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Bei der Begrüßung würdigten sich Kevin-Prince (l.) und Jerome keines Blickes © getty

Obwohl die beiden Halbbrüder ins Achtelfinale einziehen, herrscht weiter Funkstille. Kevin will nun "für ganz Afrika spielen".

Johannesburg - Am Ende hatten beide gewonnen.

Erstmals in der WM-Geschichte sind mit Jerome und Kevin-Prince Boateng zwei Brüder mit verschiedenen Nationalteams ins Achtelfinale eingezogen. 254003(DIASHOW: Die Bilder des Spiels)

Doch obwohl die Halbbrüder am Mittwochabend um punkt 22.19 Uhr jeweils das Weiterkommen bejubeln konnten, hatten sich die gebürtigen Berliner nach dem Schlusspfiff nichts zu sagen.

"Ich weiß nicht, ob wir uns nochmal über den Weg laufen", sagte Jerome ohne eine Anflug von Emotionen nach dem 1:0 (0:0) der DFB-Auswahl gegen Ghana mit seinem Halbbruder Kevin als Spielmacher.

"Es war etwas Besonderes"

Der DFB-Akteur, der etwas überraschend sein WM-Debüt feiern konnte, gab aber zu: "Es war schon etwas Besonderes, gegen Ghana zu spielen. Ich habe mir den ganzen Tag darüber Gedanken gemacht."

Dies hatte aber weniger mit seinem zwei Jahre älteren Bruder zu tun.

Bei der deutschen Nationalhymne hatte Jerome Boateng das Familienmitglied auf der anderen Seite des Spielfelds zunächst keines Blickes gewürdigt.

Nur beim obligatorischen Handschlag vor dem Anpfiff schauten die beiden Brüder, zwischen denen derzeit Funkstille herrscht, kurz in die Augen.

Mit Ghana ins Viertelfinale

Für Kevin soll mit dem Einzug ins Achtelfinale noch lange nicht Schluss sein. (Der WM-Spielplan).

"Ab sofort spielen wir für ganz Afrika. Ghana vertritt diesen ganzen Kontinent", sagte der 23-Jährige der "Sport Bild".

"Die afrikanischen Fans werden uns unterstützen, und wir werden alles dafür geben, ins Viertelfinale einzuziehen."

Lob von Rajevac

So sah es auch sein Trainer Milovan Rajevac. "Für uns hat es eine große Bedeutung, dass wir als einzige afrikanische Mannschaft weitergekommen sind", sagte der Serbe.

"Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Südafrikaner Ghana nun unterstützen wird."

Beim Achtelfinale gegen die USA setzt er dann auch wieder voll auf Kevin Boateng. "Er hat fantastisch gespielt", lobte Rajevac.

"Und es war wichtig, dass er sich nicht hat provozieren lassen. Auch gegen die USA können wir mit ihm rechnen."

Kevin gewinnt Bruderduell

Der langjährige DFB-Junioren-Nationalspieler war bei der Bekanntgabe der ghanaischen Aufstellung von den deutschen Fans gnadenlos ausgepfiffen worden.

Doch im ersten Bruderduell der WM-Geschichte im defensiven Mittelfeld Ghanas war er deutlich präsenter als der U-21-Europameister (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Zudem kam Kevin ungeschoren durch die 90 Minuten.

Kein Revanchefoul wegen des folgenschweren Fouls gegen Michael Ballack, keine böse Aktion von Philipp Lahm und Co..

Jerome begegnete er nur einmal im Spiel, Körperkontakt gab es aber keinen.

"Für mich war es auch ein besonderes Spiel, das ist doch klar. Weder von den Deutschen, noch von mir gab es aber irgendwelche abfälligen Bemerkungen oder dergleichen", freute sich der Portsmouth-Profi.

Schnelligkeit gibt den Ausschlag

"Ich bin froh, dass ich es hinter mir habe", sagte Jerome nach seinem sechsten Länderspiel, in dem er erstmals auf der linken Abwehrseite gespielt hatte, vielsagend.

In der kommende Saison wird Boateng mit Manchester City in der Premier League wieder auf Kevin treffen, dann aber wohl als Innenverteidiger.

Joachim Löw hatte Jerome trotz der besonderen Brisanz im Duell den Vorzug vor Holger Badstuber gegeben, der nach seiner schwachen Leistung beim 0:1 gegen Serbien auf die Bank musste.

"Ghana hat in der Spitze unglaublich schnelle Spieler. Da war es mir wichtig, dass Jerome mit seiner Schnelligkeit dagegenhält", begründete der Bundestrainer diese Personalentscheidung.

Löw zufrieden

Löw war insgesamt zufrieden mit der Leistung des gebürtigen Berliners: "In der Defensive hat er seine Sache gut gemacht. Ich der Offensive konnte man nicht erwarten, dass er Akzente setzt."

Auch Jerome Boateng, der über eine Verhärtung in der Wade klagte und ausgewechselt wurde, konnte mit seiner insgesamt unspektakulären WM-Premiere leben:

"Ein, zwei Sachen kann ich noch verbessern. Für das erste Spiel bin ich zufrieden. Wir haben gewonnen, deshalb bin ich glücklich", sagte er, nachdem sein Traum in Südafrika wahr geworden war.

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