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Bastian Schweinsteiger absovierte bei der EM 2004 sein erstes großes Turnier © getty

Der Mittelfeldmotor des DFB-Teams attackiert Argentinien vor der Neuauflage des WM-Viertelfinals von 2006. Sie seien "respektlos".

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Man muss davon ausgehen, dass Bastian Schweinsteiger das nicht aus einer spontanen Laune heraus getan hat.

Er wollte das Podium nutzen, er wollte eine Botschaft herüberbringen.

"Ich habe auch außerhalb des Platzes jetzt mehr Verpflichtungen", hatte der "emotionale Leader" der deutschen Nationalmannschaft schon im Vorfeld gesagt.

Was er darunter versteht, wurde auf der Pressekonferenz am Mittwoch deutlich.

Schweinsteiger: 2006 noch im Kopf

Er hatte sich ganz offensichtlich vorgenommen, die Öffentlichkeit und die Schiedsrichter des Viertelfinals am Samstag (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) für die bisweilen nickelige Spielweise der Argentinier zu sensibilisieren.

"Natürlich hat man noch das Elfmeterschießen vom WM-Viertelfinale 2006 im Kopf", sagte Schweinsteiger also.

"Aber was noch viel mehr in Erinnerung ist, ist das, was danach passiert ist: Diese Handgreiflichkeiten der Argentinier uns gegenüber. Das steckt noch sehr in den Köpfen drin."

Frings nach Rangelei gesperrt

Damals hatte Leandro Cufre Per Mertesacker einen Tritt in den Unterleib versetzt, Torsten Frings wurde für sein Einschreiten für das Halbfinale gesperrt.

"Sie kamen singend und tanzend aus dem Bus gestiegen und sind tretend und schlagend vom Platz gegangen", erinnerte sich Jens Lehmann an die Argentinier von damals.

Nun, sagte Schweinsteiger, gelte es in Kapstadt, "sich von den Argentiniern nicht provozieren zu lassen. Ich hoffe, dass der Schiedsrichter das unterbindet, dass er merkt und ein Gefühl dafür bekommt, wer da wen provoziert."

Seinen jungen Teamkameraden Thomas Müller hat Schweinsteiger offensichtlich schon gut eingestimmt. Auch der betonte, "dass wir uns nicht provozieren lassen dürfen. Aber wenn wir gewonnen haben, können wir ruhig wieder in den Infight gehen", fügte er mit einem Schmunzeln an.

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"Das ist respektlos"

Wer das Spiel leiten wird steht bis dato übrigens noch nicht fest. Schweinsteiger hätte es womöglich besser bei seinen ersten Sätzen belassen sollen, die Message war angekommen. Doch dann setzte er zur Pauschalkritik an.

"Es geht ja schon vor dem Spiel los und setzt sich im Spiel fort. Wenn man die Spiele der Argentinier sieht, wie sie gestikulieren und versuchen, den Schiedsrichter zu beeinflussen. Das gehört sich in meinen Augen nicht", meinte er. "Das ist respektlos, aber die Argentinier sind so."

Auch Zuschauer in der Kritik

Und weil er gerade dabei war, die Argentinier "an und für sich" zu beurteilen, bezog er auch die mitgereisten Anhänger in Südafrika noch mit ein. 256033(DIASHOW: So schön jubelt Deutschland)

Den mangelnden Respekt anderen gegenüber erkenne man "auch daran, dass die argentinischen Fans im Stadion zusammensitzen, obwohl sie gar nicht die Tickets dafür haben. Andere Zuschauer suchen dann ihren Platz, sehen, dass der besetzt ist und müssen sich irgendwo hinstellen. Das zeigt schon ein bisschen ihren Charakter und ihre Mentalität. Darauf müssen wir uns einstellen."

In den mindestens 90 Minuten im Green Point Stadium werde es für ihn und seine Mitspieler sicher "nicht immer leicht, sich in der einen oder anderen Situation zurückzuhalten. Aber man muss bedenken, dass wir sieben Spieler haben, die mit einer Gelben Karte vorbelastet sind. Da gilt es, die Ruhe zu bewahren."

"Wir haben viel Selbstvertrauen getankt"

Klappt das, sieht Schweinsteiger durchaus gute Chancen, wie 2002 und 2006 ins Halbfinale vorzustoßen.

"Wir haben viel Selbstvertrauen getankt, weil wir der Drucksituation im Spiel gegen Ghana standgehalten und gegen England taktisch sehr gut gespielt haben", erklärte der 25-Jährige, der ein "sehr taktisches Spiel wird, vielleicht wie 2006".

Viel wird dabei darauf ankommen, ob es der Auswahl von Joachim Löw gelingt, die bärenstarke argentinische Offensive um Lionel Messi auszuschalten.

Kein "Artenschutz" für Messi

Die Kritik von "Albiceleste"-Coach Diego Maradona, Messi werde zu wenig vor gegnerischen Tritten geschützt, lässt Schweinsteiger kalt:

"Wenn ein Spieler ziemlich lange den Ball hat, kann es mal vorkommen, dass man ihm auf die Socken gibt. Wir sind aber nicht die Spieler, die den Gegner absichtlich verletzen wollen."

Messi müsse vielmehr "im Kollektiv" gestoppt werden. "Er hat bei der WM noch kein Tor gemacht. Wir wollen, dass das so bleibt", sagte Schweinsteiger.

Allerdings sei es ein Fehler, das Augenmerk zu sehr auf Messi zu richten. "Die Argentinier haben auch andere Spieler, die die Freiräume in den vergangenen Spielen genutzt haben."

Lob für Veron

Schweinsteiger geht aber davon aus, dass die deutsche Mannschaft mit einer Ausrichtung in die Partie geht, ?die den Argentiniern hoffentlich weh tut".

Es ist übrigens nicht so, dass der Münchner wirklich allen Argentiniern gegenüber negativ eingestellt ist.

So bezeichnete er Juan Sebastian Veron als den bislang überzeugendsten Spieler des Turniers. Auch sein Bayern-Teamkollege Martin Demichelis ist sein Freund, "nur am Samstag kurzzeitig mal nicht".

Er wünsche sich, schloss Schweinsteiger, dass es in Kapstadt "ein Spiel mit möglichst wenig Provokationen wird".

Sein Auftritt am Mittwoch dürfte dazu nicht beigetragen haben.

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