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Miroslav Klose spielt in Südafrika bereits seine dritte Weltmeisterschaft © getty

Miroslav Klose schoss sich mit seiner starken Leistung gegen England auf eine Stufe mit Pele. Doch er will noch mehr.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion ? Er ist keiner, der vor die Mikrofone drängt.

Und wenn, dann spricht er ruhig und bedächtig, fast leise. Seine Stimmlage variiert kaum. Ob er eines seiner viele wertvollen Tore beschreibt oder zu seinem Platzverweis gegen Serbien Stellung nimmt ? am Tonfall ändert sich nichts.

Miroslav Klose taugt auch im zehnten Jahr seiner Länderspielkarriere nicht zum Lautsprecher oder Coverboy.

Er hat es inzwischen trotzdem zu einem Großen des Weltfußballs geschafft. Das muss man so deutlich konstatieren. Denn die Zahlen sprechen für sich..

Gleichauf mit Pele

Kloses Tor zum 1:0 im Achtelfinale gegen England war sein 12. WM-Treffer. Damit zieht er mit niemand Geringerem als Pele gleich. Nur Ronaldo (15), Gerd Müller (14) und Just Fontaine (13) trafen bei Endrunden noch häufiger.

Mit 50 Länderspieltoren nach 99 Einsätzen ist Klose zudem hinter Müller (68) und Joachim Streich (55) Deutschlands drittbester Torjäger aller Zeiten.

"Es ist etwas Großartiges für einen Fußballer, so etwas erreicht zu haben", meinte der 32-Jährige. "Das Schöne ist, ich bin noch nicht am Ende. Es kann noch das eine oder andere Tor hinzukommen. Das ist mein Ziel."

An drei Toren direkt beteiligt

Gegen die Engländer knüpfte Klose nach einer sehr durchwachsenen Saison bei Bayern München und der umstrittenen gelb-roten Karte gegen Serbien an beste Zeiten an.

Das 1:0 markierte er selbst, das 2:0 und 4:1 leitete er mit präzisen Pässen ein.

"Ich kann eben einschätzen, wie weit Manuel Neuer den Ball schießen kann", beschrieb er das Zustandekommen seines Tores.

"Ich habe mich extra ein bisschen weiter zurückfallen lassen und ihm mit der Hand angedeutet, dass er mal richtig dagegenhauen soll. Der Ball hat zwei, drei Mal die Flugkurve geändert und ist dann glücklicherweise in meine Richtung geflogen. Dann musste ich mich nur noch durchsetzen und den Ball reinmachen. Das war dann nicht mehr so schwierig."

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Engländer ohne "Messer zwischen den Zähnen"

Pures Understatement, denn nicht jeder Angreifer hätte den englischen Verteidiger Matthew Upson derart stehen lassen und den Ball ins Tor gezwungen. Mit einer Überzeugung, die Klose beim Gegner vermisste.

"Ich hatte mir vorgestellt, dass die Engländer mit dem Messer zwischen den Zähnen rauskommen", verriet er. "Nach fünf bis sieben Minuten habe ich gesehen, dass das nicht der Fall war und wir dieses Spiel für uns entscheiden können."

Daher stößt Klose bei der Neuauflage des Viertelfinals von 2006 gegen Argentinien am Samstag (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Kapstadt als neunter Spieler in den illustren Kreis derjenigen vor, die mindestens hundertmal für Deutschland auf dem Platz standen.

Lob für die Kapitäne

Dass er trotz des verletzungsbedingten Fehlens von Michael Ballack nicht die Kapitänsbinde übernommen hat, stört ihn nicht.

"Ich kann Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger nur ein Kompliment machen, wie sie diese Mannschaft führen", sagte er. "Es ist wichtig, dass wir diese Führungsspieler überhaupt haben, nicht so sehr, wer die Binde trägt."

2006 streifte Klose im Viertelfinale gegen Argentinien mit seinem Treffer zum 1:1 den Makel ab, in den ganz bedeutenden Spielen nicht zu sehen zu sein. Dem Wiedersehen am Samstag blickt er entspannt entgegen.

Auf dem Papier unterlegen

"Wir haben die Kommentare nach dem Spiel am Sonntag gehört, dass die Argentinier Rache für 2006 nehmen wollen", berichtete er. "Aber wir sollten den Fokus auf uns richten."(die 255871Bilder)

Und zwar aus gutem Grund: "Wenn man die Namen durchgeht und den Eins-zu-Eins-Vergleich macht, ist Argentinien auf dem Papier einfach besser. Aber das war England auch. Wir schaffen es immer wieder, uns zu einer Einheit zusammenschweißen. Deshalb sind wir in der Lage, auch Argentinien weh zu tun." (Der Sport1-WM-Spielplaner)

Zuvor darf Klose wie seine Teamkollegen aber erstmal entspannen. Bis Dienstag um 23 Uhr haben die deutschen Auswahlkicker Ausgang. Ob er die Zeit nutzen werde, ein wenig mit seiner Liebsten zu kuscheln, wurde er gefragt.

Ein Freund des trockenen Humors

"Da meine Frau nicht da ist, muss ich das Kuscheln mit dem Harald machen", verwies Klose mit trockenstem Humor auf DFB-Mediendirektor Harald Stenger. "Da kann ich mir aber schon Schöneres vorstellen."

Was die Zuwendungen seiner Frau betrifft, muss der WM-Torschützenkönig von 2006 also noch Geduld aufbringen.

Das hat er auch bei Bayern München in der abgelaufenen Saison sehr oft tun müssen. "Bezüglich der Einsätze war die Spielzeit sicher nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe", räumte er ein. ?Aber von dem Training, das Louis van Gaal macht, kann ich viel lernen."

Ein Vereinswechsel steht daher für ihn nicht zur Debatte: "Bei unserem Trainer ist der Vorteil, dass jeder wieder bei null anfängt. Ich werde meine Chancen bekommen. Ich werde auf sie warten."

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