdruck in der Stimme betonte.

"Dafür fehlt mir jegliches Verständnis", grollte er und appellierte an alle Trainer-Kollegen, mit ihren Spielern "erstmal zu arbeiten", anstatt sie gleich durch einen neuen Stürmer vorschnell auszutauschen.

"Podolski und Klose haben in wichtigen Spielen immer entscheidende Tore gemacht. Ich habe nie an ihnen gezweifelt", stellte er klar.

Unter Löw erlebt eben auch Klose eine "Wiedergeburt": "Ich hatte mich mit dem Bundestrainer darauf geeinigt, dass das Australien-Spiel mein Fixpunkt ist. Wir haben alles richtig gemacht", sagte er.

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Klose will bei Bayern bleiben

Gewissensbisse hatte der Stürmer, der beim FC Bayern häufig nur Ersatz war und nur drei Tore in 25 Einsätzen erzielte, aber nie: "Ich zweifele nie an mir. Das ist meine größte Stärke", betonte er.

Die Erleichterung über sein Tor war ihm anzumerken, auch wenn er auf seinen berühmten Salto verzichtete. "Den habe ich bei den Bayern in dieser Saison ja nicht so oft üben können. Deshalb habe ich ihn gelassen, um mich nicht zu verletzen", sagte der gebürtige Pole.

Mit dem Adler auf der Brust sammelt er wieder Selbstvertrauen. Im Kreis der Nationalelf fühlt er sich gebraucht und gut aufgehoben. Das Umfeld macht ihn stark.

Seinen Vertrag in München will er erfüllen. Ein Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern sei "kein Thema".

"Ich fühle mich bei den Bayern sehr wohl, habe in Louis van Gaal einen hervorragenden Trainer und bin nach wie vor der Meinung, dass ich mir wieder einen Stammplatz erkämpfen kann. Erst spiele ich die WM und dann geht es bei den Bayern von vorne los."

Klinsmann eingeholt

Klose stellte unter Beweis, dass er immer zur Stelle ist, wenn es darauf ankommt und schoss gegen Australien zum dritten Mal in Serie ein Tor im Auftaktspiel einer WM:

2002 hatte er beim 8:0 gegen Saudi-Arabien gar dreimal, 2006 beim 4:2 gegen Costa Rica zweimal getroffen.

Zwar vergab Klose weitere Großchancen, eine hatte ihm Podolski perfekt von der linken Seite vorgelegt, doch er steckte nicht auf und belohnte sich selbst mit dem Kopfball zum 2:0 - es war sein 49. Tor im 97. Länderspiel und sein elftes Tor bei einer Endrunde.

In der WM-Torschützenliste des DFB holte der 32-Jährigee durch sein Tor Jürgen Klinsmann ein.

Ronaldo-Rekord im Visier

Nur Gerd Müller (14) liegt nun noch vor Klose, der nur noch ein Tor hinter Brasiliens Legende Pele liegt und seinen Rückstand auf den absoluten WM-Rekord von Ronaldo (15) verkürzte.

Podolski traf in seinem 74. Länderspiel zum 39. Mal und hat damit genauso viele Tore im Nationalteam wie in der Bundesliga erzielt. Sein Konto bei Weltmeisterschaften erhöhte der 25-Jährige auf vier.

Podolski und Klose sind wieder da, doch am Freitag müssen sie ihr Können gegen Serbiens Klasse-Verteidiger Banislav Ivanovic (Chelsea) und Nemanja Vidic (Manchester United) erneut unter Beweis stellen (Der WM-Spielplan).

Wenn dies gelingt, dürfen die deutschen Fans wieder an Märchen glauben.

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