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Miro Klose (l.) und Lukas Podolski haben gemeinsam 88 Länderspieltore © getty

Gefeiert nach dem Auftaktsieg, Sündenböcke nach der Niederlage gegen Serbien. Die "Sommermärchenstürmer" stehen in der Kritik.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Port Elizabeth - Fußball-Deutschland hatte aufgeatmet, Joachim Löw alles richtig gemacht.

Der Bundestrainer hatte trotz teils heftiger Kritik an Miroslav Klose und Lukas Podolski festgehalten, obwohl beide eine dürftige Bundesligasaison gespielt hatten. (Der WM-Spielplan)

Und dann traten die Angreifer gegen Australien auf, als hätten sie nie in einer Krise gesteckt.

"Podolski wird bei der WM explodieren?, hatte Löw versprochen und schien Recht zu behalten.

Der überragende Kölner erzielte das 1:0 und legte das dritte Tor vor, Klose wuchtete den Ball wie zu besten Zeiten per Kopf zum 2:0 in die Maschen.

Keine Zweifel bei Klose

"Ich zweifle nicht an mir", sagte der Münchner anschließend. "Es ist meine große Stärke, mich auf den Punkt fit zu machen."

Und Löw erklärte, ihm fehle für die Diskussionen um Podolski im Vorfeld des Turniers "jegliches Verständnis. Beim Confed Cup 2005, der WM 2006 und der EM 2008 war er einer der Gefährlichsten. Warum sollte ich ihn mit 25 Jahren rausnehmen, wenn er mal eine schlechtere Phase hat?"

Bereits eine Woche später hat sich die Situation gedreht. Deutschland steht nach dem 0:1 gegen Serbien unter Zugzwang, gegen Ghana zu gewinnen. Klose und Podolski haben daran einen größeren Anteil.

Kritik von Beckenbauer

"Das Foul war in der Situation unnötig", kritisierte Franz Beckenbauer das Einsteigen Kloses gegen Dejan Stankovic, dem der bereits verwarnte Stürmer an der Mittellinie von hinten den Ball wegspitzeln wollte (38.).

Da er den serbischen Kapitän dabei zu Fall brachte, zückte der spanische Schiedsrichter Alberto Undiano die Gelb-Rote Karte.

"Es war eine harte Bestrafung", urteilte Löw. "Aber Miro hätte auch wegbleiben können, nachdem er schon Gelb hatte."

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Auch Kapitän Philipp Lahm sprach von einer "falschen Entscheidung", die Klose getroffen habe.

Von dem mit nun 98 Länderspielen erfahrensten Akteur im deutschen WM-Aufgebot hätte man eine solche wohl am wenigsten erwartet.(GAMES: Das WM-Tippspiel)

Macht Klose die 100 in Südafrika voll?

Nun steht in Frage, ob er das "schöne Gefühl" noch in Südafrika erleben wird, von dem er schon "als kleiner Junge geträumt hat: 100 Länderspiele für Deutschland zu machen, das ist Wahnsinn".

Dafür müsste die deutsche Mannschaft das Viertelfinale erreichen.

Im Gegensatz zum gesperrten Klose kann Podolski noch dazu beitragen, dass die DFB-Auswahl die Vorrunde übersteht.

Nach seinem verschossenen Elfmeter (60.) - dem ersten vergebenen deutschen Strafstoß bei einer WM seit Uli Hoeneß 1974 - wurde aber auch er zum Sündenbock für die Niederlage gegen Serbien gestempelt.

"Podolski egoistisch"

"Der vergebene Strafstoß war ärgerlich. Es spricht zwar für seinen Mut, selbst anzutreten, nachdem er eine 100-prozentige und eine 70-prozentige Chance vergeben hat", meinte Beckenbauer.

"Doch er wäre besser nicht so egoistisch gewesen und hätte Bastian Schweinsteiger schießen lassen."

Während Podolski reumütig "das Ding auf meine Kappe" nahm, verteidigte der Bundestrainer seine Vorgehensweise, den Spielern auf dem Platz zu überlassen, wer die Strafstöße schießt.

Löw versteht Debatte nicht

"Wir können vor einem Elfmeter keine Mannschaftssitzung einberufen, das wäre relativ schwierig", sagte Löw.

"Es gibt bei uns zwei Spieler, die normalerweise die Elfmeter schießen: Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski. Es ist also klar, dass die beiden das Thema besprechen und einer von ihnen den Elfmeter ausführt."

Bei Podolski könne er sich "an keinen verschossenen Elfmeter erinnern".

Rechnet man das Elfmeterschießen im WM-Viertelfinale 2006 gegen Argentinien mit, dann war der Kölner im Nationaldress bislang viermal angetreten und hatte vom Punkt immer getroffen.

Rückendeckung für Podolski

"Ich will Spieler, die Verantwortung übernehmen", nahm Löw Podolski in Schutz. "Er hatte nicht das Schussglück, schießt normalerweise aber auch noch platzierter."

Im letzten WM-Test gegen Bosnien-Herzegowina (3:1) hatte Schweinsteiger zwei Elfmeter verwandelt.

Von daher, räumte Löw ein, "könnte es durchaus sein, dass Bastian den nächsten Elfmeter schießt."

Wenn es denn bei dieser WM noch einen gibt...

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