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Michael Ballack (l.) schoss in 98 Länderspielen für Deutschland 42 Tore © getty

Nach der Australien-Gala ist die Debatte, ob das DFB-Team den Kapitän noch braucht, voll entbrannt. Löw bezieht klar Position.

Von Martin Hoffmann

München - Der ehemalige DFB-Teamchef Rudi Völler prägte einst einen lange unverrückbaren Glaubenssatz:

Der deutschen Nationalmannschaft dürfe alles passieren, außer einer Verletzung von Michael Ballack.

Dieser Fall ist nun bekanntlich eingetreten. Ein Aufsehen erregender WM-Auftakt gegen Australien gelang dem deutschen Team dennoch.

Und es brauchte nur das eine erfolgreiche Turnierspiel, um die Debatte loszutreten, ob die Völler-Doktrin noch gilt.

Fans und Fachwelt fragen sich: Braucht die Nationalmannschaft Ballack überhaupt noch? 29125(DIASHOW: Ballacks Karriere)

Sie tut es nicht, glauben einige prominente Akteure aus anderen Nationen.

"Deutschland ist nun besser"

Es sei womöglich "ein Vorteil, dass Michael Ballack nicht dabei ist", meint etwa der niederländische Regisseur Wesley Sneijder:

"Deutschland ist nun besser, es ist mehr Schnelligkeit im Spiel." (Der WM-Spielplan)

Auch sein Teamkollege Arjen Robben kommt in der "Sport Bild" zum Schluss, Deutschland sei "nicht von Michael Ballack abhängig".

Und Mark van Bommel meint, er traue Deutschland nicht trotz Ballacks Verletzung viel zu, sondern "sogar gerade weil Ballack verletzt ist".

Löw: "Frage stellt sich nicht"

Bundestrainer Joachim Löw sieht sich da schon gezwungen, dazwischen zu fahren.

"Nein, das glaube ich nicht", antwortet er in der "Bild" auf die Frage, ob Ballacks Ausfall der Mannschaft gut getan habe. Auch die Frage, ob er ihn noch brauche "stellt sich nicht".

Es stimme zwar, dass die Mannschaft die Verletzung "ziemlich gut verarbeitet habe".

Aber: "Michael ist ein Spieler, der oft im Verlauf eines Turniers wichtige Akzente gesetzt und Spiele gegen große Mannschaften entschieden hat."

DFB-Coach sieht auch positive Seiten

Nun war auch nicht zu erwarten, dass Löw seinem verletzten Anführer bei erster Gelegenheit für überflüssig erklärt.

Die positiven Seiten von Ballacks Abwesenheit lässt er jedoch auch nicht unerwähnt: "

Ich wusste, dass ein Bastian Schweinsteiger jetzt mehr Verantwortung übernimmt. Und es ist wirklich gut, wie sich Khedira entwickelt." (Die WM-Kader im Überblick)

Der Bundestrainer kommt dann aber doch zum Schluss: "Michael wäre mit seiner Präsenz und Erfahrung sehr wichtig gewesen."

Ballack aus Urlaub zurück

Ballack selbst zeigt sich in seiner WM-Kolumne bei der englischen "Times" erfreut darüber, wie gut das Team bislang ohne ihn auskommt.

Der Sieg gegen Australien hat seine Erwartungen übertroffen: "Das Ergebnis hat mich schon ein wenig überrascht. Nicht allerdings, wie sich die Mannschaft präsentiert hat. Mir war klar, dass sie bereit sind und einen guten Start hinlegen würden."

Besonders die Leistung von Mesut Özil hat es Ballack angetan: "In ihm haben wir die Nummer 10 gefunden, die uns jahrelang gefehlt hat. Er zeigt der Welt jetzt, wieviel Talent in ihm steckt."

SMS an Löw

Ballacks Beitrag zum Sieg war eine SMS, mit der er Löw von seinem Miami-Urlaub aus vor dem Anpfiff viel Glück wünschte.

Nach dem Ende der Reise flog der Kapitän dann nach München, um sich den Gips am Fuß entfernen und einen Geh-Gips anlegen zu lassen.

Womöglich kommt er noch für einen Besuch als moralische Unterstützung zum deutschen Team (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Kein Statement zu Löws Zukunft

Das größte Rätsel beim DFB-Team bleibt derweil weiter ungelöst: Löw gibt weiterhin keine Hinweise, wie es für ihn nach dem Turnier weitergeht.

Der Frage, ob er aufhöre, weicht der Bundestrainer aus.

Die Charme-Offensive von DFB-Präsident Theo Zwanziger wisse er zwar "sehr zu schätzen", es bleibt aber bei der Haltung, "dass die Verhandlungen erst nach der WM fortgesetzt werden".

Eine Meinungsänderung während des Turniers schloss Löw aus: Eine Unterschrift vor WM-Ende bezeichnet er als "undenkbar, selbst wenn wir ins Finale kommen".

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