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Alberto Undiano Mallenco, hier beim WM-Spiel 2010 zwischen Deutschland und Serbien, pfeift den FC Bayern gegen Manchester City
Seit 2000 ist Alberto Undiano (l.) Schiedsrichter in der Primera Division © getty

Nicht nur die Spieler geben dem Referee eine Mitschuld an der Niederlage gegen Serbien. Auch die Schiri-Kollegen teilen aus.

Von Daniel Michel

München - Shizuoka 2002: Es ist die 40. Spielminute im WM-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Kamerun.

Schiedsrichter Antonio Jesus Lopez Nieto zeigt Carsten Ramelow innerhalb von drei Minuten zwei Mal Gelb - und schickt ihn vorzeitig zum Duschen.

Deutschland gewinnt trotzdem 2:0.

Wie vor acht Jahren zieht sich jetzt wieder ein spanischer Schiedsrichter den Unmut der deutschen Fans zu.

Alberto Undiano erreichte zwar nicht den Spitzenwert seines Landsmannes von 16 Karten - doch mit der Gelb-Roten Karte für Miroslav Klose sorgt er für genug Ärger.

"Hilfloser Eindruck"

Die Leistung des Schiedsrichters machte die DFB-Spieler wütend und selbst die Schiri-Kollegen kritisieren Undianos Leistung.

Bundesliga-Referee Knut Kircher kritisierte harsch in den "Stuttgarter Nachrichten":

"Undiano machte einen hilflosen Eindruck. Er war ein Kartenspieler ohne Persönlichkeit." (Einwurf: Harte Landung in der Realität)

"Wer nach 30 Minuten schon sechs Gelbe Karten gezeigt hat, der hat nicht kapiert, dass eine Verwarnung auch Wirkung zeigen muss."

Der Spanier habe "null Körpersprache" in Richtung der Spieler gezeigt, bemängelte Kircher: "Es gab keine Gesten, Blicke, Ermahnungen, letzte Ermahnungen."

"Macht keinen Spaß"

Nationalspieler Bastian Schweinsteiger empfand das ähnlich:

"Das war für mich ein Witz! So etwas zerstört den Fußball! Miro geht zwei Mal zum Ball und fliegt vom Platz. In der Champions League würde man über so eine Entscheidung lachen!."

Und er legt nach: "Aber bei dieser WM gibt's in jedem Spiel eine Rote Karte! So macht es keinen Spaß mehr Fußball zu spielen, wenn man nicht mehr in den Zweikampf darf, ohne gleich Gelb zu sehen."

Im Schnitt vier Karten pro Spiel

In den 23 WM-Spielen bis zum Samstag verteilten die Schiedsrichter bislang 82 Gelbe Karten, vier Mal Gelb-Rot und drei Mal Rot. Das macht rund vier Karten pro Spiel. Eigentlich ein guter Durchschnitt. Nur, dass Undiano zum Leidwesen der Deutschen die Kartenstatistik anführt.

"Ich bin kein Freund von diesen extrem schnell gezogenen Gelben Karten bei diesem Turnier. Ein Wahnsinn!", meinte Oliver Kahn im "ZDF".

Für "jeden Blödsinn" würden die Spieler eine Gelbe Karte erhalten. "Die Gelb-Rote Karte für Klose hat den Serben Aufwind gegeben", stellte Kahn nach dem ernüchternden 0:1 der Nationalmannschaft fest.

Ermahnung hätte ausgereicht

Klose selbst sagte zu seinem Platzverweis: "Ich hätte der Mannschaft gerne geholfen. Ich habe versucht, den Ball zu spielen." Es sei kein böses Foul gewesen.

"Der Schiedsrichter hätte mich auch nochmal ermahnen können, statt Gelb zu zeigen. Fußball ist ein Kampfsport - da gehören Zweikämpfe dazu." 251054(DIASHOW: Die DFB-Elf in der Einzelkritik)

Auch die jungen DFB-Spieler wie Thomas Müller stehen zu Klose. "So etwas habe ich selten erlebt", berichtete er der "tz".

"Dass der Schiedsrichter überall Gelb zieht, selbst bei den kleinsten Fouls. Bei ein, zwei Entscheidungen war es sicher in Ordnung, aber das dann so durchzuziehen und bei jedem Kontakt eine Gelbe Karte zu zeigen: Das ist ja Wahnsinn."

Mangelnde Cleverness?

Hätte sich Klose cleverer Verhalten müssen?

"Der Miro hat zweimal mit nach hinten gearbeitet, natürlich kommt man da auch in Zweikämpfe, bei denen man auch mal einen Schritt zu spät ist", sagt Müller.

(GAMES: Das WM-Tippspiel)

"Es war insgesamt ein faires Spiel ohne Bösartigkeiten", betont Bundestrainer Joachim Löw. "Dafür sind mir neun Gelbe Karten zu viel. Das war ja kein böses Foul von Miro." Trotzdem hätte sein Team etwas vorsichtiger sein müssen.

"Schiedsrichter hat sich unter Zugzwang gebracht"

Auf der Pressekonferenz am Samstag berichtete Löw vom Besuch eines Schiedsrichter-Ausbilders vor dem Turnier. Der habe Spielszenen gezeigt und erklärt, welche Aktion wie bestraft werde. Dennoch gab sich Löw überrascht über die Vielzahl der Gelben Karten.

Der Schiedsrichter habe sich mit seiner Linie unter Zugzwang gebracht, auch wenn manche Fouls bestraft werden mussten.

Löw meinte dazu: "Auch die kleineren Fouls wurden mit Gelb bestraft. Ich denke nicht, dass wir zu elft verloren hätten."

Strigel: "Kleinlich gepfiffen"

Auch der ehemalige DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Strigel schimpfte: "Für mich war das sehr kleinlich gepfiffen. Die Gelben Karten waren ein bisschen übertrieben, die gegen Klose beide überzogen."

Allerdings sprach er auch Klose das nötige Fußspitzengefühl ab: "Wenn ein Schiedsrichter so kleinlich pfeift, muss man wissen, wie kritisch das ist, wenn man im Mittelfeld grätscht."

Dem stimmt Ex-FIFA-Schiedsrichter Urs Meier zu: "Die erste Gelbe Karte gegen Klose war zu hart, aber bei der zweiten hat er als erfahrener Spieler schon spüren müssen, wie der Schiedsrichter reagiert."

Aber er räumt auch ein: "Klose hätte sich im Mittelfeld zurückhalten müssen."

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