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Lothar Matthäus (m.) duellierte sich bei der WM 1998 noch selbst mit Dejan Stankovic (r.) © getty

Der deutsche Gegner stapelt tief. Lothar Matthäus warnt im Gespräch mit SPORT1 dennoch vor einem unberechenbaren Team.

Von Mathias Frohnapfel

München - An seine Zeit in Belgrad denkt Lothar Matthäus gern zurück. Der Rekordnationalspieler holte 2003 mit Partizan den Meistertitel und schaffte mit dem Klub die Qualifikation zur Champions League.

In Serbien lernte Matthäus nicht nur die Landesmentalität, sondern auch die Merkmale des dortigen Fußballs kennen.

Der serbischen Nationalmannschaft traut er trotz der WM-Auftaktniederlage gegen Ghana (0:1) noch einiges zu (Der WM-Spielplan).

Im Gespräch mit SPORT1 warnt er die DFB-Elf insbesondere vor der "Schlitzohrigkeit der Serben".

Zu dieser Cleverness könnte passen, wie sehr die Fußballer vom Balkan sich aktuell bemühen, Deutschland vorm Spiel am Freitag (ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) zum großen Favoriten zu erklären.

"Die Deutschen schlagen gnadenlos zu"

"Wir müssen auf Sieg spielen, und das gibt den Deutschen Platz. Und wenn sie Platz haben, schlagen sie gnadenlos zu. Das hat Australien zu spüren bekommen", sagt Zdravko Kuzmanovic.

Der Stuttgarter hat durch sein Handspiel, das Ghana den entscheidenden Elfmeter bescherte, sein Team in eine heikle Lage gebracht.

Die Serben geben sich aktuell äußerst kleinlaut. "Niemand spricht mehr vom Achtelfinale", sagt etwa Verbandspräsident Tomislav Karadzic.

"Sie sind wie Roboter"

Die Ehrfurcht vor dem DFB-Team nimmt scheinbar schon Züge der Verehrung an. Milovan Jovanovic von Standard Lüttich attestiert der Truppe von Joachim Löw "den besten Eindruck. Die Deutschen sind wie Maschinen, wie Roboter."

Und Trainer Radomir Antic klingt ebenfalls wie von der DFB-Werbeagentur gebucht: "Unser Gegner ist die Mannschaft, die bisher das beste Spiel der WM abgeliefert hat."

Doch ist das alles nur ein großer Bluff?

Lothar Matthäus jedenfalls kennt die Qualität der Serben: "Sie haben gute Einzelspieler und mit Antic einen Trainer, der die Einzelspieler zu einem Team geformt hat."

SPORT1 benennt Stärken und Schwächen des serbischen Teams.

Die Stärken:

Zwar agierte das Team gegen Ghana teilweise zu statisch, unterschätzen darf Bundestrainer Joachim Löw die Serben aber keineswegs.

"Sie haben eine hervorragende Qualifikation gespielt und dabei Frankreich souverän hinter sich gelassen", erinnert Matthäus.

"Viele Spieler sind bei europäischen Topklubs aktiv."

Als Beispiel nennt Matthäus, der bei der WM 1990 gegen Jugoslawien eines der stärksten Spiele seiner Karriere machte, Dejan Stankovic.

Der Routinier, gegen den Matthäus bei der WM 1998 noch selbst spielte, räumte in dieser Saison mit Inter das Triple ab. Matthäus bezeichnet ihn als "Leader dieser Generation".

Die Schwächen:

Serbien fehlte im Auftaktspiel gegen Ghana die Effektivität vorm Tor, auch die Abwehr stand nicht immer sicher (Die WM-Kader im Überblick).

In den Tests zuvor gab es unter anderem eine 0:1-Niederlage gegen Neuseeland und ein 0:0 gegen Polen.

Matthäus sagte dazu: "Ich würde das nicht überbewerten."

Der Schlüssel für den Erfolg Serbiens bei der WM, ist aus Sicht des früheren Weltstars die Frage, ob die Truppe als Einheit auftreten kann.

"Wenn es dem Trainer gelingt, die Mannschaft so zu präsentieren wie in der Qualifikation, dann sind sie ein sehr ernstzunehmender Gegner." (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Pantelic: "Es wird sehr schwer"

Serbiens Stürmer Marko Pantelic weiß aber: "Die Ausgangsposition ist nicht gut für uns. Wir müssen schauen, was wir machen können. Aber es wird sehr schwer."

Aus Sicht des Ex-Herthaners ist Deutschland "in Top-Form".

"Deutschland war die einzige Mannschaft, die in ihrem ersten WM-Spiel sehr gut gespielt hat."

Dennoch will Pantelic keinesfalls aufgeben: "Wir haben nichts zu verlieren. Wir hoffen weiter auf die nächste Runde, werden alles dafür tun und uns gut vorbereiten."

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