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Das Team um Bastian Schweinsteiger (li.) hält zu Badstuber © getty

Löw stellt sich nach der Niederlage gegen Serbien vor den jungen Verteidiger. Badstubers Zeit in der Startelf scheint abzulaufen.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Er hatte böse einstecken müssen.

Holger Badstuber erlebte beim 0:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien einen der unangenehmsten Nachmittage seiner noch jungen Karriere.

Zunächst wurde der Linksverteidiger auf dem Rasen vom starken Milos Krasic diverse Male düpiert, dann streute die Presse mit einer entsprechenden Einzelkritik Salz in die frische Wunde.

"Ich bitte darum, vorsichtig mit ihm umzugehen", mahnte Bundestrainer Joachim Löw die Medien am Tag nach der ersten deutschen WM-Vorrundenniederlage seit 1986 vor einer überharten Beurteilung des 21-Jährigen.

Löw sieht "Kettenreaktion"

"Wir haben in Deutschland nicht allzu viele Talente dieser Art." Dass Badstuber gegen die cleveren Serben aber eine wesentliche Schwachstelle der DFB-Auswahl dargestellt hatte, wollte auch Löw nicht bestreiten:

"Er hatte nicht seinen allerbesten Tag und hat sicher den einen oder anderen Fehler gemacht. Aber er ist ein junger Spieler. Er ist 20 Jahre alt und hat seine erste Saison hervorragend gemeistert."

Beim Gegentor hatte Löw eine "Kettenreaktion" gesehen. "Badstuber hätte da sicher besser stehen können. Aber er alleine ist nicht schuld an dem Gegentor", erklärte er.

Lahm nimmt Schuld von Badstuber

Diese Einschätzung stützte auch Kapitän Philipp Lahm, der nach Krasics Flanke ins Kopfballduell mit Serbiens 2,02-Meter-Riesen Nikola Zigic geschickt wurde.

Ein Mismatch, das Milan Jovanovic im Anschluss an Zigics Kopfballablage zum 0:1 nutzte (38.) (Der WM-Spielplan).

"Holger verliert da zwar einen Zweikampf. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass man als Außenverteidiger nicht jede Flanke verhindern kann", sagte Lahm.

"Das Gegentor war aber nicht Holgers Fehler. Arne Friedrich, Per Mertesacker und ich haben in der Mitte nicht so geordnet gestanden, wie es hätte sein müssen."

"Es gibt keinen Grund für Änderungen"

Dass Löw die Vorstellung Badstubers mit der Maßnahme quittiert, ihn selbst am Mittwoch gegen Ghana wieder auf die linke Seite wechseln zu lassen, glaubt Lahm nicht:

"Es gibt keinen Grund, irgendwas zu ändern. Wir haben gegen die Serben ja in Unterzahl ordentlich dagegengehalten und sie teilweise sogar dominiert."

Beckenbauer sieht Badstuber in Problemen

Franz Beckenbauer plädiert für eine Umstellung der Viererkette: "Holger Badstuber ist ein hervorragener Innenverteidiger", analysiert der "Kaiser".

"Auf der linken Seite hat er jedoch Probleme mit schnellen, quirligen Gegenspielern. Ob Jogi Löw gegen Ghana eine andere Lösung für die linke Seite wählt, ist seine Entscheidung.

Zum verschossenen Elfmeter von Lukas Podolski zieht Beckenbauer einen Vergleich heran: "Lukas wäre besser nicht so egoistisch gewesen und hätte Bastian Schweinsteiger schießen lassen. So wie Lothar Matthäus im WM-Finale 1990 den Ball an Andy Brehme weiterreichte", sagte der zweimalige Weltmeister in der "BILD".

Trotzdem sei Podolskis Mut, selbst anzutreten, nachdem er eine 70-prozentige und eine 100-prozentige Chance vergeben hatte, zu loben.

Löw lobt Badstuber aus dem Team

Während Podolski seinen Platz wohl sicher hat, denkt Löw aber offenbar darüber nach, Badstuber zu ersetzen. Denn auf konkrete Nachfrage, ob er neben der durch die Sperre von Miroslav Klose nötig gewordenen Neubesetzung des Angriffs auf weitere Personalmaßnahmen verzichten werde, wich er aus.

"Wir haben noch drei wichtige Trainingseinheiten. Es ist schwierig zu sagen, wie die Mannschaft gegen Ghana (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) aussehen wird", sagte er. "Die Entscheidung, wer aufläuft, wird wohl erst am Dienstagabend fallen."

Nicht unwahrscheinlich also, dass der Bundestrainer in diesen Einheiten Marcell Jansen genau unter die Lupe nehmen wird. Macht der Hamburger einen guten Eindruck, dürfte er für das letzte Gruppenspiel ernsthaft in Betracht kommen.

Die Alternativen hießen Dennis Aogo oder Jerome Boateng. Die mögliche Pause für Badstuber deutete Löw mit einem Lob für den Münchner an, das verdächtig zukunftsorientiert ausfiel.

"Holger wird eine hervorragende Entwicklung nehmen und in den nächsten Jahren sehr wichtig für Deutschland werden."

Aktuell scheint die Bedeutung des Verteidigers nicht mehr ganz so groß zu sein.

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