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Mesut Özil wechselte 2008 von Schalke zu Bremen © getty

Mesut Özil hat "das Zeug zu einem Weltklassespieler", sagt Joachim Löw. Dem Bremer fehlt es aber noch an Kleinigkeiten.

Aus Südafrika berichtet Thorsten Mesch

Johannesburg - Er hat mehrere Anläufe gebraucht, eine glasklare Chance vergeben, doch dann wurde Mesut Özil zum Matchwinner beim 1:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft im letzten Gruppenspiel gegen Ghana.

"Ich habe den Ball von Thomas Müller bekommen und einfach draufgehauen", beschrieb der 21-Jährige die Szene, mit der er den Einzug ins Achtelfinale mit einem traumhaften Weitschuss perfekt gemacht hatte 254003(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

"Ich bin sehr erleichtert, dennn ich hatte viele Chancen, die ich nicht genutzt hatte", ergänzte der Bremer, der in der 25. Minute freistehend an Ghanas Torwart Richard Kingson gescheitert war.

Özil mit Startproblemen

"Hätte Özil früh das Tor gemacht, wäre das Spiel vielleicht in ganz anderen Bahnen verlaufen", analysierte Bundestrainer Joachim Löw die entscheidende Partie gegen die Afrikaner, die dem DFB-Team große Probleme bereitet hatten.

"Dass diese junge Mannschaft natürlich auch mal nicht den Rhythmus erreicht, ist normal", meinte Löw. Bei Özil lief es gegen Ghana zu Beginn wahrlich nicht optimal.

Er leistete sich leichte Abspielfehler, war zwar bemüht, wirkte aber in einigen Szenen unkonzentriert und nicht entschlossen genug.

So auch bei seiner vertanen Großchance.

"Ich muss das Ding machen"

"Es war für die Mannschaft und für mich schon bitter, normalerweise muss ich das Ding machen", gab er zu und versprach: "Nächstes Mal mach' ich den schon rein."

Schon im Auftaktspiel gegen Australien hatte der U-21-Europameister eine hundertprozentige Möglichkeit nicht genutzt, als er den Ball zwar über den herauslaufenden Torwart gelupft, ein Verteidiger den Ball aber von der Linie gekratzt hatte.

Gehörte Özil gegen die "Socceroos" zu den besten Akteuren einer starken deutschen Mannschaft, ging er beim 0:1 gegen Serbien völlig unter.

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Löw wirbt um Geduld

"Dass immer alles läuft, das kann man nicht erwarten. Man muss den Spielern zugestehen, dass in so einer Drucksituation nicht alles reibungslos laufen kann", nahm Löw sein Team in Schutz ebenso wie Özil, der gegen Ghana zum "Man of the Match" gewählt wurde 253922(DIASHOW: DFB-Elf in der Einzelkritik).

"Ich habe ihm in der Pause gesagt: Du machst noch einen", berichtete Löw, der sehr große Stücke auf den dribbelstarken Mittelfeldspieler hält.

"Mesut ist ein Spieler, der ideal zu meinen Vorstellungen passt. Das ist ein ganz hohes Niveau, mit welcher Leichtigkeit er die Bälle behauptet und weiterspielt", erklärte der Bundestrainer: "Er gibt dem Spiel den Fluss und kann die tödlichen Bälle spielen."

Gegen Ghana spielte Özil allerdings zunächst die Bälle eher zum Gegner als zu seinen Mitspielern, und anstelle des tödlichen Passes und des direkten Weges wählte er zumeist die kompliziertere Variante. Doch Özil gab nicht auf und wurde schließlich mit dem Siegtreffer belohnt.

Hrubesch von Özil begeistert

Nicht zuletzt wegen solcher Geistesblitze hält sein ehemaliger U-21-Nationaltrainer Horst Hrubesch den früheren Schalker für ein "Jahrhunderttalent".

"Wir in Deutschland neigen gerne dazu, von ausländischen Spielern zu schwärmen", sagt Hrubesch: "Wir loben Wayne Rooney in den Himmel, den Ronaldo oder einen Messi. Aber den Messi haben wir selber. Unser Messi ist Özil." (Der WM-Spielplan)

Auch wenn Özil zur Klasse des argentinischen Superstars noch einiges fehlt, hat er ohne Frage alle Anlagen, die einen Klassespieler auf internationalem Parkett ausmachen.

Noch fehlt die Effizienz

Allerdings fehlt es ihm noch an der notwendigen Effizienz im Abspiel und Abschluss sowie an Beständigkeit.

"Um ein Weltklassespieler zu werden, bedarf es einer Entwicklung und einer Konstanz über einige Jahre", warnte Löw. "Mesut hat aber außer Frage das Zeug dazu."

Im Achtelfinale gegen England (So., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) wird er sein volles Potenzial zeigen müssen.

Über seine sportliche Zukunft will sich der Bremer, auf den internationale Spitzenklubs wie Barcelona oder Chelsea schon ein Auge geworfen haben, momentan keine Gedanken machen.

"Wir werden gewinnen"

"Alles, was mich interessiert, ist die WM, weil wir mit dieser Mannschaft Ziele haben", betont er. "Unser Traum ist es, den Titel zu holen. Und dafür sind wir hier", hatte Özil nach dem 4:0 gegen Australien selbstbewusst verkündet (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Dafür muss er zunächst im Achtelfinale seinen Worten wieder Taten folgen lassen.

"Es wird natürlich sehr schwer. England ist stärker als Ghana", weiß Özil: "Aber wenn wir gegen England das abrufen, was wir können, werden wir gewinnen."

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