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Philipp Lahm debütierte am 18. Fabruar 2004 n Kroatien für die A-Nationalmannschaft © getty

Löw und Lahm kündigen England einen harten Kampf an. Der Trainer warnt vor den "Three Lions" und zittert um sein "Herz".

Von Matthias Becker und Martin van de Flierdt

Centurion/München - Mit so einer guten Vorlage hatte Philipp Lahm nicht gerechnet.

Zwei Tage vor dem Achtelfinal-Kracher gegen England (So., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) fragte ein britischer Journalist den Kapitän der Nationalelf bei der Pressekonferenz im im DFB-Quartier nach der morgendlichen Safari der deutschen Kicker:

"Haben Sie drei Löwen gesehen - und haben Sie sich gefürchtet?"

Lahm lächelte verschmitzt und gab die Stichelei mit Anspielung auf die Wappentiere des englischen Nationalteams gleich zurück.

Man habe lediglich Baby-Löwen gesehen und gestreichelt. Eine Behandlung, die Englands Fußballer am Sonntag nicht erwarten dürfen: "Wir werden aggressiv zur Sache gehen und um jeden Zentimeter kämpfen."

"Keiner wird zurückweichen"

Das Verbalduell vor dem Klassiker ist also endgültig eröffnet. Und mit Bundestrainer Joachim Löw und Kapitän Lahm fuhr der DFB am Freitag seine schwersten Geschütze auf.

"Wir sind in der Lage, sie zu schlagen", versicherte Löw und versprach: "Wir werden wie immer bei wichtigen Spielen nicht mit Angst, sondern mit Mut auftreten. Keiner wird zurückweichen oder klein beigeben."

Man wisse ganz genau "was England auszeichnet und wo sie ihre Probleme haben".

Löw nimmt Mertesacker in Schutz

Vor allem auf die Defensive komme gegen die Engländer Schwerstarbeit zu. "Wenn wir es nicht schaffen, kompakt zu stehen, werden sie die Räume ausnutzen und kaum zu halten sein", erklärte Löw.

Sein Kapitän kennt diese Vorgabe und nimmt die Kollegen in die Pflicht. "Wir müssen mit Überzeugung auftreten, müssen den Ball besser laufen lassen", sagte Lahm:

"Wir dürfen in der Defensive nicht so viele Chancen zulassen und vor allem nicht so viele Fehler machen wie gegen Ghana. Jeder Fehler kann entscheidend sein."

Eine Fehlerquelle im Spiel gegen die Afrikaner war der sonst so souveräne Abwehrchef Per Mertesacker. Auf den kommt es im Spiel gegen die Engländer aber besonders an, weshalb Löw ihn auch gleich in Schutz nahm. (253922DIASHOW: Einzelkritik Ghana - Deutschland)

"Per war in wichtigen Spielen immer eine Stütze. Er hat gezeigt, dass auf ihn hundertprozentig Verlass ist. Er wird mit seiner Kopfballstärke sehr wichtig sein", sagte der Bundestrainer.

Der macht sich weiterhin in erster Linie Sorgen um den angeschlagenen Bastian Schweinsteiger. "Bastian ist das Herz, der Motor unserer Mannschaft. Es wäre sicher nicht von Vorteil, wenn er nicht dabei wäre." Bei Schweinsteiger, wie auch beim ebenfalls muskelverletzten Jerome Boateng, wird es ein Kampf gegen die Zeit.

Philipp Lahm ist aber zuversichtlich, dass Klubkamerad Schweinsteiger rechtzeitig fit wird. "Ich bin sicher, dass Basti spielen wird. Er ist ein Kämpfer", versicherte der DFB-Kapitän.

Jugendliche Spielfreude

Wer auch immer am Sonntag von Beginn an auflaufen wird, gegen England wird es eine ganz harte Nuss. Der Bundestrainer, dessen junges Team gegen Ghana arg verkrampft auftrat, gibt sich deshalb große Mühe, den "Three Lions" die Favoritenrolle zuzuschieben.

"Die Achse Terry - Lampard - Gerrard - Rooney ist die höchste Qualität, die es in Europa gibt", schwärmte Löw, für den die Engländer schon vor Turnierbeginn zu den absoluten Favoriten zählten.

Das Spiel in Bloemfontein werde zum "Duell zwischen jugendlicher Spielfreude und individueller Klasse."

Lahm kokettiert mit Elfmeterschießen

Ob er seinen spielfreudigen Dribblern gegen England wieder den erfahrenen Miroslav Klose als Leuchtturm in der Sturmmitte gönnt, wollte Löw noch nicht sagen, bemerkte aber auch: "Es ist gut, dass Miro wieder zur Verfügung steht."

Die individuelle Klasse der Engländer verkörpert vor allem Wayne Rooney, auch wenn der Superstar der Engländer bislang eine durchwachsene WM spielt. "Ein Rooney ist nur schwer auszuschalten", weiß auch Philipp Lahm.

Eines dürfte aber sicher sein: Ein Elfmeterschießen gegen Deutschland wird auch Rooney ein Graus sein. "Wir haben sehr gute Schützen. Da brauchen wir uns keine Sorgen zu machen", schiebt Lahm deshalb mit einem Lächeln und Blick auf den englischen Journalisten nach.

Die erste Runde im Verbalduell hat das DFB-Team schon einmal gewonnen.

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