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Das DFB-Team braucht einen Sieg, um sich fürs Achtelfinale zu qualifizieren © getty

Vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Ghana wird die Drucksituation im deutschen Lager völlig unterschiedlich eingeschätzt.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion/Johannesburg - "Die Mannschaft ist von der Psyche her nicht labil", sagt Bundestrainer Joachim Löw vor dem entscheidenden Gruppenspiel der deutschen Auswahl in Johannesburg gegen Ghana (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER).

Ist dem wirklich so, wäre das eine wichtige Voraussetzung, um am Abend im Soccer-City-Stadion den benötigten Erfolg einfahren zu können, der die sichere Achtelfinalteilnahme und dazu den Gruppensieg bedeuten würde (SERVICE: Der WM-Rechner).

Löw sieht kein Druckproblem

Dass speziell die jungen und unerfahrenen Profis in seinem Kader dem laut Philipp Lahm "ganz besonderen Druck" nicht gewachsen sein könnten, ist für den Bundestrainer ein abwegiger Gedanke.

"Ich habe nicht das Gefühl, dass junge Spieler wie Sami Khedira oder Mesut Özil ein nervlíches Problem haben", meinte der 50-Jährige.

"Gegen Serbien hat ja nicht ein junger Spieler einen groben Fehler begangen, sondern Miro Klose."

Hermann: "Business as usual"

Teampsychologe Hans-Dieter Hermann sieht in der "Do-or-die"-Ausgangslage im Gegensatz zu Lahm nicht einmal etwas Außergewöhnliches.

"Es ist eine Normalität für viele Spieler, dass sie in ein Entscheidungsspiel reinkommen", sagte er. "Es ist mehr business as usual."

Spezielle Maßnahmen zur mentalen Stärkung seien im Vorfeld der Begegnung daher nicht angebracht:

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"Wir haben ein sehr konzentriertes Training gesehen. Das ist ein Zeichen, dass die Mannschaft aufgabenorientiert an das nächste Spiel geht. Es ist eine gewisse Vorfreude auf das Spiel da. Eine Nervosität habe ich nicht erlebt."

Cacaus positive Vorerfahrung

Zumindest für Angreifer Cacau ist die Partie aber keineswegs nur das übliche Tagesgeschäft.

"Sicher ist das eine extreme Situation, wie ich sie noch nie erlebt habe", räumte der Stuttgarter vor seiner WM-Premiere in der Anfangself ein.

"2007 mussten wir zu Hause mit dem VfB gegen Cottbus gewinnen, um Deutscher Meister zu werden. Wir lagen damals nach zehn Minuten hinten und haben trotzdem gewonnen. Es ist gut, wenn man so eine Situation schon einmal erlebt hat."

Bei der EM 2008 rettete ein fulminanter Freistoß von Michael Ballack die deutsche Mannschaft gegen Österreich vor dem Vorrunden-Aus.

Ballack meldet sich zu Wort

"Natürlich gehört er zu den Spielern mit der Qualität, schwierige Situation mit einer Einzelaktion lösen zu können", sagt Teammanager Oliver Bierhoff. "Aber er ist nun einmal nicht da."

Zumindest nicht physisch. Denn über die Medien ist der 33-Jährige sehr wohl präsent.

"Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir in die nächste Runde einziehen", zitierte ihn die "Bild"-Zeitung (Der WM-Spielplan) .

"Durch die Niederlage gegen Serbien sind wir etwas mehr unter Druck gekommen. Dadurch fängt die K.o.-Phase halt etwas früher an. Unsere Mannschaft kann, obwohl sie noch jung ist, mit dem Druck besser umgehen als Ghana."

Lahm besonders gefordert

Bierhoff sieht nun vor allem den Mannschaftsrat gefordert. "Wichtig ist, dass die älteren Spieler vorneweg gehen und den anderen Spielern Halt geben", glaubt er.

"Wenn man einen Spieler sieht, der vielleicht etwas nachdenklich oder unsicher ist, müssen sie auf ihn zugehen und versuchen, ihn einzunorden."

Oliver Kahn bürdet die Verantwortung noch expliziter Lahm auf.

"Die Mannschaft braucht jetzt einen starken Kapitän", sagte er der Münchner "tz". "Und wenn sie dieses Team aus Ghana bei einer WM nicht schlagen kann, schiede sie ohnehin zu Recht aus."

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