vergrößernverkleinern
Die deutsche Mannschaft hat in der Gruppe nach zwei Spielen drei Punkte auf dem Konto © getty

Nach dem Auftaktsieg gegen Australien holen taktisch clevere Serben die DFB-Auswahl in Port Elizabeth unsanft von Wolke sieben.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Port Elizabeth - In die Enttäuschung über den herben Dämpfer nach dem glänzenden Auftakt mischte sich eine gute Portion Wut.

"Was hier passiert ist, habe ich noch nie erlebt", meinte Bastian Schweinsteiger nach der deutschen 0:1 (0:1)-Niederlage im zweiten WM-Gruppenspiel gegen Serbien in Port Elizabeth.

"Wenn man immer zwei Meter vom Gegenspieler wegbleiben muss und nichts machen darf, zerstört das den Fußball. Der Schiedsrichter hat das Spiel stark beeinflusst."

Acht Gelbe Karten hatte der spanische Unparteiische Alberto Undiano in dem Spiel gezogen.

Als Höhepunkt gab es dazu früh Gelb-Rot für Miroslav Klose (37.) ? ein umstrittener Platzverweis, der das Tor des Tages durch Milan Jovanovic unmittelbar nach sich zog (38.).

"So ein Platzverweis haut eine Mannschaft natürlich nach hinten", meinte Kapitän Philipp Lahm.

Bundestrainer Joachim Löw wollte die Schuld für die lange Unterzahl im Nelson-Mandela-Bay-Stadion allerdings nicht allein bei Undiano suchen.

"Klose hätte in der gegnerischen Platzhälfte nicht so reingehen dürfen und vorsichtiger sein müssen", urteilte er über die Szene, bei der der Angreifer versucht hatte, Dejan Stankovic von hinten den Ball wegzuspitzeln.

Klose: "Habe mich nicht doof angestellt"

Zuvor war Klose zu Recht verwarnt worden, weil er Branislav Ivanovic vor dem serbischen Strafraum zu Fall gebracht und einen Konter verhindert hatte (12.). (Der WM-Spielplan)

Der Münchner selbst wehrte sich gegen Löws Sichtweise. "Ich bin nicht übermotiviert gewesen und habe mich nicht doof angestellt", meinte der 32-Jährige.

[image id="316d8166-65bd-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Bei der zweiten Szene habe ich versucht, den Ball zu spielen. Es war kein böses Foul. Der Schiedsrichter hätte mich auch nochmal ermahnen können. Fußball ist ein Kampfsport, dazu gehört nun mal auch Zweikämpfe."

Mertesacker: Schiri nicht alleine schuld

Die Niederlage nur mit der Schiedsrichterleistung zu begründen, war Per Mertesacker allerdings zu billig: "Wir selbst haben doch deutlichste Möglichkeiten nicht reingemacht. Der Schiedsrichter hat sogar einen Elfmeter für uns gepfiffen."

Den besagten Strafstoß, den Serbiens Verteidiger Nemanja Vidic der DFB-Elf mit einem überflüssigen Handspiel beschert hatte, trat Lukas Podolski aber so schwach, dass Serbiens Torhüter Vladimir Stojkovic fast problemlos parierte (60.).

"Normalerweise schießt er scharf flach oder hart und hoch. Der Elfmeter heute war aber nicht gut geschossen", meinte Löw, der die Wahl des Elfmeterschützen den Spielern überlassen hatte.

Erster Elfmeter-Fehlschuss seit 1974

So übernahm Podolski, der unmittelbar zuvor zwei hochkarätige Tormöglichkeiten ausgelassen hatte (57./59.).

"Ich bin eigentlich ein sicherer Schütze", kommentierte der Kölner seinen ersten Fehlschuss vom Punkt im DFB-Dress zerknirscht. "Das Ding muss ich auf meine Kappe nehmen."

Es war der erste verschossene Strafstoß eines deutschen Spielers bei einer WM seit 1974. Damals hatte Uli Hoeneß beim 1:0 gegen Polen in der Zwischenrunde nicht getroffen.

"K.o.-Spiel-Charakter" gegen Ghana

Dass die Serben keineswegs unverdient gewonnen haben, sollte nicht unerwähnt bleiben. Mit einem Fünfer-Mittelfeld gelang es Trainer Radomir Antic, das deutsche Vertikalspiel über weite Strecken der Partie zu unterbinden. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Im Spiel nach vorne penetrierten die Serben immer wieder die linke deutsche Abwehrseite, wo Holger Badstuber gegen den überragenden Milos Krasic kein Land sah.

"Diese Situation wollten wir nicht haben", sagte Löw schon mit Blick auf die Tabelle der Gruppe D vor dem letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen Ghana, dem nun entscheidender Charakter zukommt.

Mertesacker sprach von einem "vorgezogenen Sechzehntelfinale mit K.o-Spiel-Charakter".

"Wir haben es noch in der eigenen Hand, das Achtelfinale zu erreichen", mahnte Löw zur Gelassenheit. "Dass wir jetzt mehr unter Druck sind, ist klar. Aber wir werden die nächste Runde erreichen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel