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Alle Mann zu spät: Milan Jovanovic (r.) trifft zum 1:0 für Serbien © getty

Schwerer Rückschlag für das DFB-Team: Nach einer enttäuschenden Leistung unterliegt das DFB-Team in Unterzahl gegen Serbien.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Port Elizabeth - Eine frühe gelb-rote Karte, ein verschossener Elfmeter und ein abgezockter Gegner:

Die deutsche Nationalmannschaft muss nach einer 0:1 (0:1)-Niederlage gegen Serbien am zweiten Spieltag der Gruppe B um den Einzug ins WM-Achtelfinale bangen.

Ein sehr harter Platzverweis gegen Miroslav Klose (37.) brachte die DFB-Auswahl in Port Elizabeth früh in Nöte. Milan Jovanovic nutzte die Verwirrung zum 0:1 (38.).

Den möglichen Ausgleich vergab Lukas Podolski, der mit einem Strafstoß am serbischen Schlussmann Vladimir Stojkovic scheiterte (60.).

Erste Vorrundenpleite seit 1986

Für die deutsche Mannschaft war es die erste Niederlage in einem WM-Gruppenspiel seit dem Turnier in Mexiko 1986.

Damals unterlag das DFB-Team Dänemark 0:2, hatte im Gegensatz zu 2010 aber schon das Achtelfinale erreicht.

Am letzten Gruppenspieltag steht die deutsche Elf nun gegen Ghana unter Erfolgsdruck, will sie nicht die vorzeitige Heimreise antreten. (Der WM-Spielplan)

"Wir waren nicht so dominant"

"In der ersten Halbzeit hatten wir Schwierigkeiten, ins Spiel zu finden. Wir waren nicht so dominant, wie wir es uns vorgenommen hatten", analysierte Bundestrainer Joachim Löw die Partie.

Nach dem Platzverweis habe seine Mannschaft alles gegeben, ergänzte er: "Wir haben in Unterzahl viele Chancen rausgespielt. Leider haben wir sie nicht genutzt."

Serbiens Trainer Radomir Antic, der Löw taktisch auskonterte, war erwartungsgemäß hochzufrieden. "Ich bin froh, dass wir es geschafft haben."stellte er freudestrahlend fest:

"In der zweiten Halbzeit haben wir das Ergebnis verwaltet. Da waren wir sehr defensiv ausgerichtet. Wir wollten eigentlich mehr nach vorne machen, aber der Druck war sehr stark.

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Gleiche Startelf wie gegen Australien

Vor 35.000 Zuschauern im Nelson-Mandela-Bay-Stadion hatte Löw auf die gleiche Mannschaft gesetzt, die zum Auftakt Australien mit 4:0 bezwungen hatte.

Löws Gegenüber Antic dagegen stellte nach der 0:1-Niederlage gegen Ghana um. Statt eines 4-4-2, das den Australiern gegen Deutschland zum Verhängnis geworden war, stellte er auf ein 4-2-3-1 um und spiegelte damit das System der DFB-Elf.

Der Stuttgarter Zdravko Kuzmanovic rückte als zusätzlicher Mittelfeldmann für den Ex-Berliner Marko Pantelic in die erste Elf.

Drei Neue bei Serbien

Milos Ninkovic ersetzte Nenad Milijas im defensiven Mittelfeld. Neven Subotic von Borussia Dortmund agierte für den gelb-rot-gesperrten Aleksandar Lukovic in der Innenverteidigung.

Mit der neuen taktischen Marschroute lag Antic goldrichtig.

Das Fünfer-Mittelfeld seiner Mannschaft unterband steile Zuspiele auf die vier deutschen Offensivspieler Thomas Müller, Mesut Özil, Podolski und Klose.

Die deutsche Mannschaft musste auf der Suche nach Lücken daher in die Breite spielen. Eine verzogener Abschluss von Sami Khediras (3.) und eine Volleyabnahme Podolskis knapp neben das Tor von Stojkovic (7.) stimmten anfangs dennoch hoffnungsfroh.

