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Philipp Lahm vertritt den verletzten Michael Ballack als Kapitän © getty

Auch Philipp Lahm setzt vor dem Spiel gegen Argentinien eine offenbar kalkulierte Spitze. Maradona gibt sich gelassen.

Von Martin Hoffmann und Martin van de Flierdt

Centurion/München - Einerseits war der Kapitän so staatstragend, wie man es trotz seines jungen Alters schon gewohnt ist.

Er bemühte in der Pressekonferenz vor dem aufgeheizten Viertelfinale gegen Argentinien am Samstag (ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) sachliche Töne.

Er sagte zum Beispiel: "Wir müssen uns auf uns konzentrieren und 90 Minuten ordentlich Fußball spielen." Solche Sachen.

Schließlich aber setzte auch wieder zu einer Stichelei gegen den Rivalen an.

Eine einstudierte Provokation?

Am Ende seiner Gedanken über das Temperament der Argentinier und wie schwer sie sich mit dem Verlieren tun, erklärte er: "Wir werden wir sehen, wie Argentinien diesmal mit einer Niederlage umgehen wird."

Lahm sagte das im Lauf der Pressekonferenz noch ein zweites Mal, für die Reporter, die es beim ersten Mal verpasst hatten - was den Eindruck verstärkte, dass es kein spontaner Spruch, sondern eine einstudierte Provokation war.

Es passte zu den überraschenden Respektlosigkeits-Vorwürfen von Bastian Schweinsteiger am Tag zuvor.

Die Einlassungen haben viel Staub aufgewirbelt - nicht aber innerhalb des DFB-Teams.

Keine Konsequenzen für Schweinsteiger

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff verneinte die Frage, ob man Schweinsteiger deshalb zur Ordnung gerufen hätte.

Die Äußerungen seien "nicht so schlimm" gewesen. Schweinsteiger sei ein "eher lockerer Typ", aber ein fairer Sportsmann.

Und auch Lahm fand nichts Anstößiges an Schweinsteigers Worten. Ob er von ihnen überrascht gewesen wäre? "Überhaupt nicht."

"Provokationen gibt es immer"

Anscheinend gehört es zur deutschen Strategie, das argentinische Temperament mit kalkulierten Spitzen herauszufordern.

Denn das gehört wohl zu den "wenigen Fehlern", die Deutschlands Scouts laut Bierhoff bei den Argentiniern ausgemacht haben.

Der DFB-Manager redete dabei die Bedeutung der psychologischen Kriegsführung klein: "Wir sollten das zurücklassen, kühlen Kopf bewahren und zusehen, dass wir unser Spiel spielen und uns auf das konzentrieren was wir können."

Provokationen gebe es "immer auch", so Bierhoff.

"Bist du nervös, Schweinsteiger?"

Das weiß auch Argentiniens Coach Diego Maradona, der Schweinsteigers Provokation mit einer Frage beantwortete.

"Bist du nervös Schweinsteiger?", meinte er in seiner Pressekonferenz: "Wir haben keine Zeit, um uns über dich Gedanken zu machen. Meine Jungs wollen einfach auf das Feld gehen und Revanche für 2006 nehmen."

Maradona richtete noch weitere Worte direkt an Schweinsteiger: "Mir ist es egal, was du über Tritte sagst. Egal, ob Du behauptest, dass wir schlechte Verlierer seien."

Rückendeckung für "Micho"

Zugleich trat Maradona auch dem verbreiteten Eindruck entgegen, er werde gegen Deutschland die umstrittenen Martin Demichelis und Angel Di Maria aus der Startelf nehmen.

"Wer sagt, dass Demichelis schlecht ist?", meinte er über den Bayern-Verteidiger: "Der muss wohl blind sein. Martin ist unser Abwehrchef."

Ebenso baute er Di Maria auf: "Angel kann jeden Moment explodieren. Das liegt schon in der Luft."

Cacau fällt weiter aus

Genauso hatte Joachim Löw vor Turnierstart Lukas Podolski aufgebaut. Um den gab es im deutschen Lager Aufregung, weil er das Mittwochstraining wegen einer Muskelverhärtung abbrach.

Bierhoff beruhigt allerdings die Gemüter: Podolski werde aller Voraussicht nach am Samstag spielen können. Ebenso wie Mesut Özil, dessen Trainingspause eine Regenerationsmaßnahme gewesen sei.

Nur Stürmer Cacau wird dem deutschen Team mit seiner Bauchmuskelzerrung weiter fehlen: "Es sieht nicht so gut aus."

"Zeit, eine große Mannschaft zu schlagen"

Philipp Lahm konnte sich am Ende der Pressekonferenz übrigens eine zweite Stichelei nicht verkneifen, auch wenn sie diesmal nicht den Argentiniern galt.

Sie ging in Richtung England. "Es ist an der Zeit, dass wir wieder eine große Mannschaft schlagen", meinte er an sein Team gerichtet. Und die Großen seien eben Brasilien Spanien - und Argentinien.

Die "Three Lions" zählt Lahm auf Nachfrage ausdrücklich nicht dazu.

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