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Bundestrainer Joachim Löw (l.) coacht seit 2006 als Chef die Nationalelf © getty

Der Stuttgarter wird gegen Ghana aller Voraussicht nach in der Startelf stehen. Bundestrainer Löw geht zuversichtlich ins Spiel.

Von Mathias Frohnapfel und Martin van de Flierdt

Pretoria/München - Erst ließ Joachim Löw die Reporter etwa 20 Minuten warten. Dann überraschte der Bundestrainer sie aber mit einer ersten Festlegung:

"Ich tendiere zu Cacau", sagte Löw gleich zu Beginn der Pressekonferenz am Dienstag in Pretoria.

In der Stürmerfrage hat sich der 50-Jährige also festgelegt, der Stuttgarter Cacau wird im entscheidenden WM-Gruppenspiel gegen Ghana (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) den gesperrten Miroslav Klose ersetzen.

Mario Gomez dürfte demnach nur die Rolle des Jokers zukommen.

Wird das System umgestellt?

Ansonsten ging Löw aber zurückhaltend mit Informationen dazu um, wie sein Team die Ghanaer in die Knie zwingen soll.

Nur mit einem Sieg erreicht Deutschland sicher das Achtelfinale.

(SERVICE: Der WM-Rechner)

Ob das Ein-Stürmer-System womöglich zum 4-4-2 umgebaut wird oder ob Marcell Jansen für Holger Badstuber als Linksverteidiger ins Team rückt, ließ der Bundestrainer unbeantwortet.

Keine Lust auf zusätzlichen Druck

Klar wurde dennoch: Löw hat keine Lust, sich vor dem wichtigsten Länderspiel des Jahres von außen zusätzlichen Druck auferlegen zu lassen.

Die Journalisten bekamen das zu spüren, denen er en passant mitteilte, dass er selbstverständlich auch am Donnerstag, sprich nach dem erhofften Weiterkommen des DFB-Teams, wieder bei der nächsten Pressekonferenz sein werde.

Und auch Mediendirektor Harald Stenger wurde an anderer Stelle von Löw eingebremst.

"Ich werde doch kurz überlegen können bei dieser Frage", raunte Löw Stenger zu. Das klang weder angespannt noch eingeschnappt, sondern einfach nur bestimmt.

Schiedsricher "sehr penibel"

Dabei wollte ihn Stenger nur auf den zweiten Teil einer Frage aufmerksam machen.

Doch Löw sprach eben lieber ausführlicher und mit Nachdenkpause über Carlos Simon.

Der Schiedsrichter ist für das Match gegen Ghana eingeteilt, der Bundestrainer beschreibt ihn "als sehr penibel".

Die Nationalspieler werde er entsprechend auf den spitzfindigen Referee vorbereiten, warnte er sein Team bereits vor Diskussionen mit dem Schiedsrichter aus Brasilien.

(Der WM-Spielplan).

Kritik an Flut von Gelben Karten

Und Löw will sein Team trotz der Gefahr von Sperren fürs Achtelfinale bei der zweiten Gelben Karten kämpfen sehen.

Aber er bemängelte auch: "Manchmal werden Gelbe Karten sehr schnell gezogen".

Spannend wird indes zu beobachten sein, wie Löw selbst während des Ghana-Spiels reagiert. Während der Partie gegen Serbien und der sich ankündigenden Niederlage brodelte es nur so im Bundestrainer.

"Ich liebe Alles-oder-Nichts-Spiel"

Die Anspannung vorm letzten Spiel in der Gruppe D empfindet Löw dennoch als angenehm. "Ich bin nicht der einzige Trainer, der Alles-oder-Nichts-Spiele liebt", sagte er.

Seinen Spielern traut er gleichfalls zu, in der Belastungssituation zu bestehen.

Das gelte auch für die Jungspunde der Gruppe. "Ich denke nicht, dass Spieler wie Özil oder Khedira nervlich Probleme haben."

Und er betonte: "Man muss lernen, mit diesen Drucksituationen umzugehen. Unsere Spieler können damit umgehen."

"Business als usual"

DFB-Teampsychologe Hans-Dieter Hermann ist gleichfalls überzeugt, dass die deutsche Mannschaft der mentalen Belastung vor großer Kulisse gewachsen ist.

"Es ist eine Normalität für viele Spieler, dass sie in ein Entscheidungsspiel reinkommen. Es ist mehr business as usual. Denn die Mannschaft weiß, was sie kann."

Für den Bundestrainer überwiegt ohnehin der Aspekt, sein Team auf die Gangart der Afrikaner einzustellen.

"Ghana sucht die Eins-zu-Eins-Situationen. Sie gehen hohes Tempo", meinte Löw.

Und er hob natürlich seine eigene Zuversicht hervor: "Wir haben alles in der Hand, um das Achtelfinale zu erreichen."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Ghana: 22 Kingson - 2 Sarpei, 5 John Mensah, 15 Vorsah, 4 Paintsil - 6 Annan - 13 Andre Ayew, 21 Asamoah, 23 Kevin Boateng, 12 Tagoe - 3 Gyan

Deutschland: 1 Neuer - 16 Lahm, 17 Mertesacker, 3 Friedrich, 14 Badstuber - 6 Khedira, 7 Schweinsteiger - 13 Müller, 8 Özil, 10 Podolski - 19 Cacau

Schiedsrichter: Carlos Simon (Brasilien)

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