Badstuber mit riesigen Problemen

Doch die Serben setzten der deutschen Abwehr in der Folge immer wieder über den rechten Flügel zu, wo Holger Badstuber große Probleme hatte und gegen Kuzmanovic sowie Milos Krasic häufig allein dastand.

Nach Flanke von Krasic kam dann auch Ninkovic zu einer unbedrängten Direktabnahme, die allerdings weit über das Tor rauschte (12.).

Die DFB-Elf fing sich zudem früh mehrere Verwarnungen des kleinlichen Schiedsrichter Alberto Undiano ein, von denen eine schon bald Folgen hatte.

Gelb-Rot für Klose

Klose, der nach zwölf Minuten Gelb gesehen hatte, weil er Branislav Ivanovic in die Hacken gelaufen war, versuchte an den Mittellinie Dejan Stankovic von hinten den Ball wegzuspitzeln.

Dabei brachte er den serbischen Kapitän zu Fall. Die Gelb-Rote Karte durch den spanischen Referee war jedoch völlig überzogen (37.), wie auch so manche Gelb-Entscheidung.

"Es war ein sehr bitterer Platzverweis, dann wurde es natürlich schwer mit zehn Mann", sagte DFB-Kapitän Philipp Lahm.

Bastian Schweinsteiger wurde deutlicher: "Wenn es hier in jedem Spiel eine Rote Karte gibt, muss man sich überlegen, ob es überhaupt Sinn macht. Das zerstört den Fußball."

Der Schock war noch nicht verdaut, da folgte der nächste Nackenschlag.

Wieder kam Krasic auf dem rechten Flügel gegen Badstuber zur Flanke durch, Lahm musste ins Kopfballduell gegen den 2,02-Meter-Riesen Niko Zigic.

Jovanovic bringt Serben in Führung

Per Mertesackers Hilfe kam zu spät, verließ dafür aber Jovanovic. Zigic köpfte in die Mitte, wo der frei stehende Jovanovic aus vier Metern zum 0:1 abstaubte (38.).

Die DFB-Elf schüttelte sich und hätte noch vor der Pause ausgleichen können. Doch ein 13-Meter-Schuss von Khedira prallte von der Querlatte zurück ins Feld (45.).

Trotz Unterzahl zeigte sich die deutsche Mannschaft nach dem Seitenwechsel deutlich zielstrebiger. So brachte Schweinsteiger Stojkovic mit einem 20-Meter-Schuss in Verlegenheit (54.).

Podolski verschießt Elfmeter

Nach sehenswerten Zuspielen von Özil verzog Podolski zunächst aus zehn Metern (57.) und dann per Vollspann ans Außennetz (59.).

Der Mut zur verstärkten Offensive mit nur zehn Mann schien belohnt zu werden, als Nemanja Vidic nach einer Hereingabe vom linken Flügel im Strafraum ein unnötiges Handspiel unterlief.

Doch Podolski schoss den fälligen Strafstoß so unplatziert, dass Stojkovic parierte (60.).

"Ich bin eigentlich ein sicherer Schütze. Das muss ich auf meine Kappe nehmen.", kommentierte Podolski seine Fehlleistung.

Die Serben machten es um ein Haar besser. Doch Jovanovics Linksschuss prallte vom linken Pfosten zurück (67.).

Löw wechselt mit Risiko

Löw wechselte doppelt: Für Müller und Özil kamen Cacau und Marko Marin (69.). Doch gefährlich wurden die Serben. Zigic traf nach erneuter Krasic-Flanke per Kopf die Latte (74.).

Der Bundestrainer riskierte nun alles, nahm Linksverteidiger Badstuber für die zweite Spitze Mario Gomez vom Platz (77.).

Doch der gewünschte Erfolg blieb aus. Deutschland ging wie bei der EM 2008 nach dem zweiten Gruppenspiel als Verlierer vom Platz. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

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