vergrößernverkleinern
Der Vater von Jerome Boateng stammt aus Ghana, für das sein Bruder spielt © imago

Der "emotionale Leader" nimmt die Mitspieler in die Pflicht. Wie sieht die erste Elf aus? SPORT1 beantwortet die Fragen.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Vor dem entscheidenden Gruppenspiel um den Einzug ins Achtelfinale gegen Ghana (Mi., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) hat Bastian Schweinsteiger seine Mannschaftskameraden in die Pflicht genommen.

"Man muss in jeder Situation merken, dass jeder das Spiel gewinnen will", sagte der "emotionale Leader" der DFB-Auswahl.

"Es kann nicht sein, dass wir schön spielen und nicht gewinnen. Es liegt nur an uns." Schweinsteiger forderte die Mannschaft auf "zu agieren, nicht zu reagieren":

"Wir müssen hinten wie eine Wand stehen und nach vorne unsere Qualitäten ausspielen. Und wir müssen diesmal unsere Chancen nutzen."

Wie genau soll das gehen? SPORT1 beantwortet die Fragen zum Gruppenfinale:

Wer verteidigt links?

"Ich überlege, noch die eine oder andere Position zu verändern", sagte Löw. "Wichtig ist dabei das Abschlusstraining, um die letzten Eindrücke zu gewinnen."

Zeigt Holger Badstuber dort eine Trotzreaktion, könnte der Bundestrainer an ihm festhalten.

Wahrscheinlicher ist aber, dass er dem Münchner eine Pause gönnt. Denn im Abschlusstraining am Dienstagabend spielte überraschend Jerome Boateng anstelle von Badstuber in der A-Elf.

Der Neuzugang von Manchester City spielt normalerweise lieber zentral oder rechts hinten, hat aber beim Hamburger SV in der abgelaufenen Saison mehrfach auch links in der Viererkette agiert.

Unter anderem zeigte er dort beim 1:0 im September 2009 gegen den FC Bayern eine überzeugende Vorstellung.

Damit hätten die Alternativkandidaten Dennis Aogo und Marcell Jansen das Nachsehen, wobei sich gerade Jansen sehr zuversichtlich gezeigt hatte.

"Ich sehe jetzt meine Chance" , hatte er zuletzt im SPORT1-Interview erklärt.

"Zum ersten Spiel hätte die Zeit nicht gereicht, um von Anfang an zu spielen. Das ist Fakt."

Löw lobt, dass "sich Jansen mit viel Biss herangearbeitet hat. Er macht jetzt einen körperlich guten Eindruck und ist auf jeden Fall einsatzfähig".

[image id="ab6847ab-65bc-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Doch offenbar hat der DFB-Coach aufgrund der fehlenden Spielpraxis nach langer Verletzung Zweifel und setzt auf Boateng, so dass es dann zum brisanten Bruder-Duell gegen Ghanas Kevin Prince Boateng kommen würde.

Wer spielt im Sturm?

"Es ist so, dass ich im Moment dazu tendiere, dass Cacau von Anfang an spielen kann", meinte Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag auf die Frage nach der Vertretung des gesperrten Miroslav Klose, "wobei Mario Gomez und Stefan Kießling als Keilstürmer im Training sehr auf einen Einsatz drängen".

Löw hatte Cacau schon im Vorfeld des Auftaktspiels gegen Australien bescheinigt, "sehr nah an der Mannschaft dran" zu sein. Das Tor des Stuttgarters nach seiner Einwechslung bestätigte diesen Eindruck. Gegen die Serben konnte er sich allerdings nicht in Szene setzen.

Da das allerdings auch für Gomez galt und Kießling bei Löw bislang nicht die besten Karten hat, wäre Cacaus Berufung in die erste Elf folgerichtig. "Wenn es so kommt, werde ich alles geben", versprach der 29-Jährige bereits im SPORT1-Interview "Wir werden jetzt nicht nervös".

"Wenn nicht, versuche ich der Mannschaft eben später zu helfen." Schweinsteiger macht klar, was er vom deutschen Angriff erwartet: "Es sind Cleverness und Kaltschnäuzigkeit gefragt."

Stellt Löw das System um?

Nein. Die deutsche Mannschaft wird gegen Ghana mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am 4-2-3-1 festhalten. "Es ist immer eine Möglichkeit, auf 4-4-2 umzustellen", meinte Löw zwar. Doch im Zusammenhang mit der Vertretung Kloses im Angriff war immer vom "Keilstürmer" die Rede. Den gibt es im 4-4-2 nicht. (Der WM-Spielplan)

"Es gibt keinen Grund, irgendwas zu ändern", plädiert auch Lahm eindeutig für das Fortschreiten auf dem bisher eingeschlagenen Weg.

"Wir haben gegen die Serben ja in Unterzahl ordentlich dagegengehalten und sie teilweise sogar dominiert."

Wie steht es um das Nervenkostüm?

Darum macht sich Löw zumindest nach außen keine Sorgen: "Die Spieler machen nicht den Eindruck, dass sie nervös oder unsicher wären. Die Mannschaft hat das Selbstbewusstsein und die innere Überzeugung, dass sie gegen Ghana gewinnen kann."

Man müsse im Turnierverlauf mit "so einer Drucksituation umzugehen lernen". "Unsere Spieler können das, auch wenn sie die Anspannung spüren", behauptete der Bundestrainer.

"Lahm, Schweinsteiger, Arne Friedrich und Per Mertesacker sind in der Lage, die Mannschaft zu führen."

Was ist von Ghana zu erwarten?

Schon im Vorfeld des Turniers hatte Löw stets die physischen Vorzüge der Afrikaner gepriesen. Daran hat sich nichts geändert.

"Das Spiel wird hochintensiv", glaubt er. "Ich erwarte Ghana nicht ganz so offensiv, die Mannschaft kann mit einem Remis leben. Sie wird uns mental und vor allem körperlich alles abverlangen." (SERVICE: Der WM-Rechner)

Beim Besuch des 1:1 der Ghanaer in Rustenburg gegen Australien hat er zudem Folgendes festgestellt: "Die Ghanaer haben eine hohe individuelle Durchschlagskraft, sie möchten sich im Mann gegen Mann beweisen. Mit ihren schnellen Spieler haben sie da ihre Stärke." Dort gilt es gegenzuhalten.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel