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Mesut Özil spielt seit 2009 für die deutsche Nationalmannschaft © getty

Mesut Özil hat die Fußball-Welt mit seiner Gala gegen Australien auf sich aufmerksam gemacht. Die Presse stimmt Elogen an.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Durban/Centurion ? Es ist nur schwer nachzuvollziehen.

Aber in der Halbzeitpause des deutschen WM-Auftaktspiels gegen Australien (4:0) saß Mesut Özil in der Kabine des Moses-Mabhida-Stadions von Durban und ließ die Schultern hängen.

"Er war ein bisschen enttäuscht, dass er kein Tor gemacht hat", erzählte Mario Gomez nach der Partie SPORT1. "Da habe ich ihm schon gesagt: 'Mesut, wenn du immer so spielst, musst du keine Tore machen. Dann werden wir auch so sehr oft gewinnen'." (Der WM-Spielplan)

Überragende Vorstellung

In seinem ersten WM-Einsatz hatte der Bremer die Fußball-Welt mit einer überragenden Vorstellung auf sich aufmerksam gemacht.

Ein Tore hatte er eingeleitet, ein weiteres direkt aufgelegt, nur mit dem eigenen Treffer klappte es nicht:

Einmal schlug Australiens Kapitän Lucas Neill den Ball von der Torlinie (31.), dann umkurvte Özil zwar Torwart Mark Schwarzer, legte sich den Ball aber dann zu weit vor (40.).

"Özil passt ideal"

Den starken Gesamteindruck schmälerte das nicht im Geringsten. "Ich freue mich, weil die Mannschaft mich toll unterstützt hat", meinte Özil bescheiden. "Wir haben das heute sehr gut hinbekommen."

Der 21-Jährige sei "ein Spieler, der ideal zu meiner Vorstellung von Fußball passt. Wie er diese Rolle interpretiert und mit welcher Leichtigkeit er diese tödlichen Bälle spielt, ist ganz, ganz hohes Niveau", lobte Bundestrainer Joachim Löw.

"Er nimmt die Bälle in der Bewegung nach vorne mit, bei ihm stockt das Spiel nicht. Er gibt dem Spiel einen weiteren Fluss. Das macht ihn für uns so wertvoll."

Der lange gesuchte Zehner

Die deutsche Mannschaft habe "immer einen Zehner gebraucht und gesucht", erklärte Miroslav Klose. "Wir sind alle froh, dass sich Mesut entschieden hat, für Deutschland zu spielen."

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Die Australier waren es am Sonntag weniger. "Ich habe beobachtet, dass ihm die komplette Bank von Australien hinterher geschaut hat, als er nach seiner Auswechslung in die Kabine lief", berichtete Gomez.

"Das war schon bemerkenswert. Alle, die ihn heute spielen gesehen haben, werden nun großen Respekt vor ihm haben."

Rauschen im Blätterwald

Özils geschmeidige Kreativität und sein Einfluss auf das deutsche Spiel ließen die internationale Presse wahre Elogen anstimmen (Die WM-Kader im Überblick).

"Das neue Deutschland: Phantasie an der Macht" titelte der italienische "Corriere della Sera". Die spanische Sportzeitung "Marca" hatte in Özil und dem noch ein Jahr jüngeren Thomas Müller "die Zukunft des deutschen Fußballs gesehen, die schon jetzt begonnen hat".

Der "Corriere dello Sport" trieb es auf die Spitze: "Özil hat der Welt erklärt, warum er bald zu den fünf absolut besten Spielern der Welt gehören wird."

Löw: Özil noch nicht weltklasse

Aktuell stuft Löw seinen Spielmacher noch nicht als weltklasse ein. "Dazu bedarf es einer Entwicklung und einer Konstanz in den Leistungen über Jahre hinweg", begründete der Bundestrainer seine Einschätzung (GAMES: Das WM-Tippspiel).

"Er hat sicherlich Spiele gemacht, die auf diesem Niveau waren. Aber er hat noch einen langen Weg vor sich, ist erst am Beginn seiner Karriere. Da ist es wichtig, kontinuierlich zu arbeiten und sein Niveau ständig zu steigern."

Ob Özil trotz bis 2011 gültigen Vertrags in der kommenden Saison noch bei Werder Bremen tun wird, ist nach seiner Gala gegen Australien fraglicher denn je.

Neue Situation im Vertragspoker

"Diese 90 Minuten haben seinen Marktwert um zehn Millionen Euro ansteigen lassen", behauptete die "Marca".

Werder-Boss Klaus Allofs, der mit Özils Berater Reza Fazeli in zähen Verhandlungen um eine Verlängerung des Kontrakts steckt, weiß um die neue Ausgangslage im Poker um Özils Dienste.

"Man hat gesehen, welche überragenden Fähigkeiten Mesut hat", sagte Allofs, der sich die Partie vor Ort anschaute. "Deshalb ist doch klar, dass er für andere Klubs interessant ist. Aber wir werden alles dafür tun, dass er auch in der kommenden Saison bei uns spielt."

Man darf gespannt sein, ob das ausreicht, die Angebote europäischer Großklubs auszustechen. Denn dass Özil solche nach der WM vorliegen werden, steht spätestens seit Sonntagabend außer Frage.

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