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Arne Friedrich absolvierte gegen Ghana sein 75. Länderspiel für Deutschland © getty

Kaum steht die Achtelfinalpaarung Deutschland gegen England fest, läuft den Beteiligten schon das Wasser im Munde zusammen.

Aus Südafrika berichtetMartin van de Flierdt

Centurion ? Die Pflicht gegen Ghana hat die deutsche Mannschaft mit wackeligen Knien, aber letztlich erfolgreich gemeistert.

Der Kontrahent im Achtelfinale am Sonntag (So., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) ist nun deutlich namhafter(Der WM-Spielplan) .

Angst verspüren die DFB-Kicker deshalb nicht. Das Gegenteil ist der Fall.

"England ist ein geiler Gegner", meinte Thomas Müller. Joachim Löw drückte sich etwas gewählter aus.

"Das ist natürlich etwas ganz Besonderes", urteilte er. "Dieses Spiel lebt allein von der Geschichte. Da gibt es so viel zu erzählen."

31 Mal haben die beiden großen Fußballnationen bislang gegeneinander gespielt. Zehn Partien gewann Deutschland, sechs endeten unentschieden, 15 sahen die Briten als Sieger.

Drei fußball-historische Epen

Drei von bislang vier Begegnungen in WM-Endrunden waren Fußball-Epen, die zumindest in die Verlängerung gingen.

Für das Wembley-Tor und die Niederlage im Finale 1966 in London (4:2 n.V.) revanchierte sich die deutsche Mannschaft vier Jahre später im Viertelfinale in Mexiko (3:2 n.V.).

Auf dem Weg zum bis dato letzten deutschen Triumph 1990 in Italien gab es im Halbfinale ein 5:4 nach Elfmeterschießen.

"Das Spiel kommt viel zu früh", schreibt Franz Beckenbauer daher in der "Bild". "Ein solches Spiel sollte ein Halbfinale sein, nicht schon ein Achtelfinale. Das waren immer die größten, unvergesslichen Spiele unserer Geschichte."

"Das Spiel schlechthin"

Auch die Begegnung in Bloemfontein werde "bestimmt wieder eine tolle Fußball-Schlacht. Für uns Europäer ist es das Spiel schlechthin." Der "Kaiser" weiß, wovon er spricht. 1966 und 1970 stand er auf dem Platz, 1990 als Teamchef gleich daneben.

"That?s what we call a Klassiker", hatte er in einem seiner unzähligen Bonmots einmal über diese Paarung gesagt, die von Teilen der englischen Presse gewohnt wortgewaltig kommentiert wurde:

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"Macht Euch bereit für die deutsche Kriegsmaschine - der alte Feind hat das Achtelfinale gegen England gebucht", titelte das Boulevardblatt "The Sun".

"Daily Mail" nimmt Beckenbauer aufs Korn

Angenehm zurückhaltend freut sich der "Independent" auf ein "Duell, bei dem einem das Wasser im Mund zusammenläuft".

Die "Daily Mail" nahm Beckenbauer aufs Korn, der nach dem englischen Auftaktspiel gegen die USA einen "Rückfall in den Kick and Rush" diagnostiziert hatte: "Kick And Crush For You, Franz." Die "Times" ergänzte: "England ist rachedurstig."

Löw schätzt die bisherigen Darbietungen der "Three Lions" am Kap ambivalent ein. "Sie haben sich schwer getan. Aber oft kommen Mannschaften erst im Laufe eines Turniers auf Touren", sagte der Bundestrainer 254003(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

"Sie haben hervorragende Spieler: Frank Lampard, Steven Gerrard oder Wayne Rooney. Die sind hochgefährlich und haben viel Erfahrung."

Engländer überspielt?

Diese Routine haben sie der jungen deutschen Mannschaft voraus. Beckenbauer hält die Briten allerdings für überspielt. "Was für Deutschland spricht: Unsere Power! Die Engländer wirkten müde", urteilte er.

"Die Premier-League-Profis müssen weitaus mehr Spiele als ihre Bundesliga-Kollegen absolvieren. Deshalb sind sie oft bei den WM- oder EM-Turnieren ausgebrannt."

Auch Arne Friedrich glaubt, dass die jugendliche Frische der deutschen Auswahl den abgezockten Engländern durchaus gefährlich werden kann (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Angst vor dem Worst Case

"Es treffen da zwei Extreme aufeinander. Das kann ein Vorteil sein, wenn wir die Hemmung aus unseren Köpfen bekommen und zur Leichtigkeit des Australien-Spiels zurückfinden", erklärte der Noch-Berliner. 253922(DIASHOW: DFB-Elf in der Einzelkritik)

"Wir waren gegen Ghana verunsichert und hatten Angst vor dem Worst Case. Jetzt ist der Druck nicht mehr ganz so groß, vielleicht spielen wir da etwas befreiter."

Bei allem jugendlichen Sturm und Drang muss die deutsche Mannschaft vor allem Rooney immer im Auge haben. Der Angreifer von Manchester United hatte schon Mitte der vergangenen Woche verkündet, wie gerne er Deutschland auf die Heimreise schicken würde.

Lehmann: England "ist mulmig"

"Rooney kann immer explodieren und ist nur schwer zu bremsen", warnt Löw. "Das wird für unsere Abwehr eine große Aufgabe."

Verteidigt die DFB-Defensive wie gegen Ghana, sagt Friedrich, "wird es böse enden. Wenn Rooney eine Chance kriegt, macht er sie rein. Aber wir sind auf der Hut."

Der Verteidiger, bester deutscher Feldspieler gegen die Afrikaner, sieht seine Mannschaft zwar als "leichten Außenseiter. Aber ich habe ein gutes Gefühl, dass wir am Sonntag als Sieger vom Platz gehen werden."

Beim Gegner, ist der ehemalige England-Legionär Jens Lehmann überzeugt, sieht die emotionale Lage anders aus: "Die Jungs haben mehr Respekt vor uns als umgekehrt", meinte der Ex-Nationaltorwart bei "Sky". "Ich weiß: Denen ist mulmig."

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