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Carlos Simon hat bei der WM 2006 den Schweden Lucic vom Platz gestellt. © getty

Nach der schwachen Schiedsrichter-Leistung gegen Serbien droht dem DFB-Team neues Unheil: "Sheriff" Simon pfeift das Ghana-Spiel.

Von Daniel Michel

München - Er lernt auf Englisch zu fluchen, ist immer für eine Fehlentscheidung gut und lächelt den Spielern trotzdem noch ins Gesicht:

Schiedsrichter Carlos Simon pfeift am Mittwoch das Spiel zwischen Deutschland und Ghana. (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER)

Für beide Teams ist der Brasilianer kein Unbekannter.

Bei der WM 2006 haben sie jedoch unterschiedliche Erfahrungen mit dem Unparteiischen gemacht.

Schlechte Erinnerungen bei Ghana

Beim Vorrundenspiel Italien gegen Ghana hätte Simon den Italiener de Rossi für eine rüde Attacke vom Platz stellen können ?

Simon beließ es bei Gelb, Ghana verlor 0:2. (Keine Samthandschuhe im Bruder-Duell)

Hämisches Grinsen beim Platzverweis

Die Deutschen jubelten dagegen 2006 gemeinsam mit Simon: Im Achtelfinale überrollte Deutschland die Schweden mit 2:0.

Simon schickte bereits in der 35. Spielminute den Schweden Teddy Lucic für ein harmloses Foul mit Gelb-Rot vom Platz.

Die Karte zeigte Simon nicht irgendwie, sondern mit einem hämischen Grinsen im Gesicht.

Löw: "Nicht diskutieren"

Bundestrainer Joachim Löw lassen die Ereignisse von 2006 kalt, mahnt seine Spieler zur Raison:

"Egal was passiert, wir dürfen nicht anfangen, über Schiedsrichter-Entscheidungen zu diskutieren."

Der Mann mit der schnellen Gelben Karte

"Sheriff" - so nennen sie Simon in seiner Heimat, weil er die Karten oft so zückt wie ein Cowboy seinen Colt. (Marcell Jansen im SPORT1-Interview)

Der "Sheriff" handelte sich dort ständig Ärger ein. 2009 sperrte ihn der Brasilianische Verband (CBF) für die letzten sechs Wochen der Meisterschaft. Der Grund: Manipulationsverdacht.

Simons unerklärliche Fehlentscheidungen hatten sich gehäuft. Davon sind mehrere Videos im Internet zu sehen, etwa als ein Stürmer allein auf weiter Flur im Strafraum zu Boden fällt und er auf Strafstoß entscheidet.

"Unverschämter Betrüger"

Der Präsident des Traditionsklub Palmeiras, Luiz Gonzaga de Mello Beluzzo, bezeichnete Simon einst als einen "unverschämten Betrüger".

Auch Flamengo Rio de Janeiro fühlte sich von Simon betrogen. Der Klub bastelte eine DVD der kuriosesten Entscheidungen zusammen und schickte sie der FIFA. Der Weltverband sollte Simon von den Fußballplätzen fern halten.

Doch Simon soll seine guten Verbindungen zum umstrittenen brasilianischen Verbandschef Teixera genutzt haben ? und darf seine dritte WM pfeifen.

Er kann auf Englisch fluchen

In Südafrika hat der gelernte Journalist bislang die Partie England gegen die USA geleitet. Um sich auf das Spiel vorzubereiten, hat sich der 44-Jährige eine Liste der 20 gängigsten englischen Flüche erstellt. (Der WM-Spielplan)

"Wir müssen einfach wissen, welche Flüche die Spieler drauf haben. Alle Spieler fluchen - und wir wissen schon, dass wir einige Male Sachen wie 'Hurensohn' hören werden", erklärte Simons Schiedsrichter-Assistent Altemir Hausmann.

Ein böses Foul von Englands Stürmer Emile Heskey an Keeper Tim Howard übersah Simon trotz der gründlichen Vorbereitung auf die Partie. Heskey blieb von einer Strafe verschont, Howard konnte erst nach einer längeren Behandlungspause weiterspielen.

Fifa lassen Skandale kalt

Die Skandale von Schiri Simon und seine durchschnittlichen Leistungen - bereits bei der WM 2002 erkannte Simon den Italienern gegen Mexiko ein reguläres Tor ab - lassen die FIFA kalt.

2007 nahm sie rund 80 Schiedsrichter in das Auswahlverfahren für die WM 2010 auf und hätte theoretisch Simon bis kurz vor der WM ablehnen können - tat sie aber nicht. (SERVICE: Der WM-Rechner)

Droht DFB-Team das Schicksal von Italien 2002?

Die "Süddeutsche Zeitung" vermutet eine Strategie der FIFA dahinter und fragt:

"Wird der Kader so früh bestimmt und abgeschirmt, weil Schiedsrichter darin sind, die in Schlüsselspielen für passende Resultate sorgen könnten?" "Einige schwache Leistungen überdecken die vielen starken"

Bei der WM 2002 sorgten die Spiele von Gastgeber Südkorea für Aufsehen: Italien und Spanien verloren im Achtelfinale bzw. Viertelfinale durch fragwürdige Entscheidungen und mussten die Heimreise antreten.

Nach den schwachen Leistungen der afrikanischen Mannschaften bei ihrer "Heim-WM" ruhen die größten Hoffnungen noch auf Ghana ? und die haben beim unberechenbaren Simon noch einen Pfiff gut.

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