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Philipp Lahm (r.) könnte die Rolle von Bastian Schweinsteiger übernehmen © getty

Weil der Bayer erneut nicht trainieren kann, sind gegen Serbien mehrere Umstellungen denkbar. Auch mit Lahm.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Centurion - Die Meldung wurde am Dienstag eher mit einem Schulterzucken registriert.

"Bastian Schweinsteiger nimmt aufgrund eines beginnenden Infekts der oberen Atemwege nicht am Mannschaftstraining teil", hieß es.

Nicht weiter schlimm, lautete der Subtext unter dieser Nachricht.

Doch am Mittwoch war der "emotionale Leader" von Bundestrainer Joachim Löw erneut nicht auf dem Trainingsplatz des Super Stadiums von Atteridgeville aktiv.

"Individuelles Anschwitzen im Hotel"

"Bei Basti ist es schon wieder etwas besser. Er macht im Hotel ein individuelles Anschwitzen", erklärte Hansi Flick.

Der Assistenztrainer ergänzte: "Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, damit er am Donnerstag das Abschlusstraining mitmachen kann. Wir gehen fest davon aus, dass er am Freitag spielen kann."

Das kann man glauben, darf es aber auch hinterfragen. Denn wenn Schweinsteiger aktuell nicht wirklich ein gesundheitliches Problem hätte, würde er mittrainieren.

Nur leichtes Halskratzen?

Dass er bei einem nur ein geringfügigen Halskratzen auf das Training vor dem wichtigen zweiten Gruppenspiel gegen Serbien (Fr., ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) verzichtet, ist unwahrscheinlich.

Bei verschiedenen medizinischen Ratgebern ist nachzulesen, dass sich Infekte der oberen Atemwege über mehrere Tage entwickeln und meist nach etwa ein bis zwei Wochen verschwunden sind, sofern keine Komplikationen auftreten.

Schweinsteiger leidet offiziell aber an einem "beginnenden Infekt".

Neun Tage als Faustregel

Der Genesungsprozess wird sich also noch ein wenig hinziehen. Zumal die trockene Luft und die Kälte in der südafrikanischen Provinz Gauteng ihn nicht beschleunigen wird.

Insofern muss die Überlegung erlaubt sein, was die sportliche Leitung macht, wenn Schweinsteiger wider Erwarten nicht zur Verfügung steht.

Flick hat dieses Szenario zwar öffentlich ausgeschlossen, intern wird er sich gemeinsam mit Joachim Löw aber Gedanken über eine Lösung für den Fall X machen.

Vertrauen in potenzielle Nachrücker

"Ich denke nicht, dass große Änderungen für das Serbien vorgesehen sind", erklärt Flick.

"Aber alle Spieler, die wir hier im Kader jetzt haben, haben unser Vertrauen. Wenn irgendwas wäre, sind sie jederzeit in der Lage auch zu spielen."

Das Trainerteam sehe "auch immer die Trainingsleistungen. Und im Moment ist eine sehr große Leistungsdichte im Team".

Das ist gut so, denn auf den ersten Blick sind die Alternativen auf der Sechser-Position nach den Ausfällen von Michael Ballack, Simon Rolfes, Christian Träsch und Heiko Westermann sowie der Nichtnominierung von Thomas Hitzlsperger und Torsten Frings rar.

Kroos kennt Zusammenspiel mit Khedira

Beste Chancen, neben Sami Khedira die Mittelfeldzentrale dicht zu machen, wenn Schweinsteiger passen muss, hat wohl Toni Kroos.

Der technisch überragende Bayern-Rückkehrer hat schon beim 3:0 gegen Malta zu Beginn der Vorbereitung gemeinsam mit dem Stuttgarter in der Spielfeldmitte agiert.

Beim 3:0 in Ungarn, ebenfalls noch ohne Schweinsteiger, ließ der 20-Jährige sich immer wieder auf die Sechs zurückfallen. (GAMES: das WM-Tippspiel)

"Gewohnt, über links zu kommen"

"Von Bayer Leverkusen bin ich es zwar gewohnt, über die linke Seite zu kommen", sagt Kroos. "Aber wenn man in der Nationalmannschaft einen Platz haben kann, sollte es egal sein, auf welcher Position."

Dennis Aogo sprang in Ungarn nach der Pause für Khedira ein.

"Ich weiß, dass ich diese Position spielen kann. Und wenn ich dort gebraucht werde, dann werde ich natürlich zur Verfügung stehen", erklärte der Hamburger, dessen Paraderolle als Linksverteidiger aktuell an Holger Badstuber vergeben ist.

Aogo: "Ich kann das spielen"

"Ich habe jahrelang dort gespielt, erstens in der Jugend, dann auch international mit der U 21. Im letzten Jahr habe ich mit dem HSV im Uefa-Cup gegen Manchester City in beiden Spielen im Mittelfeld gespielt. Ich denke, dass das auch ein hohes internationales Niveau war."

Immer im Hinterkopf dürften Löw und Flick aber auch die dritte und spektakulärste Variante haben.

Seit seinem überragenden Spiel im defensiven Mittelfeld beim 2:1 in England am 22. August 2007 wissen die deutschen Trainer, dass Philipp Lahm diese Position hervorragend beherrscht.

Lahm als spektakuläre Lösung?

"Bei dieser WM braucht mich niemand im Mittelfeld zu erwarten", hatte der Kapitän zwar im Vorfeld der Titelkämpfe in Südafrika erklärt.

Fast im gleichen Atemzug kam aber der Nachsatz, er werde dort spielen, wo er "der Mannschaft am meisten helfen kann".

Ist Schweinsteiger am Freitag tatsächlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, wäre der Wechsel Lahms in die Mitte verbunden mit dem Startelfplatz von Jerome Boateng rechts hinten eine Knallermeldung.

Sie würde ganz bestimmt nicht nur mit einem Schulterzucken registriert.

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