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Die deutschen Spieler jubeln über den 4:0-Sieg gegen Australien © getty

Die deutsche Nationalmannschaft geht voller Selbstvertrauen in ihr zweites WM-Spiel gegen Serbien. Doch Vorsicht ist geboten.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Port Elizabeth - Die Erinnerung ist noch frisch.

Nach einem ungefährdeten 2:0-Erfolg zum Auftakt gegen Polen traf die deutsche Nationalmannschaft bei der EM 2008 im zweiten Gruppenspiel auf Kroatien.

Die Brust war breit, doch das Spiel in Klagenfurt brachte eine unverhoffte Ernüchterung. Ein 1:2 versetzte die Fußballnation vor dem letzten Gruppenspiel gegen Österreich in Angst vor einem zweiten Cordoba.

Nach dem 4:0 gegen Australien könnte auch bei dieser WM das Selbstvertrauen der deutschen Auswahl vor dem zweiten Spiel kaum größer sein.

Ganz andere Voraussetzungen

Und wieder geht es gegen eine technisch starke Mannschaft aus dem ehemaligen Jugoslawien. "Natürlich lässt man die Erfahrungen und Erkenntnisse von damals mit einfließen", sagt Assistenztrainer Hansi Flick. "Aber wir haben eine ganz andere Mannschaft jetzt."

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In der Tat werden von der Klagenfurter Startelf in Port Elizabeth nur noch Philipp Lahm, Per Mertesacker, Lukas Podolski und Miroslav Klose gegen Serbien (Fr., ab 13 Uhr im LIVE-TICKER) auf dem Platz stehen.

Und die aufstrebende deutsche Mannschaft weiß ganz genau, was sie auf dem von schweren Regenfällen angegriffenen Rasen des Nelson-Mandela-Bay-Stadions erwartet.

Flick hat Respekt

"Die Serben sind eine starke Mannschaft aus Spielern, die bei internationalen Top-Klubs spielen. Das ist schon ein anderes Kaliber als Australien", urteilt Flick ungeachtet der serbischen 0:1-Niederlage gegen Ghana.(GAMES: das WM-Tippspiel)

"In der Abwehr haben sie sehr gestandene Spieler mit Nemanja Vidic oder Branislav Ivanovic, die bei ManUnited oder Chelsea Top-Leistungen bringen. Wir werden auf eine sehr gute Defensive treffen."

Es sei auch bekannt, dass das technisch starke Mittelfeld mit Dejan Stankovic von Champions-League-Sieger Inter Mailand und Nenad Milijas die Bälle schnell nach außen gibt.

Flügelzange Krasic und Jovanovic

Dort sorgen Milos Krasic von ZSKA Moskau und Milan Jovanovic, der in diesem Sommer von Standard Lüttich zum FC Liverpool wechselt, für Wirbel.

"Sie werden vorwiegend über Jovanovic über die linke Seite kommen", erwartet Flick. In der Sturmmitte lauern Marko Pantelic und 2,02-Meter-Funkturm Nikola Zigic auf Zuspiele.

"Marko ist unglaublich schlitzohrig. Bei ihm weiß man nie genau, wann er schießt", sagte dessen ehemaliger Berliner Mannschaftskamerad Arne Friedrich im SPORT1-Interview.

"Er hat eine Bewegung drauf, bei der er direkt abzieht, statt den Schritt zu Ende zu machen. Das lässt sich nicht vorhersehen, deshalb ist er schwer zu verteidigen."

Zigic bringt weitere Option

Zigic bereichert das serbische Offensivspiel um die Option Brechstange. "Unsere Innenverteidiger haben gegen Australien alle Kopfballduelle gewonnen, und mit Per Mertesacker haben wir jemanden, der ähnlich groß ist", macht sich Flick wenig Sorgen.

Friedrich findet, dass man Spieler wie Zigic "ein Rezept haben muss". "Es ist nicht immer nötig, aktiv die Kopfbälle zu gewinnen. Wenn ich nach einem langen Ball zum Kopfballduell vorgehe, schließen Per Mertesacker und die beiden Außenverteidiger die Räume", erläutert er.

"Da ich den Stürmer störe, kann er den Ball nicht kontrolliert verlängern. Es ist es daher unwahrscheinlich, dass ein Mitspieler im engen Raum gegen Per, Philipp Lahm und Holger Badstuber in Ballbesitz kommt."

Mittelfeld darf nicht abschalten

Legt Zigic den Ball auf nachrückende Mitspieler ab, sei das defensive Mittelfeld gefordert. "Es kann sein, dass das ein Spiel der zweiten Bälle wird", vermutet Sami Khedira.

"Die Serben werden zwar versuchen, auch ein Kurzpassspiel zu pflegen. Aber es ist ganz legal, den langen Ball zu spielen, wenn man so einen großen Stürmer hat. Da ist es enorm wichtig, sich selbst die zweiten Bälle zu holen."

Für die Mittelfeldzentrale sei erhöhte Aufmerksamkeit vonnöten: "Wir müssen schauen, dass wir nachrücken und nicht bei dem langen Ball schon abschalten."

Schlafmützigkeit, das weiß man spätestens seit 2008, kann gegen ein Team vom Balkan ganz schnell zu einem bösen Erwachen führen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, Badstuber (Jansen) - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil, Podolski ? Klose (Cacau)

Serbien: Stojkovic - Ivanovic, Vidic, Subotic, Kolarov - Stankovic, Milijas - Krasic, Jovanovic - Pantelic, Zigic

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