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Per Mertesacker ist seit 2004 deutscher Nationalspieler © getty

Der Jubel ist nach dem Erfolg über England riesengroß. Auf den aberkannten Treffer von Lampard reagiert Mertesacker mit Humor.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Bloemfontein - Sie hatten reichlich Grund zu feiern in der Kabine. Und sie taten es.

"Wir haben Musik gehört und das eine oder andere Bier getrunken", verriet ein strahlender Kapitän Philipp Lahm nach dem begeisternden 4:1 (2:1)-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft im WM-Achtelfinale gegen England (die 255871Bilder).

Jetzt geht es im Viertelfinale gegen Argentinien (Sa. ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER), das sich mit 3:1 gegen Mexiko durchsetzte.

"Eine grandiose Leistung"

Die DFB-Auswahl war am Sonntagmittag nach dem erzitterten 1:0-Sieg gegen Ghana mit viel Skepsis in die Begegnung mit dem Erzrivalen gegangen.

Doch was sie dann auf den Rasen des Free State Stadiums von Bloemfontein brachte, war bärenstark. "Ich habe schon einige gute Spiele meiner Mannschaft gesehen", meinte Bundestrainer Joachim Löw.

"Aber das war heute zweifellos von unserer jungen Mannschaft eine grandiose Leistung gegen erfahrene Engländer. Wir haben taktisch hervorragend gespielt."

Von der ersten Minute an, meinte Miroslav Klose, "waren wir im Spiel, griffig und am Mann dran".

Das galt auch für den Stürmer selbst. Nach seiner Gelb-Rot-Sperre stellte der Münchner mit seinem 50. Länderspieltor die Weichen auf Sieg.

DFB-Team lässt nach

Die Vorlage zum 1:0 kam von Torhüter Manuel Neuer:

"Miro hat mir vorher ein Zeichen gegeben und hat gesagt, ich soll richtig unter den Ball drunterhauen", sagte Neuer nach dem Spiel SPORT1.

"Er hat sich dann gut gegen Matthew Upson durchgesetzt und einen super ersten Kontakt hingelegt."

Dieser erste Kontakt reichte, um Englands Torwart David James zu überwinden (20.).

Nach dem 2:0 durch Lukas Podolski (32.) ließ die deutsche Mannschaft allerdings die Zügel schleifen. "Es gab eine kurze Phase, in der das Spiel hätte kippen können", räumte Per Mertesacker ein.

"Nämlich als das 2:1 fällt und auch das 2:2."

Lampards Treffer aberkannt

Anders als dem Anschlusstreffer durch einen Kopfball von Upson nach deutscher Schläfrigkeit bei einer kurz ausgeführten Ecke (37.) verweigerte der uruguayische Schiedsrichter Jorge Larrionda dem zweiten englischen Treffer durch Frank Lampard (38.) die fällige Anerkennung.

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Sein Assistent Mauricio Espinosa hatte kein Tor angezeigt, obwohl der Ball von der Querlatte klar hinter die Torlinie gesprungen war.

"Deutlicher kann es nicht sein. Es ist doch fast ein halber Meter", meinte Franz Beckenbauer bei "Sky".

"Das hätte der Linienrichter sehen müssen." Vielleicht tat er es nicht, weil Neuer geistesgegenwärtig reagierte.

Neuer clever

"Ich wusste, ich musste zügig zum Ball gehen und das Spiel gleich wieder schnell machen, damit der Schiedsrichter erst gar nicht darüber nachdenken kann", schilderte er die Szene.

"Wenn ich nach rechts und links geschaut hätte, hätte er es sich vielleicht überlegt."

Dass er es nicht tat, nahm Mertesacker mit Amüsement zur Kenntnis. "Man sieht sich eben immer zwei Mal im Leben", sagte der Bremer. "Das eine Mal war 1966, das andere 2010."

Englands Trainer Fabio Capello war für diesen Humor verständlicherweise nicht empfänglich. "Es wäre für uns sehr wichtig gewesen, das zweite Tor anerkannt zu bekommen", meinte der Italiener.

Capello sauer

"Ich verstehe nicht, warum wir in unser heutigen Zeit mit soviel Technologie immer noch über solche Dinge reden müssen."

Was dann nach der Pause geschehen ist, sei "aufgrund unserer Fehler sehr enttäuschend" gewesen: "Die Deutschen haben ihre Konter sehr gut gefahren."

Ein schlichter Satz, der die beiden spektakulären Treffer von Thomas Müller (67./70.) nach sehenswerten, temporeichen Spielzügen aber treffend zusammenfasste.

Lob für Müller

"Thomas Müller hat unglaubliche Qualitäten. Er verkrampft nie, trotz seiner jungen Jahre zeigt er keinen Hauch von Nervosität", schwärmte Löw vom "Man of the Match", der schon Podolskis 2:0 aufgelegt hatte.

"Mit welcher Kaltschnäuzigkeit er die Tore macht, ist schon phänomenal." Im Viertelfinale, das die deutsche Mannschaft seit 1982 bei jeder WM erreicht hat, spielt die DFB-Auswahl nun am nächsten Samstag in Kapstadt gegen Argentinien.

Dann werden die englischen Profis bereits im Urlaub sein. Nach der höchsten Niederlage ihrer WM-Geschichte zeigten sie allerdings Größe.

"Ich stelle mich nicht hierhin, um zu sagen, wir hätten nur verloren, weil der Schiedsrichter das Tor nicht gegeben hat", sagte Steven Gerrard.

"Die Deutschen waren die bessere Mannschaft. Sie haben hochverdient gewonnen. Wir waren individuell nicht gut genug. Das nicht gegebene Tor ist keine Entschuldigung."

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