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Thomas Müller hat bei der WM bisher drei Vorlagen gegeben und drei Tore erzielt © getty

Thomas Müller ist auf dem besten Weg, der Shootingstar der WM zu werden. Nicht nur, weil er bislang äußerst überzeugend spielt.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Im Moment hat Thomas Müller keine Zeit dazu.

Kein Wunder, der 20-Jährige ist nach seinem steilen Aufstieg vom unbekannten Drittligakicker zum bestaunten Shootingstar der WM in Südafrika mit anderen Dingen beschäftigt.

Aber irgendwann wird das vorbei sein und er wird zur Ruhe kommen.

"Vielleicht denkt man dann mit 40 Jahren einmal auf die Karriere zurück und sagt sich: Mensch, das erste Jahr, das war ein Wahnsinn!", sagte Müller im Gespräch mit SPORT1.

Fantastische Premierensaison

Es wäre eine durchaus treffende Vokabel. Denn besser kann eine Saison für einen Neu-Profi kaum laufen.

Mit 13 Treffern und elf Torvorlagen avancierte er bei Bayern München gleich zum besten Scorer, noch vor Arjen Robben, und trug maßgeblich zum Double bei.

Über seine vergebene Großchance im verlorenen Champions-League-Finale gegen Inter Mailand tröstete ihn die WM-Nominierung hinweg.

Löw schwärmt: "Unglaubliche Qualität"

Und in Südafrika liegt er mit drei Toren aussichtsreich im Rennen um die Torjägerkrone, dazu winkt ihm der Best-Young-Player-Award.

"Er hat eine unglaubliche Qualität im Sechzehner, er ist unglaublich kalt vor dem Tor. Und das mit 20 Jahren", schwärmt Bundestrainer Joachim Löw.

Müllers berühmter Namensvetter Gerd hat neben der Rückennummer 13 noch weitere Gemeinsamkeiten entdeckt.

"Wir verfügen über einen guten Torriecher, schießen beidfüßig und fackeln vorm Tor nicht lange", lobt der einstige "Bomber der Nation".

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Ein unverbrauchter Typ

Was Müller junior aber so populär macht, ist seine herzerfrischende Art auch abseits des Platzes (GAMES: Das WM-Tippspiel) .

So grüßte er nach dem grandiosen 4:1 im Achtelfinale gegen England erst einmal via Fernseher die beiden Omas und den Opa, "weil das schon lange überfällig war".

"Jemand, der nach so einem Spiel auch noch seine Omas grüßt, das ist wahre Größe. Das ist Souveränität", war sogar ARD-Experte Günter Netzer beeindruckt.

"Da muss man stolz sein auf so einen Jungen."

Gefragte Verwandtschaft

Und das sind sie natürlich im oberbayerischen 1500-Seelen-Dorf Pähl, wo in den vergangenen Tagen fast Müllers gesamte Verwandtschaft interviewt wurde 256033(DIASHOW: So schön jubelt Deutschland).

Um immer wieder zu erzählen, dass der Thomas "so ein lieber Bua" ist, wie beispielsweise die gegrüßte Oma Erna Burghart der "Süddeutschen Zeitung" sagte.

Dieser liebe Bua, seit November 2009 mit seiner Lisa verheiratet, ist angenehm geerdet, aber keineswegs auf den Mund gefallen.

"Ich folge meinen Instinkten"

Wäre die Vokabel nicht so antiquiert, würde man ihn einen Lausbub nennen.

"Wer mich kennt, weiß, dass ich meinen Instinkten auf dem Platz mehr folge als Anweisungen", antwortete Müller nach dem England-Spiel schelmisch auf die Frage nach der taktischen Vorgabe, mit der er in die Partie geschickt worden sei.

"Wenn ich nur rechts am Flügel klebe, dann kann da auch der Zeugwart spielen."

Tat er aber nicht, stattdessen wurde Müller nach seinem Doppelpack in der 67. und 70. Minute zum "Man of the match" gekürt - eine Auszeichnung, die er aber nicht zu hoch hängte:

"Das muss ja einer werden. Und meistens wird es der, der zwei Tore macht."

Klose macht sich keine Sorgen

Dass Müller nun dermaßen in den Schlagzeilen steht, neidet ihm in der Mannschaft niemand.

"Ich freue mich wirklich für den Jungen. Er hat Talent und Qualität und spielt einfach drauflos", sagt Miroslav Klose.

"Irgendwann kommt zwar die Wende, wo es nicht so gut läuft. Aber um Thomas mache ich mir keine Sorgen, weil er einfach noch nicht den Schädel dazu hat, sich darüber Gedanken zu machen."

Aktuell hat Müller ohnehin keine Zeit dazu. "Ich will schließlich in Südafrika am liebsten noch fünf, sechs Tore machen", sagt er.

Natürlich im Scherz. "Ich weiß schon, dass das nicht realistisch ist."

Aber vor einem Jahr klang vieles nicht realistisch, was dann bei Thomas Müller eingetreten ist.

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