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Die DFB-Sportmediziner vor dem WM-Spiel gegen Australien in Durban © getty

Schweinsteigers Einsatz war fraglich, trotzdem glänzt er gegen England. Daran haben bestimmte Herren beim DFB großen Anteil.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion ? Es ist ruhig am Dienstagnachmittag im Velmore Grande.

Die deutschen Nationalspieler genießen ihre freien Stunden, eine Gruppe um Lukas Podolski brach um 6 Uhr früh zu einer Safari auf.

Erst um 23 Uhr müssen sich die Kicker wieder im abgelegenen deutschen Mannschaftsquartier auf halber Strecke zwischen Pretoria und Johannesburg einfinden.

Doch nicht alle machen von der Möglichkeit Gebrauch, das Hotel zu verlassen.

Klose schwelgt in höchsten Tönen

Einige begeben sich auch am trainingsfreien Tag in die Hände der Sportmediziner Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Dr. Josef Schmidt oder der Physiotherapeuten Klaus Eder, Wolfgang Bunz, Christian Huhn und Jan Kerler.

"Man kann das Talent dieser Leute kaum beschreiben, eine Verletzung genau zu erkennen und dann auch richtig zu behandeln", lobte Miroslav Klose den medizinischen Stab, der aktuell vordringlich damit beschäftigt ist, Cacau nach dessen Bauchmuskelzerrung für das Viertelfinale am Samstag (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) gegen Argentinien wiederherzustellen.

Der Anteil der Ärzte und Physiotherapeuten am bisherigen Erfolg der deutschen Mannschaft ist beträchtlich.

So behandelten sie die muskulären Beschwerden von Bastian Schweinsteiger und Jerome Boateng innerhalb von knapp vier Tagen zwischen den Spielen gegen Ghana (1:0) und England (4:1) derart erfolgreich, dass bei beiden von den Blessuren auf dem Platz nichts zu sehen war.

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Schweinsteigers gute Verfassung sichtbar

Schweinsteiger schwang sich gar zum bärenstarken Taktgeber der glänzenden deutschen Mannschaft auf (GAMES: Das WM-Tippspiel).

Besonders auffällig wurde seine gute physische Verfassung beim dritten deutschen Treffer, den er mit einem Spurt über fast das gesamte Spielfeld und einem überlegten Zusammenspiel mit Thomas Müller vorbereitete.

"Ich bin bis in die Nacht behandelt worden", berichtete Schweinsteiger nach den temporeichen 90 Minuten. "Aber dem Oberschenkel geht es gut."

Dass es durchaus ein Wagnis war, den Münchner und Boateng gegen die Briten einzusetzen, räumte Joachim Löw ein.

"Ein Restrisiko bleibt immer"

"Ein Restrisiko bleibt ja immer, wenn einem nur wenige Tage Zeit nach dem Ghana-Spiel bleiben", sagte der Bundestrainer.

"Aber beide konnten am Samstagabend trainieren. Zudem hatte ich noch ein Gespräch mit unserer medizinischen Abteilung, die grünes Licht gegeben hat."

Bestes Medizinerteam?

Das Vertrauen auf das Urteil der Ärzte ist im deutschen Team schier grenzenlos.

"Einen besseren medizinischen Stab als wir hat wohl keine Mannschaft in diesem Turnier", vermutete schon Müller im SPORT1-Interview.

"Wenn man weiß, wie schnell man sich nach einer Muskelverhärtung wieder fit fühlt, ist man einfach froh, diese Leute im Umfeld zu haben", sagt nun auch Klose.

Dass nicht alle Spieler ihren freien Tag auf Safari verbringen, führt er auch auf das Einwirken der routinierteren Akteure zurück

256033(DIASHOW: So schön jubelt Deutschland).

Massagebank statt Safari

"Selbst die vielen jungen Spieler versuchen unsere Erfahrung anzunehmen und legen sich auf die Massagebank", erklärt Klose. "Das ist wichtig. Man muss fit ins Spiel gehen, nur dann kann man diese Leistung bringen."

Nicht nur bei den deutschen Profis sind die DFB-Mediziner hoch angesehen.

So überraschte Kevin-Prince Boateng damit, dass er sein ghanaisches Trikot vom Spiel gegen Deutschland ? für ihn nicht gerade irgendeine beliebige Partie ? nach dem Abpfiff Müller-Wohlfahrt in die Hand drückte.

"Er ist ein Patient von mir", begründete der Orthopäde kurz diese Geste. Mehr verriet er nicht. Schließlich gilt es, eine Vertrauensbasis aufrechtzuerhalten.

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