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Im Juni 2009 bestritt Manuel Neuer sein erstes A-Länderspiel für Deutschland © getty

Manuel Neuer hat mit einer Vorlage und seiner geistesgegenwärtigen Reaktion großen Anteil am deutschen Achtelfinal-Erfolg.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion ? Geistesgegenwart ist wohl das richtige Wort.

Denn gleich zwei Mal erfasste Manuel Neuer die Lage der Dinge blitzschnell und handelte.

So avancierte der deutsche Torhüter beim 4:1-Triumph gegen England im WM-Achtelfinale von Bloemfontein zu einem der Väter des Erfolges (255871die Bilder).

Zunächst bereitete er Miroslav Kloses 1:0 mit einem langen Abstoß direkt vor (20.), seine Reaktion beim nicht gegebenen Treffer von Frank Lampard (38.) sicherte dem Schalker zudem einen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern.

Keine Zeit zum Nachdenken

"Ich wusste, ich musste zügig zum Ball gehen und das Spiel gleich wieder schnell machen, damit der Schiedsrichter erst gar nicht darüber nachdenken kann, dass der Ball hinter die Linie gesprungen sein könnte", schilderte er SPORT1 die Szene, die Erinnerungen an das Wembley-Tor von 1966 wachrief.

"Wenn ich nach rechts und links geschaut hätte, hätte er es sich vielleicht überlegt." Das tat Jorge Larrionda aus Uruguay bekanntlich nicht, weil ihm sein Assistent Mauricio Espinosa den Treffer nicht signalisiert hatte (GAMES: Das WM-Tippspiel).

"Vielleicht habe ich durch meine Reaktion ein bisschen dazu beigetragen, dass er nicht gepfiffen hat", meinte Neuer. Er hätte mit Fug und Recht das "vielleicht" weglassen können.

Ein Ball mit dem richtigen Druck

Nach dem zweiten Gruppenspiel gegen Serbien hatte der 24-Jährige noch bemängelt, dass nicht alle Bälle voll aufgepumpt gewesen seien.

"Da wurden offenbar ein paar Bar vergessen", hatte er sich im SPORT1-Interview geärgert. "Das hat die Folge, dass man einen solchen Ball beim Bodenabstoß nicht so weit schießen kann wie normalerweise."

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Der Ball, den er in der 20. Minute im Free State Stadium zu fassen bekam, hatte aber ganz offensichtlich den richtigen Druck. Als die englische Viererkette weit aufgerückt war, drosch Neuer den Ball über sie hinweg in den Lauf von Klose, der zum 1:0 vollstreckte.

Ein Tor mit Vorgeschichte

"Wir hatten vorher darüber gesprochen, dass er beim Abstoß nicht im Abseits steht", verriet der Torwart. "In dem Moment hat mir Miro dann ein Zeichen gegeben, ich soll richtig unter den Ball drunterhauen. Wir wussten beide, dass er ihn kriegt."

Während ein erfahrener Star-Verteidiger wie John Terry von den Flugbahn des Balles völlig überrascht schien, hatte Klose in seinem Rücken schon zum Spurt angesetzt (Der SPORT1-WM-Spielplaner).

"Ich kann eben einschätzen, wie weit der Manuel den Ball schießen kann", begründete Klose seinen Wettbewerbsvorteil.

Kritik von Kahn

Der Torhüter erlebte gegen die Briten jedoch nicht nur Glanzmomente. "Beim Gegentor sah Neuer nicht gut aus", kritisierte Oliver Kahn.

Nach der Hereingabe von Steven Gerrard bei einer kurz ausgeführten Ecke kam Neuer zu spät, Matthew Upson köpfte zum zwischenzeitlichen 2:1 ein (37.).

"Ich habe gesehen, dass die Engländer in der Mitte waren und keiner dabei stand", erklärte Neuer sein Vorgehen. "Da habe ich versucht, mich vor dem Ball zu werfen, damit er mich anköpft. Das ist leider schief gegangen."

Wäre er auf der Linie geblieben, hätte ihm wohl niemand einen Vorwurf gemacht. Er hätte dort gegen den Kopfball aus Nahdistanz allerdings erst rechte keine Abwehrchance gehabt.

Schultes Unterricht trägt Früchte

Dass Neuer diese Szene so schnell abhakte, dass er schon eine Minute später bei Lampards nicht gegebenem Tor wieder hellwach war, darf sich auch Helmut Schulte, heute Sportchef des FC St. Pauli, ans Revers heften.

"Er hat früher beim Theorieunterricht auf der Fußballschule auf Schalke appelliert, dass ein Torwart immer bei null anfängt, egal wie der Spielstand ist", hatte Neuer schon in der Vorwoche erzählt.

"Es spielt dann keine Rolle, ob du 0:3 hinten liegst und dabei zwei Fehler gemacht hast. Das muss man sich immer vor Augen halten."

Müllers Urteil steht

Das tat er mit Erfolg, denn einer glänzenden Parade gegen Lampard (34.) ließ er nach dem Seitenwechsel noch zwei gegen Jermain Defoe (58.) und Gerrard folgen (81.).

"Mit Manuel Neuer können die englischen Schlussleute eben nicht mithalten", urteilte Thomas Müller. Der zweifache Torschütze (67./70.) hat den Vergleich. Er muss es wissen.

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