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Per mertesacker debütierte 2004 in der deutschen Nationalmannschaft © getty

In Südafrika zeigt Per Mertesacker bisher ungewohnte Schwächen. Die Partie gegen England kommt dem Bremer aber gerade recht.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Es fällt auf, weil er normalerweise nicht auffällt.

Zumindest nicht negativ. Seit seinem Debüt im Oktober 2004 ist Per Mertesacker eine Bank in der Abwehr der deutschen Nationalmannschaft (Der WM-Spielplan) .

"Er ist ein sehr erfahrener Spieler, der in den zurückliegenden Spielen für uns immer seine Leistung gebracht hat und ein großer Rückhalt war", sagt Hansi Flick, der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw.

Aktuell ist das ein wenig anders. Der Rückhalt in der deutschen Abwehr heißt Arne Friedrich, Mertesacker hat zum ersten Mal in seiner Länderspielkarriere offensichtliche Probleme.

"Zu meiner Bestform fehlt noch einiges. Da bin ich selbstkritisch", sagte Mertesacker nach dem Abpfiff zur eigenen Leistung. "Es wird viel zu sprechen sein über einzelne Szenen, ganz klar."

"Unglücklich" gegen Ghana

"Ihm ist in der ersten Halbzeit gegen Ghana der eine oder andere Ball weggesprungen, das sah unglücklich aus", urteilte Löw. Aus diesen Stockfehlern des 25-Jährigen entsprangen jeweils brandgefährliche Angriffe der Afrikaner 253922(DIASHOW: DFB-Elf in der Einzelkritik) .

Flick glaubt, dass Mertesacker gegen Ghana die Marschroute der Sportlichen Leitung überinterpretiert hat 254003(DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Zu viel Risiko

"Wir haben gesagt, wir wollen möglichst in den ersten 30 Minuten das 1:0 machen", erklärte er. "Da ist das eine oder andere Mal zu viel Risiko gespielt worden, wo man den Ball lieber hätte sichern müssen. Da hatte Per öfters den offensiven Gedanken."

Der Bremer deutete zudem an, dass ihm die Höhenlage Johannesburgs zu schaffen gemacht hat.

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"Ich spüre, dass das hier ein anderes Land ist mit anderen Begebenheiten als in Deutschland. Aber ich denke, da muss man jetzt einfach durch", sagte er.

"Man muss auch mal ein schlechteres Spiel machen, um daraus gestärkt hervorzugehen."

Rückendeckung von Friedrich

Nebenmann Friedrich sieht daher keinen Grund, Mertesacker in Frage zu stellen.

"Natürlich hat er bisher nicht sein bestes Turnier gespielt. Aber er ist eine absolute Führungsfigur und hat in den letzten Jahren immer Leistung gebracht", erinnerte der Berliner.

"Ihm sei es zugestanden, dass auch er mal Spiele hat, in denen es nicht so gut läuft. Da sind dann andere Leute gefragt, das aufzufangen."

Steigerung gegen England zwingend nötig

Dass vorrangig er selbst diese Aufgabe übernimmt, sagte Friedrich nicht. Weil es jeder weiß.

Im Achtelfinale gegen England (ab 15.30 Uhr im LIVE-Ticker) wird er allein die Abwehrzentrale nicht halten können.

"Wenn wir so verteidigen wie gegen Ghana, dann wird das böse enden", befürchtet Friedrich. "Aber Per ist ein überragender Spieler. Ich bin mir sicher, dass er gerade in den nächsten Spielen wieder seine alte Stärke zeigt."

Löw zuversichtlich

Mit dieser Ansicht steht der 31-Jährige nicht alleine da. "Per Mertesacker ist vor allem dann stark hinten, wenn es gegen Gegner geht, die viel Druck machen und mit Flanken operieren", urteilt Löw.

Von daher dürfte dem 1,98-Meter-Mann die englische Spielweise entgegenkommen. Er selbst hat vor der Aufgabe Wayne Rooney Respekt, sie hat für ihn allerdings einen gravierenden Vorteil.

"Die Fähigkeiten von Rooney sind unbestritten. Aber er ist ein Spieler, den man schon ein bisschen kennt, vor allem auch den Bewegungsablauf", erläutert Mertesacker (GAMES: Das WM-Tippspiel) .

"Das war bei Ghana nicht so der Fall. Da kannte man erheblich weniger Spieler aus dem Fernsehen."

Er ist also vorbereitet. Zumindest mental. Denn ob der Körper bei seinem 66. Länderspiel am Sonntag wie gewünscht mitmacht, ist fraglich. Schließlich liegt auch Bloemfontein auf 1400 Metern Höhe.

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