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Das 1:0 gegen England war bereits Miroslav Kloses (M.) 50. Länderspieltor © getty

Deutschland schlägt England in einem Drama mit historischen Dimensionen. Der doppelte Müller rettet die schwankende Abwehr.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Bloemfontein - Dank eines überragenden Konterspiels steht die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale der WM in Südafrika.

In einem begeisternden Match setzte sich die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw im Achtelfinale von Bloemfontein gegen England mit 4:1 (2:1) durch.

Damit steht das DFB-Team weiterhin seit 1982 bei jedem WM-Turnier unter den besten Acht.

Miroslav Klose (20.), Lukas Podolski (32.) und Thomas Müller (67./70.) trafen für Deutschland.

Matthew Upson verkürzte zwischenzeitlich auf 2:1 (37.). Dazu hatte die deutsche Mannschaft Glück, dass ein klares Tor von Frank Lampard (die 255871Bilder) nicht gegeben wurde (38.).

So kassierten die Engländer die höchste Niederlage ihrer WM-Geschichte.

Müller: "Jetzt ist alles möglich"

"Das Ergebnis ist der Wahnsinn", sagte der zweifache Torschütze Thomas Müller und ergänzte: "Jetzt ist alles möglich, auch wenn ein harter Brocken auf uns wartet."

Bundestrainer Joachim Löw genoß ebenfalls den Sieg und sagte über seine Halbzeitansprache:

"Ich habe meiner Mannschaft in der Pause gesagt, wir müssen versuchen, das dritte Tor zu erzielen. Wir wussten, dass wir über Konter zum Erfolg kommen können, weil England aufmachen muss. Das haben unsere Spieler glänzend umgesetzt."

Capello verärgert über Schiedsrichter-Fehler

Die Engländer haderten indes mit der Fehlentscheidung von Schiedsrichter Jorge Larrionda.

"Es wäre für uns sehr wichtig gewesen, das zweite Tor anerkannt zu bekommen", sagte Englands Teammanager Fabio Capello.

"Ich verstehe nicht, warum wir in unser heutigen Zeit mit soviel Technologie immer noch über solche Dinge reden müssen. Es hätte 2:2 stehen müssen. Was danach passiert, war enttäuschend aufgrund der Fehler."

Schweinsteiger und Boateng dabei

Vor 40.510 Zuschauern im Free State Stadium hatte Löw exakt die gleiche Mannschaft aufgeboten, die schon beim hart erkämpften 1:0-Erfolg gegen Ghana auf dem Platz stand.

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Bastian Schweinsteiger und Jerome Boateng hatten nach ihren Muskelblessuren rechtzeitig grünes Licht gegeben und spielten von Anfang an.

Auch Fabio Capello setzte auf Bewährtes. Der Italiener bot für die Briten die identische Elf auf, die im Gruppenfinale gegen Slowenien 1:0 gewonnen hatte.

Özils frühe Chance

Beide Mannschaften verschwendeten nicht viel Zeit mit Abtasten.

Nachdem Wayne Rooney wegen einer umstrittenen Abseitsstellung zurückgepfiffen worden war (4.), tauchte Mesut Özil nach Steilpass von Schweinsteiger frei vor David James auf. Doch der englische Torwart parierte Özils Rechtsschuss mit dem Fuß (5.).

Die DFB-Auswahl versuchte in der Folge, das englische 4-4-2 mit Direktkombinationen auszuhebeln, blieb aber in dieser Phase im Passspiel noch unpräzise.

Der Führungstreffer fiel daher anders. Nach einem langen Abstoß Manuel Neuers verschätzte sich John Terry. Klose schüttelte Upson ab und grätschte den Ball an James zum 1:0 ins Netz (20.). Es war Kloses 50. Länderspieltreffer im 99. Einsatz.

Trio liegt vor Klose

In der ewigen WM-Torjägerliste werden seine zwölf Tore nur noch von Ronaldo (15), Gerd Müller (14) und Just Fontaine (13) überboten.

Um ein Haar hätte Klose gleich nachgelegt. Doch nach sehenswerter Ballstafette über Müller und Sami Khedira scheiterte er aus sieben Metern an James (30.).

Das 2:0 war aber nur geringfügig aufgeschoben. Schon zwei Minuten später schickte Klose Müller mit einem Lupfer auf die Reise. Der Münchner legte auf Podolski quer, der den Ball durch die Beine von James in die Maschen setzte (32.).

Neuer stark gegen Lampard

Im Gefühl der scheinbar sicheren Führung ließen die Deutschen in der Rückwärtsbewegung die Zügel schleifen. Das hatte in der 34. Minute noch keine Folgen, als Neuer einen Abschluss Lampards aus Nahdistanz parierte.

Doch kurz darauf stand es 2:1. Bei einer kurz ausgeführten Ecke schlief die komplette Mannschaft.

Steven Gerrard nahm am rechten Sechzehnmetereck Maß und bediente den sträflich ungedeckten Upson mit einer Maßflanke. Der Innenverteidiger kam deutlich vor Neuer an den Ball und verkürzte per Kopf (37.).

Wembley lässt grüßen

Unmittelbar danach hätte es 2:2 stehen müssen. Doch das uruguayische Schiedsrichtergespann um Jorge Larrionda gab ein klares Tor Lampards nicht.

Nach dessen Distanzschuss war der Ball von der Lattenunterkante einen knappen Meter hinter die Torlinie und wieder ins Feld gesprungen (38.). So rettete die DFB-Auswahl die knappe Führung in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel blieb England am Drücker. Lampard setzte einen Freistoß aus 30 Metern an die Querlatte (52.). Nach zu kurzem Rückpass von Philipp Lahm rettete Neuer per Grätsche vor Jermain Defoe (57.).

Müller und Schweinsteiger am Ziel vorbei

Das DFB-Team kam zunächst seltener zur Entlastung. Müller (60.) und Schweinsteiger (65.) verzogen jeweils von der Strafraumgrenze knapp.

Dann setzten die Deutschen zwei perfekte Konter. Nach einem abgeblockten Freistoß Lampards überbrückten Schweinsteiger und Müller das gesamte Spielfeld.

Schweinsteigers Zuspiel verwandelte Müller aus 14 Metern mit einem Schuss ins Torwarteck, das James frei gemacht hatte, zum 3:1 (67.).

Müller macht gleich noch ein Tor

Gleich darauf schickte Klose Özil an der linken Seitenauslinie steil. Der Bremer überspurtete Gareth Barry, legte dann mit einem Tunnel gegen Ashley Cole auf Müller quer, der aus sieben Metern zum 4:1 vollstreckte (70.).

Löw gönnte anschließend Müller und Klose die verdiente Ruhepause, brachte Piotr Trochowski und Mario Gomez ins Spiel (72.).

Gerade Trochowski trug viel dazu bei, dass die deutsche Mannschaft in der Folge klug den Ball laufen ließ.

Die Engländer wurden in der Schlussphase nur noch selten gefährlich. Die beste Möglichkeit, einen Schuss von Gerrard aus Nahdistanz, lenkte Neuer mit den Fingerspitzen um den Pfosten (80.).

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