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Dragoslav Stepanovic (l.) übernahm 1991 das Traineramt bei Eintracht Frankfurt © getty

Im SPORT1-Interview spricht der ehemalige Bundesliga-Trainer Dragoslav Stepanovic über die Chancen der Serben gegen Deutschland.

Von Christian Paschwitz

München - "Lebbe geht weider".

Das Motto von Dragoslav Stepanovic passt zu jeder Situation. Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie?

Serbien steht im zweiten Gruppenspiel gegen Deutschland (Fr., ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) unter Druck 250696(DIASHOW: Duelle gegen Jugoslawien).

Nach der Auftakt-Niederlage gegen Ghana fürchten die "Weißen Adler" angesichts zahlreicher Probleme die Bruchlandung.

Das 0:1 hat die Euphorie vertrieben, an ihre Stelle ist bange Erwartung getreten.

Stepanovic sieht Schwachstelle

"Für uns geht es jetzt um alles, wenn wir verlieren, sind wir weg. Das wird ein Endspiel für uns", sagt beispielsweise der Stuttgarter Zdravko Kuzmanovic.

Er hatte Serbien mit seinem Handspiel gegen Ghana erst in die missliche Lage gebracht.

Deutschland schwebt nach dem furiosen 4:0 gegen Australien dagegen auf Wolke sieben - die Akteure mit dem Adler auf der Brust sind die Überflieger des ersten Spieltages bei der WM in Südafrika.

Das bestätigt auch Dragoslav Stepanovic. Der serbische Trainer, der in der Bundesliga unter anderem für Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen tätig war, ist voll des Lobes für die Mannschaft von Joachim Löw.

Im SPORT1-Interview lotet der 61-Jährige die Chancen der Serben aus und weist dabei sogar auf eine Schwachstelle im DFB-Team hin.

SPORT1: Herr Stepanovic, wie blickt Serbien dem Spiel entgegen?

Dragoslav Stepanovic: Die Stimmung ist geteilt. Die Spieler, die in Deutschland spielen, glauben, dass Sie ein Unentschieden erreichen oder vielleicht sogar gewinnen können. Die Zuschauer sind dagegen sehr pessimistisch. Das Spiel gegen Ghana ist noch nicht ganz verdaut.

SPORT1: Wie groß ist der Respekt vor Deutschland?

Stepanovic: Sehr groß - auch bei mir. Gegen Australien habe ich europäische Brasilianer gesehen. Wie die den Ball gespielt haben und ihre Tore herausgespielt haben, das war technisch schon sehr stark.

SPORT1: Trauen Sie Serbien dennoch eine Trendwende zu?

Stepanovic: Warum nicht? Deutschland wurde in Hamburg gegen Finnland noch ausgepfiffen, jetzt spielen sie eine gute Rolle. Wenn man das richtige taktische Mittel wählt, so wie die Schweiz gegen Spanien, kann ein Wunder geschehen. Zudem ist die Angst vor der Niederlage der größte Motivator. Der psychologische Aspekt wird wichtig sein.

SPORT1: Könnte eine offensive Ausrichtung die Deutschen überraschen?

Stepanovic: Wenn wir sie nicht angreifen, dann werden sie wie gegen Australien in unserer Hälfte wühlen wie sie wollen. Zu Agieren, anstatt zu reagieren, ist unsere einzige Chance.

SPORT1: Hat Serbien ausreichend Qualität?

Stepanovic: Das ist genau die Frage. Wir brauchen Leute, die in die Lücken beziehungsweise in die Tiefe gehen, um die Abwehr auseinanderzunehmen. Aber wenn wir mit Zigic und dahinter Pantelic spielen, glaube ich nicht, dass uns das gelingt.(GAMES: Das WM-Tippspiel)

SPORT1: Worauf kommt es für Ihre Landsleute in der Defensive an, sollte Thomas Müller einen Sonderbewacher bekommen?

Stepanovic: Nein, weil alle gefährlich sind. Auffällig ist, dass gerade die Bayern-Spieler das schnelle Kurzpassspiel verinnerlicht haben, das ihnen Louis van Gaal beigebracht hat. Davon profitiert das ganze Team. Und der Erfolg des Teams ist somit auch ein großer Verdienst von van Gaal.

SPORT1: Wer aus der deutschen Elf hat Sie am meisten beeindruckt?

Stepanovic: Am gefährlichsten ist der Sturm mit Özil dahinter. Und Khedira war in dem einen Spiel gegen Australien so gefährlich wie Ballack in zwei. Dass Khedira durch dessen unglückliche Verletzung die Chance bekommen hat, ist wunderbar.

SPORT1: Wo sehen Sie die Schwachstellen im deutschen Team?

Stepanovic: Gegen Australien hat Deutschland außer der frühen Chance nichts zugelassen. Was ich sehe ist, dass Mertesacker und Friedrich noch nicht eingespielt sind, das ist das einzige, was auffällt. Das könnte vielleicht eine Chance sein.

SPORT1: Auf wen kommt es dabei besonders an? 250592(DIASHOW: Tops und Flops der WM)

Stepanovic: Die ganze Mannschaft ist gefordert. Ich hoffe, dass die, die Bundesliga-Erfahrung haben, jetzt Deutschland zeigen, wie gut sie sind. Jovanovic und Krasic haben gegen Ghana nicht das gezeigt, was sie in ihren Vereinen in der letzten Saison geleistet haben. Ich gehe davon aus, dass einer von beiden für viel Unruhe im deutschen Team sorgt.

SPORT1: Voraussichtlich rückt Subotic für den gesperrten Lukovic ins Team. Trauen Sie ihm eine solide Leistung zu?

Stepanovic: Schon. Aber er ist ein junger Spieler und ich weiß nicht, ob er mental fit genug ist, in dieser Situation diese Aufgabe zu übernehmen. Aber er trifft auf "alte Bekannte" aus der Bundesliga. Und im Verein kann er schließlich auch gegen sie bestehen.

SPORT1: Kuzmanovic hat nach seinem Fauxpas gegen Ghana etwas gutzumachen...

Stepanovic: Die Spieler und die Zuschauer haben ihm verziehen. Ob er aus dieser Sache ohne Schaden rauskommt, muss sich erst noch zeigen. Aber im Fußball musst du solche Fehler schnell vergessen, denn es kommen schon die nächsten Aufgaben auf dich zu.

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