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Ohne Torglück gegen Australien: Mario Gomez © imago

Im SPORT1-Interview spricht Mario Gomez über das "neue Deutschland", Mesut Özil, Serbien und seine persönliche WM-Perspektive.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Centurion - Für Mario Gomez begann das WM-Turnier mit leichter Verspätung.

Der Bayern-Stürmer wurde gegen Australien in der 74. Minute für Mesut Özil eingewechselt.

"Kurz bevor ich reingekommen bin, habe ich gesehen, wie Cacau sein Tor macht", sagt der 24-Jährige.

"Da habe ich mir das natürlich auch vorgenommen. Aber es ist noch nicht so gut gelaufen wie zuletzt im Training."

Im SPORT1-Interview spricht Gomez über das "neue Deutschland", Mesut Özil, die Aufgabe Serbien (Fr., ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) und seine persönliche WM-Perspektive.

"Australien ist nicht der Maßstab"

SPORT1: Herr Gomez, der deutsche Turnierauftakt ist fast optimal verlaufen. Hatten Sie sich im Vorfeld Sorgen gemacht?

Gomez: Nein. Mit einem 4:0 kann man zwar vor einem solchen Turnier nie rechnen. Aber der Trainer hat uns sehr gut darauf eingestellt, wie die Australier spielen. Wir haben versucht, diese Räume, die uns die Australier gegeben haben, gut zu nutzen. Das ist uns sehr gut gelungen.

SPORT1: Die Fußball-Welt staunt über das "neue Deutschland". Statt von Panzern und Blitzkriegen ist von Fantasie und Spielwitz zu lesen.

Gomez: Unsere Spielweise hat sich ja auch ein wenig geändert. Wir Deutschen kommen jetzt mehr über das Fußballerische. Die Tore gegen Australien waren alle schön rausgespielt. Trotzdem darf man natürlich nicht vergessen, seine Arbeit zu machen. Aber wir hätten gegen die Australier noch drei, vier Tore mehr schießen können.

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SPORT1: Wie ordnen Sie denn den Auftaktsieg ein?

Gomez: Australien ist sicher nicht der Maßstab. Es werden noch ein paar schwierigere Gegner kommen. Aber es war sehr wichtig, so erfolgreich ins Turnier zu starten. Wenn wir früh 0:1 hinten gelegen hätten, hätte das die Aufgabe sicherlich schwieriger gemacht. Aber auch dann hätten wir sie gelöst.

SPORT1: Das Australien-Spiel sollte die erste Standortbestimmung sein. Wozu ist diese deutsche Mannschaft denn nun fähig?

Gomez: Ich weiß nicht, wie stark wir wirklich sind. Aber ich habe beim Mittagessen vor dem Spiel schon zu Jörg Butt gesagt: 'Pass auf, wir werden die erste Mannschaft sein, die in diesem Turnier mit mehr als zwei Toren Unterschied gewinnt.' Das war zwar mehr im Flachs. Aber ich war mir sicher, weil wir so gut trainiert hatten und so gut drauf sind.

SPORT1: Sie müssten auf Mesut Özil schon ein bisschen sauer sein. Seit er dabei ist, gibt es in der deutschen Mannschaft nur noch Platz für einen Stürmer?

Gomez: Es geht aber um den Erfolg der Mannschaft. Ich habe schon vor Mesuts erstem Länderspiel gesagt, dass er für Deutschland sehr, sehr wertvoll wird. Er ist einfach ein genialer Fußballer.

SPORT1: Wie bewerten Sie seine Leistung gegen Australien?

Gomez: Er war in der Halbzeit ein bisschen enttäuscht, dass er kein Tor gemacht hat. Da habe ich ihm schon gesagt: 'Mesut, wenn du immer so spielst, musst du keine Tore machen. Dann werden wir sehr oft gewinnen.' Ich habe beobachtet, dass ihm die komplette Bank von Australien hinterher geschaut hat, als er in die Kabine lief. Das war schon bemerkenswert. Ich denke, dass alle, die ihn spielen gesehen haben, nun großen Respekt vor ihm haben. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

SPORT1: Sie selbst sind in der 74. Minute für Özil eingewechselt worden. Waren Sie mit Ihrem persönlichen WM-Einstand zufrieden?

Gomez: Nein, sicherlich nicht. Kurz bevor ich reingekommen bin, habe ich gesehen, wie Cacau sein Tor macht. Da habe ich mir das natürlich auch vorgenommen. Aber es ist noch nicht so gut gelaufen wie zuletzt im Training. Dass der Trainer mich eingewechselt hat, war nach meiner Rückrunde nicht selbstverständlich.

SPORT1: Vor Ihnen stehen derzeit offenbar Miroslav Klose und Cacau,. Wie sehen Sie Ihre Situation?

Gomez: Ich habe mir meinen Einsatz gegen Australien in den letzten Wochen im Training verdient. Ich werde jetzt weiter Gas geben und hoffen, dass ich auch im nächsten Spiel zum Einsatz komme. (Die WM-Kader im Überblick)

SPORT1: 2008 ging die deutsche Öffentlichkeit davon aus, dass Sie bei der EM ihren internationalen Durchbruch schaffen würden. Ist es für Sie angenehm, dass sie aktuell nicht mit Erwartungen überfrachtet werden wie vor zwei Jahren?

Gomez: Die Erwartungen an mich sind sicherlich nicht so hoch, wenngleich ich es gewohnt bin, dass man viel von mir verlangt. Ich will ja selbst gut spielen und das auf dem Platz umsetzen, was ich im Training schon wieder gezeigt habe. Der Trainer hat bei Miro Klose gezeigt, dass er einem Spieler auch über einen längeren Zeitraum vertraut. Auch ich werde ihn nicht enttäuschen, wenn meine Chance kommt.

Sport1: Am Freitag geht es nun gegen Serbien. Wie sehen Sie die Ausgangslage?

Gomez: Ich glaube, dass wir gut gerüstet sind. Serbien wird aber ein anderes Kaliber als Australien. Die Serben werden definitiv besser verteidigen. Und nach vorne werden sie ihre Chance suchen. Schließlich müssen sie gewinnen, sonst sind sie weg. Es wird sicher schwieriger für uns als der Auftakt.

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