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Özil scheitert alleine vor Kingson. In Minute 60 trifft er dann aber zum 1:0 © getty

Die DFB-Elf zittert sich in die K.o.-Runde, in der England wartet. Ghana vergibt viele Chancen, Özil macht das entscheidende Tor.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Johannesburg ? Die deutsche Nationalmannschaft hat sich ins WM-Achtelfinale gezittert.

Trotz einer über weite Strecken sehr fahrigen Vorstellung bezwang die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw am letzten Spieltag der Gruppe D Ghana in Johannesburg mit 1:0 (0:0) und schloss die Vorrunde als Gruppenerster ab. 254003(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Der Siegtreffer von Mesut Özil (60.) bringt der DFB-Auswahl nun in der Runde der letzten 16 (So., 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Bloemfontein das Duell mit dem Erzrivalen England ein.

Bangen um Schweinsteiger

"Gegen England herrscht eine Drucksituation. Ich bin aber sicher, dass wir damit gut umgehen werden. Wir freuen uns auf England", so Löw in der anschließenden Pressekonferenz.

Fehlen könnte dann allerdings Bastian Schweinsteiger. Nach ersten Erkenntnissen erlitt der Bayern-Spieler eine Oberschenkelverhärtung. "Wenn Schweinsteiger ausfallen sollte, wäre das für unsere Spiel natürlich nicht von Vorteil", sagte der Chefcoach.

Hoffen auf Außenseiterrolle

Dem schloss sich auch Team-Manager Oliver Bierhoff an: "Vielleicht ist es ein Vorteil, gegen England zu spielen, weil wir nicht unbedingt Favorit sind."

Zu seinem spielentscheidenden Treffer sagte Özil nach der Partie: "Ich habe den Ball angenommen und vor mir niemanden gesehen. Dann hab ich einfach draufgehauen. Wir haben gut gespielt, auch wenn wir wussten, dass es schwer wird gegen Ghana, weil sie kompakt stehen und körperbetont spielen. Wir wussten dass wir unsere Chancen bekommen und Gott sei Dank habe ich das Tor dann gemacht."

Cacau startet im Sturm

"Das war ein unglaublich intensives Spiel, wo viele Dinge nicht so geklappt haben. Aber letztendlich sind wir eine Runde weiter", sagte Bundestrainer Löw erleichtert.

"Eine Klassebegegnung, wir freuen uns drauf", so Löw zur Achtelfinal-Partie gegen England.

Vor 83.391 Zuschauern im Soccer-City-Stadion hatte Löw seine Mannschaft im Vergleich zur 0:1-Niederlage gegen Serbien auf zwei Positionen verändert.

Für den gesperrten Miroslav Klose begann erwartungsgemäß der Stuttgarter Cacau im Sturm. 244723(DIASHOW: Der deutsche Kader)

Linksverteidiger Holger Badstuber wurde durch Jerome Boateng ersetzt, der damit seinen ersten WM-Einsatz gegen das Geburtsland seines Vaters und die Mannschaft seines Halbbruders Kevin-Prince erlebte.

Eine Änderung bei Ghana

Ghanas Coach Milovan Rajevac vertraute mit einer Ausnahme dem Team, das zuletzt gegen Australien 1:1 gespielt hatte. Lediglich Kapitän John Mensah kam neu in die Mannschaft. Er nahm in der Innenverteidigung den Platz von Lee Addy ein.(Der WM-Spielplan)

[image id="9d1dfc9b-65bc-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die deutsche Mannschaft begann übernervös. Viele Ballverluste und Missverständnisse sorgten dafür, dass das Spiel nach vorne in der ersten Halbzeit nicht in Gang kam und die Defensive bedenklich wackelte. (Die WM-Kader im Überblick)

Die gefährlichste Szene der deutschen Mannschaft in den ersten Minuten produzierte folgerichtig ein Ghanaer. Nach Hereingabe von Lukas Podolski fabrizierte Jonathan Mensah um ein Haar ein Eigentor (10.).

Özil kommt nicht an Kingson vorbei

Bis zur Pause sollten nur noch drei weitere Chancen für die DFB-Auswahl dazu kommen. Özil scheiterte freistehend ebenso an Richard Kingson (25.) wie Cacau mit einer Volleyabnahme (30.).

Auch als Per Mertsacker unter einem Freistoß von Bastian Schweinsteiger hersprang, war der Torwart zur Stelle (41.).

Die Ghanaer, die das deutsche Offensivspiel wie die Serben mit einem 4-2-3-1 weitgehend lahmlegten, waren dem ersten Tor häufiger nahe.

0:1 mehrfach möglich

So rettete Schweinsteiger gegen die einzige Spitze Asamoah Gyan (13.) in höchster Not, ebenso Arne Friedrich nach Hereingabe von Andre Ayew (16.).

Jerome Boateng und Manuel Neuer verhinderten nach einem von mehreren Stockfehlern Mertesackers gemeinsam den Abschluss von Ayew im Strafraum (22.), Philipp Lahm stand bei einem Gyan-Kopfball goldrichtig auf der Torlinie (26.). (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Auch nach dem Seitenwechsel löste sich die Verkrampfung bei der deutschen Mannschaft nicht. Nach einem erneuten Stellungsfehler Mertesackers tauchte Kwadwo Asamoah frei vor Neuer auf. Der Schalker verhinderte mit einer Klasseparade den Rückstand (51.).

Özils Tor deutete sich nicht an

Dass dann Özil die glückliche deutsche Führung erzielte, entbehrte nicht einer gewissen Ironie. Denn der Bremer hatte bis dato einen rabenschwarzen Abend erwischt.

Nun aber nahm er eine Flanke von der rechten Seite kurz an und drosch den Ball mit dem zweiten Kontakt aus 24 Metern zum 1:0 in den rechten oberen Torwinkel (60.).

Das brachte allerdings keineswegs mehr Ruhe in das deutsche Spiel. Bei einem Kopfball von Prince Tagoe (61.) und einem Schuss Ayews, den Lahm entscheidend abfälschte (66.), lag der rasche Ausgleich in der Luft.

Schweinsteiger muss raus

Löw wechselte, brachte Piotr Trochowski für Thomas Müller (67.) und Marcell Jansen für Jerome Boateng (73.). Später musste er Schweinsteiger wegen Oberschenkelproblemen durch Toni Kroos ersetzen (81.).

Den Ghanaern fehlte in der Schlussphase der Punch, um die wackelige deutsche Abwehr zu überwinden.

So brachten Löws Mannen den Vorsprung über die Zeit.

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