vergrößernverkleinern
Thomas Müller erzielte in 34 Bundesligaspielen für Bayern 13 Tore © getty

Thomas Müllers kometenhafter Aufstieg geht bei der WM weiter. Nicht nur Stürmeridol Gerd Müller ist ein großer Fan des Angreifers

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Centurion - Thomas Müller "ist ein ganz braver Junge". Sagt Gerd Müller.

Es ist sein wohltuender Mix aus Bodenständigkeit und sportlicher Qualität, der den Münchner Aufsteiger nicht nur beim "Bomber der Nation" so beliebt macht.

"Thomas Müller ist mein Stürmer Nummer eins", meint das mit 68 Toren in 62 Länderspielen unübertroffene deutsche Torjägeridol. "Er kann es mit dem Kopf, er schießt mit links wie mit rechts und auch mal aus 20 Metern."

Nicht ganz so weit war Thomas Müller am Sonntag vom australischen Tor entfernt, als er in der 68. Minute abstoppte, einen Haken um Verteidiger Scott Chipperfield schlug und den Ball mit dem rechten Fuß flach links unten zum 3:0 im Netz der "Socceroos" versenkte.

Wie Gerd Müller 1974

Es war ein Treffer, der Erinnerungen weckte. "In der Wiederholung hab' ich's mir auch gedacht! Wie Gerd Müller im WM-Endspiel 1974 gegen Holland", sagte Müller junior schmunzelnd.

Dass er zudem in Südafrika die Trikotnummer 13 trägt, die auch bei Gerd Müller 1974 auf dem Trikot prangte, verstärkte den Eindruck des Deja-vu.(Der WM-Spielplan)

Thomas Müller war erst kurzfristig in die erste Elf gerückt. Beim Mittagessen hatte er erfahren, dass er statt Piotr Trochowski auf dem Rasen des Moses-Mabhida-Stadions stehen würde.

Unterwegs "in den Rücken der Abwehr"

"Müller geht mehr in den Rücken der Abwehr, er hat den direkten Zug zum Tor", begründete Bundestrainer Joachim Löw seine Wahl.

Müller bestätigte ihn in Durban in beeindruckender Manier.

Seine präzise Vorlage für Lukas Podolskis 1:0 (8.) und sein erster Länderspieltreffer, dem er per Kusshand einen Gruß an seine Frau Lisa folgen ließ, sorgten dafür, dass die Fußball-Welt mit dem Namen Müller nun wieder Torgefahr aus Deutschland verbindet.

[image id="9d749ab1-65bd-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Der Typ Schleicher

Und zwar eine der Sorte, die sich ganz schwer greifen lässt. Denn Thomas Müller ist der Typ Schleicher, der im Spiel auch mal abtaucht, um dann plötzlich im Brennpunkt des Geschehens wieder präsent zu sein. (Die WM-Kader im Überblick).

"Das ist eine Mischung aus Instinkt und Verstand", erklärte er der "Frankfurter Rundschau" sein Lauern auf die Torchance.

"Du hoffst, dass der Ball da hinkommt oder rechnest damit, weil es logisch ist, dass der Ball da hin muss. Das habe ich in mir drin."

Was er anstellt, wenn er die Kugel erst einmal hat, ist technisch hoch anspruchsvoll, obwohl es bei diesem langbeinigen und sehnigen 20-Jährigen immer etwas eckig aussieht. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Einzigartige Spielweise

"Einen Spieler zu finden, der ähnlich komisch spielt wie ich, ist schwierig", sagt er. "Schon in der A-Jugend hat mal ein Mitspieler zu mir gesagt: Du spielst dein eigenes Spiel. Dagegen habe ich mich nie gewehrt. Ich muss ja auch Methoden finden, um erfolgreich zu sein."

Die hat er ganz offensichtlich gefunden. Die Tatsache, dass er sie nun im Fokus der Weltöffentlichkeit anwendet statt wie noch 2009 in der Dritten Liga, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen.

"Bei Müller wundere ich mich immer wieder, mit welcher Frechheit und Lockerheit er spielt", gibt Bundestrainer Löw zu.

"Es unterscheidet ihn von den anderen Stürmern, dass er nicht nur in der Spitze, sondern auch über außen spielen kann. Er ist ein Allrounder. Es ist ein Geschenk, wenn du so einen Spieler hast", sagt der frühere Teamchef Rudi Völler.

Nervosität? Nicht im Geringsten

Der Münchner selbst sieht es pragmatisch. Ob er nicht nervös gewesen sei vor 60.000 Zuschauern in Durban, wurde er gefragt.

"Wissen Sie, ich habe gerade erst das Champions-League-Finale in Madrid vor 80 000 Zuschauern gespielt", lautete die Antwort. "So schnell bringt mich jetzt nichts mehr aus der Ruhe."

Auch nicht der Umstand, dass er sich nach nur drei Länderspielen schon als festen Bestandteil des DFB-Ensembles fühlen darf.

"Ich kämpfe nicht um meinen Platz", sagt er. "Ich spiele gut, damit die Mannschaft erfolgreich ist. Wenn es dann so funktioniert wie gegen Australien, gibt es keinen Grund, mich runterzunehmen."

Das darf man so stehen lassen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel