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England holte 1966 den Weltmeistertitel im eigenen Land © getty

Der verletzte "Capitano" heizt vor dem Klassiker gegen England die Stimmung an und setzt aufs DFB-Team. England fürchtet Elfmeter.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Bloemfontein - Eigentlich müsste Michael Ballack die Füße ja still halten.

Der Nationalmannschaftskapitän kuriert derzeit seinen Syndesmoseriss im rechten Fuß aus.

Der Achtelfinal-Kracher zwischen der DFB-Elf und England (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) im fernen Südafrika sorgt aber auch beim "Capitano" für Kribbeln.

"Wegen solcher Spiele wurde die WM erfunden. Es herrscht eine gesunde Rivalität", sagte Ballack der "Bild am Sonntag".

"Die Partie ist für die Spieler und alle Fans ein Highlight."

"Ich bin vom Weiterkommen überzeugt"

Dass die junge deutsche Mannschaft vor der Aufgabe erstarren könnte, glaubt Ballack allerdings nicht. "Ich bin von unserem Weiterkommen überzeugt", erklärte der Neu-Leverkusener.

Zum einen hätten die Engländer "riesige Angst" vor dem deutschen Team, zum anderen sei "unser Trumpf die mannschaftliche Geschlossenheit".

Die Favoritenrolle, die den "Three Lions" aufgrund der namhafteren Einzelspieler zugeschoben werde, werde das englische Team zusätzlich unter Druck setzen:

"Wir dürfen jetzt bloß keinen Respekt zeigen. Unsere junge Mannschaft hat sich bisher in jedem Spiel weiterentwickelt."

Die starke englische Achse durchbrechen

Von zentraler Beduetung wird es für das deutsche Team sein, die starke englische Achse Terry - Lampard - Gerrard - Rooney zu durchbrechen, stellte Ballack fest.

Dessen Reiseplanung ist Beweis für seinen Optimismus. "Dienstag oder Mittwoch fliege ich nach Südafrika. Da bleibe ich dann bei der Nationalmannschaft."

Die findet er am Kap nur dann vor, wenn es gegen die Engländer einern Erfolg gibt.

Bis zu diesem könnte am Nachmittag aber einige Zeit vergehen. Das verrät ein Blick ins Geschichtsbuch.

Vier Mal traf Deutschland bei einer WM bislang auf die "Three Lions". Immer stand es nach 90 Minuten unentschieden.

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Während die Briten im Finale 1966 nach Verlängerung mit 4:2 triumphierten, hatte das DFB-Team 1970 im Viertelfinale nach 120 Minuten mit 3:2 das bessere Ende für sich.

Unvergessenes Halbfinale von 1990

1982 gab es in der Zwischenrunde ein karges 0:0. Nach der bis dato letzte WM-Begegnung 1990 bejubelten die deutschen Anhänger einen 5:4-Halbfinalerfolg nach Elfmeterschießen und anschließend den Titel.

Da sie auch im EM-Halbfinale 1996 im Nervenspiel vom Punkt an Deutschland scheiterten (6:7), würden einige Briten gerne auf eine Neuauflage im Free State Stadium von Bloemfontein verzichten.

"Ich hoffe, dass wir das nicht erleben. Wir wollen das Spiel in 90 Minuten gewinnen, spätestens in der Verlängerung", sagte Torhüter David James.

Die Engländer haben "mächtig Angst vor einem möglichen Elfmeterschießen gegen uns", stichelte Ballack.

DFB-Team trainiert Elfmeter

Wie die Engländer hat die deutsche Mannschaft vor der Abreise im Training reichlich Strafstöße geschossen.

"Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass Deutschland im Elfmeterschießen immer gewinnt", mahnte Teammanager Oliver Bierhoff aber am Samstag.

"Wir wollen das deshalb schon vorher klären."

Ein Viertelfinaleinzug, egal wie er zustande kommt, hätte für die deutschen Spieler übrigens einen nennenswerten Zusatzeffekt.

Er würde jedem einzelne eine erste Prämie von 50.000 Euro sichern.

SPORT1 hat die Fakten zum Spiel:

Die Bilanz:

Die DFB-Auswahl hat sich bislang 31 Mal mit England duelliert. Dabei behielt das Fußball-Mutterland 15 Mal die Oberhand, Deutschland zehn Mal, sechs Spiele endeten remis.

Die letzte Auseinandersetzung am 19. November 2008 entschieden die Briten in Berlin mit 2:1 für sich.

Patrick Helmes traf für das DFB-Team, Matthew Upson und John Terry erzielten die Tore für England.

Spieler im Fokus:

Bastian Schweinsteiger: Spielt der deutsche Vize-Kapitän oder nicht? Wenn ja, stellt sich die Frage, ob er tatsächlich im Vollbesitz seiner Kräfte ist oder ihn die malade Oberschenkelrückseite in seinem Spiel beeinträchtigt.

Mesut Özil: Gegen Ghana gelang dem Bremer fast nichts, dann traf er spektakulär zum 1:0. Das deutsche Angriffsspiel ist davon abhängig, dass Özil gut aufgelegt ist.

Ob er das nach dem Tod seiner Großmutter in der Nacht zum Freitag überhaupt schon wieder sein kann, ist offen.

Miroslav Klose: Der Angreifer hat während des Ghana-Spiels laut Bundestrainer Löw sehr gelitten. Nun bietet sich die Chance zur Wiedergutmachung für den Platzverweis im Serbien-Spiel. Klose wird sie nutzen wollen.

Wayne Rooney: Der englische Star-Stürmer hat vollmundig angekündigt, Deutschland heimschicken zu wollen, wartet aber noch auf sein erstes Turniertor. Seine Knöchelblessur ist inzwischen ausgestanden.

"Rooney ist zwar bei der WM noch nicht ins Rollen gekommen", sagte Michael Ballack, "dass bei ihm aber der Knoten platzt, ist nur eine Frage der Zeit".

Das Achtelfinale könnte allerdings Rooneys letzte Chance in Südafrika sein.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: 1 Neuer - 16 Lahm, 17 Mertesacker, 3 Friedrich, 14 Badstuber (20 Boateng) - 6 Khedira, 7 Schweinsteiger (18 Kroos) - 13 Müller, 8 Özil, 10 Podolski - 11 Klose

England: 1 D. James - 2 G. Johnson, 6 Terry, 15 Upson (20 King) , 3 A. Cole - 8 Lampard, 14 Barry - 16 Milner, 4 Gerrard - 19 Defoe, 10 Rooney

Schiedsrichter: Larrionda (Uruguay)

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