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Joachim Löw (l.) vertraut heute gegen Ghana auf Jerome Boateng © getty

Die DFB-Elf muss im Gruppenfinale gegen Ghana gewinnen, um das erste deutsche Vorrunden-Aus der WM-Geschichte sicher zu vermeiden.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Johannesburg ? Man ist geneigt, Joachim Löw zu glauben.

"Ich habe mehr Vorfreude als Angst", sagt der Bundestrainer vor dem dritten WM-Gruppenspiel seiner deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER). Löw wirkt dabei tiefenentspannt und souverän.

Dabei geht es in Johannesburg nicht nur darum, ob die DFB-Auswahl ein Vorrunden-Aus abwendet, sondern auch um Löws persönliche Zukunft.

"Das habe ich völlig ausgeblendet", erklärt der 50-Jährige. "Wir haben bei der WM einen Auftrag zu erfüllen. Im Moment habe ich andere Dinge im Kopf als das, was nach der WM sein wird." (Der WM-Spielplan)

Boateng für Badstuber

Die Zeit "nach der WM" könnte für die deutsche Mannschaft im ungünstigen Fall schon am Mittwochabend beginnen.

Damit dies nicht der Fall ist, dazu soll Jerome Boateng beitragen. Der Hamburger wird gegen Ghana an Stelle von Holger Badstuber auf der linken Außenverteidigerposition auflaufen.

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Dennoch ist man beim DFB für alle Eventualitäten gewappnet. Die Plätze für einen möglichen Heimflug sind im Lufthansa-Flieger von Johannesburg nach Frankfurt am Donnerstagabend bereits reserviert.

Statistisch erfolgreichster Bundestrainer

Löw, der vom Punkteschnitt her erfolgreichsten Bundestrainer, den Deutschland je hatte, würde dann wohl seinen Posten nach 52 Spielen zur Verfügung stellen.

1950 wurde bei der WM die Gruppenphase eingeführt. Seit 1954 hat die DFB-Auswahl sie in 14 Endrunden immer überstanden.

Wie Rudi Völler nach der verkorksten EM 2004 dürfte auch Löw bei einem Ausscheiden seine Konsequenzen ziehen. Da mag DFB-Boss Theo Zwanziger erzählen, was er will.

"Auf jeden Fall weiter mit Löw"

"Ich möchte auf jeden Fall mit Joachim Löw weitermachen", sagte er am Dienstag. "Diese Entscheidung kann ja nicht von einem Spiel abhängen."

Er sehe das "genauso wie meine Mitstreiter beim DFB, dass es zwischen der Mannschaft und dem Bundestrainer passt, das Verhältnis ist absolut intakt. Zudem schätze ich die fachlichen und vor allem die charakterlichen Eigenschaften von Joachim Löw."

Das "große Vertrauensverhältnis zwischen dem Bundestrainer und mir" sei außerdem "eine ideale Voraussetzung, um die Zusammenarbeit fortzusetzen".

Wirklich ein Vertrauensverhältnis?

Ob Löw sein Verhältnis zu Zwanziger und dessen Prasidiumskollegen ebenso positiv einschätzt, gilt nach den Umständen der geplatzten Vertragsverlängerung im Frühjahr als fraglich.

Schiede die deutsche Mannschaft in der Vorrunde aus, wäre Löw zudem nicht in der gewünschten starken Position, in den Verhandlungen mit dem DFB seine Forderungen durchzusetzen.

Dass Teammanager Oliver Bierhoff bei Zwanziger und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer nicht gut gelitten ist, ist kein Geheimnis.

So viel Talent wie lange nicht

Bevor sich der Trainer in die Besetzung seines Stabs hineinreden lässt, wird er den Dienst quittieren, auch wenn ihn die Weiterarbeit mit dem extrem talentierten Kader sicher reizt.

Doch noch ist dieses Szenario weit weg (SERVICE: Der WM-Rechner).

"Ich sehe bei Joachim Löw Entschlossenheit und Sicherheit", sagt Bierhoff. "Er strahlt einen festen Glauben an das Team und ans Weiterkommen aus. Er ist sehr fokussiert und konzentriert, nicht verspannt."

Löw ist zuversichtlich

Ob er denn am Donnerstag auch noch als Bundestrainer vorsprechen werde, wurde Löw am Dienstag in der Pressekonferenz gefragt.

"Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Trainer während des Turniers ausgetauscht wird", lautete die Antwort. "Deshalb werde ich Ihnen auch am Donnerstag in diesem Amt begegnen."

Die Fakten zum Spiel:

Statistik:

Die deutsche Mannschaft ist bislang erst ein Mal gegen Ghana angetreten. Am 14. April 1993 setzte sie sich in Bochum deutlich mit 6:1 (0:1) durch. Bis zur 69. Minute hatten die Afrikaner durch einen Treffer von Prince Polley geführt.

Doch Stefan Effenberg und Jürgen Klinsmann mit je zwei Toren sowie Ulf Kirsten und Andreas Möller schossen in der Schlussphase noch einen Kantersieg heraus.

Spieler im Fokus:

Jerome Boateng: Der Hamburger spielt für Holger Badstuber. Wie wird er bei allem unbestrittenen sportlichen Talent seine Nerven gegen die Mannschaft seines Halbbruders Kevin-Prince im Griff haben?

Cacau:Der Stuttgarter hat als Ersatz für den gesperrten Miroslav Klose die Chance, seine gute Form der letzten Wochen nun von Anfang an auf den Platz zu bringen. Die deutsche Elf wird eine präsente Spitze brauchen, ein wirklicher Keilstürmer ist Cacau aber nicht.

Kevin-Prince Boateng:Zu den wiederholten Provokationen des gebürtigen Berliners äußert sich dessen "Opfer" Ballack in der "Bild": "Es geht nicht um einzelne Personen. Es geht um den deutschen Fußball. Wir haben ja noch mehr Verletzte außer mir. Und es ist egal, wie alles zustande gekommen ist. Es zählt nur der Einzug ins Achtelfinale."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: 1 Neuer - 16 Lahm, 17 Mertesacker, 3 Friedrich, 20 J. Boateng - 6 Khedira, 7 Schweinsteiger - 13 Müller, 8 Özil, 10 Podolski - 19 Cacau

Ghana: 22 Kingson - 4 Pantsil, 5 John Mensah, 19 Addy, 2 Sarpei - 6 Annan, 23 K.-P. Boateng - 12 Tagoe, 21 Asamoah, 13 Ayew - 3 Gyan

Schiedsrichter: Carlos Simon (Brasilien)

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