Bei einem Aus gegen Ghana wird Joachim Löw als Bundestrainer zurücktreten. Trotzdem würde dann beim DFB nicht alles zusammenbrechen.

So manches Boulevardblatt hat in den letzten Tagen so getan, als lüfte es ein großes Geheimnis: Joachim Löw hört bei einem WM-Vorrunden-K.o. auf.

Dabei wäre es eher eine Nachricht, wenn diese logische Konsequenz nach dem ersten Aus in einer WM-Vorrunde nicht eintreten würde.

Der Bundestrainer weiß, dass er mit diesem Makel gegen Fans, Medien und einen Großteil der ihm skeptisch gegenüberstehenden DFB-Funktionäre nicht weiterarbeiten könnte, weil ihm die nötige Autorität fehlen würde.

Da kann Verbandsboss Theo Zwanziger, zu dem Löw seit den Indiskretionen bei der geplatzten Vertragsverlängerung ein gestörtes Vertrauensverhältnis hat, im Vorfeld noch so häufig das Gegenteil behaupten.

Trotzdem muss man sich im Gegensatz zum frühen Ausscheiden bei den Europameisterschaften 2000 und 2004 keine Sorgen um die Zukunft des deutschen Fußballs machen, wenn dieser Worst Case mit einer Pleite gegen Ghana eintreten würde.

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Denn unabhängig, ob die jüngste DFB-Auswahl seit der WM 1934 dem Druck und den in Südafrika immer möglichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter gewachsen ist:

Dieses Team hat ein Potenzial, dass eine deutsche Nationalelf seit einer kleinen Ewigkeit nicht mehr hatte. Und sie kann aufgrund ihrer Alterstruktur noch mindestens zwei Weltmeisterschaften zusammenspielen.

Auch sonst boomt der deutsche Fußball: International wurde zuletzt enorm viel Boden gut gemacht, die Bundesliga ist eine der attraktivsten Ligen Europas und dadurch auch für absolute Topstars interessant geworden.

Beim DFB ist ebenfalls alles vorbereitet: Sportdirektor Matthias Sammer steht als neuer Bundestrainer bereit.

Ob der einstige "Feuerkopf" die richtige Wahl als oberster Trainer des Landes wäre, ist freilich eine andere Frage.

In der DFB-Spitze ist man von Sammer überzeugt, doch bei aller fachlichen Kompetenz ging es für den ehemaligen Weltstar seit der Meisterschaft im zweiten Trainerjahr bei Borussia Dortmund nur noch abwärts.

Allein deshalb wäre es wünschenswert, dass die deutsche Mannschaft weiterkommt. Denn dann müssten beide Seiten überlegen, was sie aneinander haben.

Die DFB-Führung müsste zeigen, wie weit sie Löw auch weiterhin Freiheiten für seine Arbeit geben will und auch bereit ist, dessen in der Verbandsführung unbeliebten Trainer- und Expertenstab mit Oliver Bierhoff an der Spitze zu halten.

Und Löw müsste darüber nachdenken, ob er seine eigene Aufbauarbeit vorzeitig beenden will, statt diese äußerst hoffnungsvollen Nationalmannschaft bis ganz nach oben zu führen.

Bei einem K.o. gegen Ghana aber würden sich diese Fragen erst gar nicht stellen.

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