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Ein Händchen für Talente: Horst Hrubesch (r.) im Gespräch mit Jerome Boateng © getty

Im SPORT1-Interview spricht Horst Hrubesch über eine neue Spielergeneration, von der Deutschland noch viel erwarten kann.

Von Daniel Rathjen

München - Kaum einer kennt die deutschen Shootingstars besser:

Horst Hrubesch wurde als DFB-Nachwuchscoach 2008 U-19-Europameister und 2009 mit der U 21 ebenfalls.

Der 59-Jährige weiß um die Qualität der Jungspunde, die jetzt in der A-Nationalmannschaft in Südafrika für Furore sorgen (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Zu seinen Zöglingen gehören Manuel Neuer, Mesut Özil, Sami Khedira, Jerome Boateng, Marko Marin und Dennis Aogo.

Der Ex-Nationalstürmer hat ein Auge für Leitwölfe und erkannte schnell, dass die neue Spielergeneration, die in Deutschland heranwächst, ein starkes Potenzial für Selbstmotivation hat.

In der Kabine ließ er Neuer, Boateng und vor allem Kapitän Khedira die Ansprachen halten.

Von dieser Zeit profitieren die Akteure nun bei der WM.

Im SPORT1-Interview stellt Hrubesch fest, dass seine Schützlinge, erwachsen geworden sind.

SPORT1: Herr Hrubesch, "Ihre" Jungs mischen die WM auf. Sind Sie stolz?

Horst Hrubesch: Nun ja, eigentlich müsste ich mich bei Sami Khedira beschweren. Der hat in einer Pressekonferenz gesagt, Lionel Messi sei der Topspieler der WM.

SPORT1: Sehen Sie das anders?

Hrubesch: Ich verfolge die Spiele sehr genau. Und bislang gibt es für mich nur einen absoluten Topspieler: Mesut Özil. Wenn der auch noch seine drei Tore gemacht hätte, die er hätte machen müssen, wäre vielleicht auch Sami auf die Idee gekommen, ihn zu nennen.

SPORT1: Özil besser als Messi - ist das nicht zu überheblich?

Hrubesch: Nein, das hat nichts mit Arroganz zu tun. Genau dieses Auftreten brauchst du, dieses Bewusstsein der eigenen Stärke. Deutschland ist in der Lage, das Spiel selbst zu machen und muss sich nicht nach dem Gegner richten.

SPORT1: Nochmal zur Eingangsfrage: Was sagen Sie zur Leistung Ihrer Zöglinge?

Hrubesch: Es freut mich ungemein, wenn ich sehe, wie sie Fußball spielen. Aber ich muss auch sagen, sie haben die ersten drei WM-Spiele gebraucht, um festzustellen, dass sie tatsächlich auf Topniveau agieren können.

SPORT1: Was ist Ihnen besonders aufgefallen?

Hrubesch: Die Spieler sind erwachsen geworden. Bislang konnten sie immer mitlaufen, nun tragen sie selbst Verantwortung. Aber sie wollen sie auch - und das Vertrauen zahlen sie mit erfrischendem, mutigem Fußball zurück.

SPORT1: Hat der deutsche Fußball eine neue Qualität?

Hrubesch: Wir gucken ja gerne immer ins Ausland. Auf Rooney oder Messi. Deswegen bin ich froh, dass wir die jungen Deutschen überhaupt wertschätzen. Andere Trainer wären überglücklich, wenn sie einen Özil, Khedira oder Müller hätten. Die würden überall spielen.

SPORT1: Die neuen Weltstars tragen den Adler auf der Brust?

Hrubesch: Natürlich. Wir sagen immer noch: "Oh, wie toll, die können das ja!" Für mich ist das aber keine Überraschung, ich wusste das schon seit Jahren. Seit zehn Jahren treiben wir konsequent die Ausbildung der Nachwuchsakteure in Deutschland voran. Und es werden schon bald noch einige mehr nachrücken: Reinartz, Hummels, Castro, die Benders, Gebhart... wir haben tolle Aussichten!

SPORT1: Der Hype muss also nicht gebremst werden?

Hrubesch: Diese neue Spielergeneration musst du einfach lassen. Wenn es drauf ankommt, kannst du einem Spieler immer noch zwischen die Ohren hauen. Das war bei uns damals auch nicht anders. Sie sind Winner-Typen, Realisten und in ihrer Art weder überheblich noch vermessen. Die heben nicht ab.

SPORT1: Warum sind Sie sich da so sicher? (Der SPORT1-WM-Spielplaner)

Hrubesch: Der Müller weiß beispielsweise doch auch: Er ist mit sehr viel Arbeit dahin gekommen, wo er jetzt ist. Ein Khedira spielt auch nicht nur so, weil er "nur" Talent hat. Gleiches gilt für Aogo und Boateng. Özil ist sicher kein Trainingsweltmeister, aber er ist im Spiel bereit, alles zu geben.

SPORT1: Woher kommt diese Mentalität?

Hrubesch: Das Schönste ist, wenn du spielst. Wenn du das Gefühl bekommst, gegen Top-Mannschaften bestehen zu können. Das Spiel gegen Australien, gegen die alle anderen Probleme hatten, war die Basis. Das Spiel gegen Serbien war ein wichtiger Dämpfer. In der Partie gegen Ghana haben die Spieler gemerkt, dass sie mit der Drucksituation fertig werden.

SPORT1: War das 4:1 gegen England für Sie noch eine Überraschung?

Hrubesch: Nein, weil wir einfach Qualität haben. Wir sind in der Lage, schnell und direkt zu spielen. Wir können Tore machen und kompakt in der Abwehr stehen. Das Spiel war ein Meisterstück.

SPORT1: Sind Sie auch für das Viertelfinale gegen Argentinien optimistisch?

Hrubesch: Vor dem Spiel mache ich mir keine großen Sorgen, weil wir unser Spiel nicht umstellen müssen. Argentinien muss uns schlagen, nicht umgekehrt. Klar, auch die Tagesform wird entscheidend sein. Aber die Mittel haben wir.

SPORT1: Auch für das Erreichen des Finales?

Hrubesch: Es wäre kein Beinbruch, gegen Argentinien auszuscheiden. Natürlich gebührt Messi Respekt. Aber die aktuelle deutsche Mannschaft hat das Zeug, die Argentinier nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen und dann auch bis ins Finale zu kommen. Daran glaube ich fest.

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