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Marcell Jansen bestritt bisher 31 Länderspiele für die A-Nationalmannschaft © getty

Vorm Gruppenendspiel gegen Ghana meldet Marcell Jansen bei SPORT1 Ansprüche auf einen Einsatz an. Er betont: "Ich bin fit".

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Marcell Jansen war lange außer Gefecht.

Seit seinem Syndesmosebandriss Ende März sammelte der Hamburger nur noch beim vorletzten WM-Testspiel der deutschen Nationalmannschaft in Ungarn (3:0) in den letzten 28 Minuten Wettkampfpraxis.

Doch nach der problembehafteten Vorstellung von Holger Badstuber gegen Serbien könnte gegen Ghana (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) Jansens Stunde schlagen. "Ich bin bereit", sagt er.

Im SPORT1-Interview lässt der 24-Jährige durchblicken, dass er durchaus mit seinem Einsatz im letzten Gruppenspiel rechnet.

SPORT1: Herr Jansen, sind Sie eigentlich froh, dass Sie keinen Bruder haben, der für Ghana spielt?

Marcell Jansen: Zumindest weiß ich von keinem. Natürlich ist das jetzt etwas Besonderes, wenn der eine Boateng für Deutschland und der andere für Ghana spielt. Aber Jerome ist ganz konzentriert und fokussiert auf das Spiel (Der WM-Spielplan).

SPORT1: Sind Sie das auch?

Jansen: Ja, wie alle hier. Ich bin voll dabei. Man trainiert und kämpft sich ran.

SPORT1: Mit welchem Erfolg?

Jansen: Die letzten anderthalb, zwei Wochen sind für mich super gelaufen im Training. Der Fuß spielt überhaupt keine Rolle mehr, es wird alles immer runder und meine Spielweise wieder effektiv wie in der Saison beim HSV. Ich fühle mich sehr wohl und habe gute Eindrücke im Training hinterlassen (SERVICE: Der WM-Rechner).

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SPORT1: Sie können sich also vorstellen, gegen Ghana von Beginn an zu spielen?

Jansen: Klar, jetzt da ich meine Verletzung auskuriert habe, will ich spielen. Ich bin bereit. Wenn man so lange pausiert hat wie ich, ist man wieder geil auf Fußball. Das gibt einem einen Schub. Mir ist es egal, ob ich links verteidige oder im Mittelfeld ran darf, weil ich beide Positionen spielen kann. Hauptsache, ich kann spielen. Ich bin einfach heiß.

SPORT1: Sie haben öffentlich gefordert, man solle nicht so auf Holger Badstuber herumhacken. Haben Sie das getan, weil Sie sich in ihn hineinversetzen können? Schließlich wurden Sie 2008 nach dem 1:2 gegen Kroatien zum Sündenbock gemacht.

Jansen: Ja. Damals hatte ich in der Öffentlichkeit keine Unterstützung. Nach einem Spiel, wo wir als Mannschaft schlecht gespielt hatten und ich der Jüngste auf dem Platz war. Da kam überhaupt nichts Positives, im Gegenteil. Daraus habe ich viel gelernt. Das war für mich eine harte, aber auch gute Zeit, weil man sich die mentale Stärke, mit diesen Dingen umzugehen, irgendwann aneignen muss.

SPORT1: Wie genau haben Sie diese Phase erlebt?

Jansen: Dass es kein gutes Spiel von mir war, haben wir alle gesehen. Aber in dem Jahr davor hatte ich 27 Spiele mit Toren und Assists gemacht. Nach dem einen Spiel wird dann so getan, als ob da nichts außer Defensivschwächen gewesen wäre. Mit der Feststellung "der Jansen war gegen Kroatien schlecht" hatte ich schon damals kein Problem. Sehr schade war aber, dass nicht auch geschrieben wurde "Jansen kommt in der zweiten Halbzeit des Finals rein, bringt frischen Wind, bereitet die größte Torchance vor, steht als Jüngster seinen Mann: Hut ab!" Das ging völlig unter.

SPORT1: Haben Sie mit Badstuber über diese Erfahrung gesprochen?

Jansen: Nein, weil ich weiß, wie das ist. Nach dem Spiel kommen die Eltern und Freunde, und immer geht es nur um das eine Thema. Deshalb lasse ich ihn damit in Ruhe. Aber ich stehe öffentlich für ihn gerade, denn man darf nie einen Einzelnen so aggressiv schlechtmachen.

SPORT1: Was sind Sie denn nun: Badstubers Helfer oder sein Konkurrent?

Jansen: Ich werde nie die Rolle eines Helfers oder Samariters spielen und mich aufdrängen, um ihm in dieser Situation zu helfen. Aber ich werde immer Realist sein. Konkurrenz ist normal. Und dass Holger nicht der typische Linksverteidiger ist, weiß man ja. Ich bin aber nicht im optimalen Zustand hierhergekommen. Zum ersten Spiel hätte die Zeit nicht gereicht, um von Anfang an zu spielen. Das ist Fakt.

SPORT1: Und jetzt?

Jansen: Jetzt sehe ich meine Chance nicht aufgrund eines nicht so guten Spieles eines jungen Spielers. Sondern basierend darauf, dass ich an meine Fitness und Form vor der Verletzung angeknüpft habe.

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